O wie schön ist Panama
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Miraflor - eine vergessene Gegend

Veröffentlicht: 30.11.2025

Die vergangenen zwei Tage habe ich in Miraflor verbracht, einem Naturreservat in den Bergen nordöstlich von Estelí. Die Region liegt auf etwa 1.500 Metern Höhe und ist stark landwirtschaftlich geprägt. Die Straßen sind unbefestigt, und abgesehen von kleinen Farmen und Bauernhöfen gibt es kaum Infrastruktur. Die Menschen dort leben in großer Armut. Landwirtschaftliche Maschinen sind nicht vorhanden; gepflügt wird noch immer mit einem hölzernen Pflug, der von zwei Ochsen gezogen wird.

Dreimal täglich fährt ein Bus in die nächstgelegene Stadt. Für die 42 Kilometer über holprige Schotterpisten benötigt er rund drei Stunden. Er transportiert nicht nur Fahrgäste, sondern versorgt die Bewohner entlang der Strecke mit wichtigen Gütern aus der Stadt – ein logistischer Ablauf, dessen Beobachtung ausgesprochen faszinierend war. An jeder Farm wurden Waren abgeladen und von den wartenden Anwohnern entgegengenommen. Umgekehrt wurden auch landwirtschaftliche Produkte aufgeladen, damit sie in der Stadt verkauft oder weiterverteilt werden können.

Ich war in einer Ecolodge untergebracht, die aufgrund der fehlenden Infrastruktur ausschließlich Zimmer mit Vollpension anbot. Dreimal täglich gab es eine warme Mahlzeit: Gallo Pinto (Reis mit Bohnen) entweder mit einem Ei oder etwas Hühnerfleisch. Die Ausstattung der Lodge war sehr einfach, und wegen der dauerhaft hohen Luftfeuchtigkeit roch alles, das Zimmer als auch die Bettwäsche, muffig und feucht.

Zur Lodge gehörten außerdem vier große, flohverseuchte Hütehunde, die zwar grundsätzlich freundlich waren, aber völlig unerzogen. Sie terrorisierten nicht nur Kühe und Hunde aus der Nachbarschaft, sondern waren auch gegenüber den wenigen Gästen der Lodge aufdringlich.

Die Besitzerin der Lodge, Isabel, ist Deutsche. Sie lebt dort allein (ich vermute, ihre Ehe ist gescheitert; zumindest hat sie einen Sohn, der allerdings nicht bei ihr lebt) und ist etwas wunderlich. Vielleicht verständlich, wenn man so abgeschieden lebt. Vor diesem Hintergrund kann ich auch verstehen, warum sie das Verhalten der Hunde nicht stärker reguliert. 

Ich muss gestehen, dass ich etwas erleichtert war, als ich heute Morgen im Nebel zur Bushaltestelle gelaufen bin, um weiterzureisen. Die Lebensumstände waren mir zu karg und daher etwas bedrückend. Ich könnte dem europäischen Lebensstandard nicht so leicht den Rücken kehren und abgeschieden am Ende der Welt leben. Isabel tut dies seit 15 Jahren!

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