Published: 18.11.2025





























Ich muss leider feststellen, dass individuelles Reisen in Nicaragua, wie zuvor schon in Costa Rica, ohne eigenes Fahrzeug gar nicht so einfach ist. Dummerweise habe ich meinen Führerschein zu Hause gelassen, weil ich zum Zeitpunkt meines Reiseantritts aufgrund meines Bänderrisses nicht fahren konnte und die Option eines Mietwagens auch aus Kostengründen verworfen hatte. Inzwischen bereue ich diese vorschnelle Entscheidung, denn ein Auto würde vieles erleichtern.
Erschwerend kommt hinzu, dass hier in Nicaragua noch Nebensaison ist. Viele Touranbieter starten ihre Touren erst ab zwei Teilnehmenden, und meist bin ich die einzige Interessentin.
So kam es, dass ich an meinem letzten Tag in Granada versuchte, mit dem öffentlichen Bus die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung zu besuchen, die auch der Touranbieter im Programm gehabt hätte, zu der Tour es jedoch mangels Teilnehmer nicht gekommen war.
Den Aussichtspunkt mit Blick auf die Laguna Apoyo konnte ich relativ problemlos erreichen. Gerne wäre ich anschließend auch in der Lagune schwimmen gegangen, doch ein Zugang zum Wasser besteht fast nur über die privaten Hotels und Hostels direkt am Ufer. Der größte Teil des Ufers ist zu stark bewachsen und somit nicht zum Baden geeignet. Ein Bus zu den entsprechenden Unterkünften fuhr nicht, und mit dem Taxi dorthin zu fahren, war mir der Aufwand und auch die Kosten nicht wert.
Am Abend wollte ich dann den Vulkan Masaya besuchen, in dessen Krater noch glühende Lava zu sehen sein soll. Wie so oft fuhr der öffentliche Bus bis zum Eingang des Nationalparks, und die Anreise verlief problemlos. Ich plante, gegen 17 Uhr, also mit Einsetzen der Dämmerung, vor Ort zu sein, um im Dunkeln einen möglichst guten Blick auf die leuchtende Lava zu haben. Schon an der Zufahrt stauten sich zahlreiche Autos mit Touristen, die dasselbe Spektakel sehen wollten.
Am Tickethäuschen erklärte mir der Parkwächter jedoch, dass eine Besichtigung zu Fuß nicht möglich sei, man müsse mit einem Fahrzeug zum Krater fahren. Während ich noch überlegte, ob ich die Wartenden in ihren Autos um eine Mitfahrgelegenheit bitten sollte, bot der Parkwächter an, mir einen Shuttle zu organisieren. Kurz darauf wurde ich im Pickup zur Zwischenstation gefahren, an der sich auch ein kleines Museum befindet. Dort erfuhr ich, dass in präkolumbianischer Zeit am Krater Kinder und jungfräuliche Mädchen geopfert wurden, um den Vulkan zu besänftigen.
Vom Museum aus ging es nach einiger Wartezeit weiter zum Krater. Aufgrund der giftigen Gase darf man sich dort nur 20–30 Minuten aufhalten; die Dämpfe reizen zudem sofort die Schleimhäute. Das Erlebnis war dennoch einzigartig.
Zurück am Parkausgang begann das zweite Abenteuer: die Rückfahrt nach Granada. Das bedeutete, im Dunkeln an einer kaum beleuchteten Landstraße zu warten und darauf zu hoffen, dass noch ein Bus fuhr – ein Szenario, vor dem jeder Reiseführer ausdrücklich warnt. Nach kurzer Zeit hielt tatsächlich ein Minibus, der allerdings so voll war, dass ich die ersten Kilometer auf dem Trittbrett der ersten Stufe bei offener Tür mitfahren musste. Was bei uns in Deutschland undenkbar wäre, ist hier alltäglich
Inzwischen bin ich auf der Insel Ometepe angekommen. Die Insel hat die Form einer Acht, und sowohl im Norden als auch im Süden erhebt sich jeweils ein Vulkan.
Auch hier gestaltet sich das individuelle Erkunden schwierig. Es gibt zwar einen Bus, der etwa stündlich über die Insel fährt, doch einen verlässlichen Fahrplan gibt es nicht. Der Bus kommt, wenn er kommt. Und manchmal kommt er eben auch nicht.
Die Einheimischen fahren fast alle Motorrad, und auch Touristen können an jeder Ecke eines mieten, aber das ist für mich erst recht keine Option. Heute habe ich zweimal rund 40 Minuten auf den Bus warten müssen. Zwischendurch hatte ein Lieferwagenfahrer Mitleid mit mir und hat mich ein Stück mitgenommen. Auf diese Weise werde ich wohl auch in den nächsten Tagen die Insel erkunden.
