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Tag 26 – Bootsfahrt zum Trollfjord

Veröffentlicht: 26.08.2018

Leider muss ich, was das Wandern angeht, wieder pausieren. Das rechte Knie zickt wieder. Glücklicherweise gibt es auf den Lofoten ausreichend Ausweichmöglichkeiten, um über das Handicap hinwegzutrösten. Wir befinden uns in der Nähe von Svolvær, größte Stadt der Lofoten und bedeutender Fischereihafen, inzwischen aber auch immer mehr an Wichtigkeit gewinnender Ausgangsort für touristische Aktivitäten. Gestern haben wir bei einem lokalen Anbieter eine Bootsfahrt in den Trollfjord gebucht. Dies ist ein kleiner, schmaler Seitenarm des Raftsunds und war 1880 der Schauplatz der „Schlacht am Trollfjord“.

Der Fjord war damals zugefroren, woraufhin Repräsentanten der Nordmeerfischer die Dampfschiffreeder baten, das Eis aufzubrechen und somit den Zugang zu den großen Kabeljauschwärmen zu erlangen, die sich dort „hineinverirrt“ hatten. Diese taten das allerdings nicht uneigennützig und versperrten den Eingang zum Fjord mit Netzen, um quasi „Eintritt“ von den Fischern zu verlangen bzw. selber abfischen zu können. Die Fischer konnten dies nicht hinnehmen, ging es doch um ihre Existenz und den Fjord als Allgemeingut, und brachen die Blockade, indem sie die Dampfschiffe enterten und sich mit den Besatzungen wilde Schlägereien lieferten. Die Nordlandfischer gingen glücklicherweise siegreich aus dieser Auseinandersetzung hervor. Infolge des politischen Nachspiels dieser Affäre wurde ein Jahr später durch das norwegische Parlament ein Verbot von Senknetzen erlassen.

Nachdem wir im Hafen beim Veranstalter der Tour eingecheckt haben, gehen wir an Bord eines Motorbootes für ca. 20 Personen. Mit seiner Klappe am Bug sieht es aus wie ein militärisches Landungsboot. Doch bevor es los geht, müssen wir zunächst dicke Overalls anlegen, die uns wohl vor Nässe und Kälte schützen sollen. Eine Schwimmweste ist ebenfalls obligatorisch. Dann geht es los. Trotz seines eher uneleganten Aussehens legt der kleine Kahn eine recht ordentliche Geschwindigkeit vor. Als wir das Fahrwasser eines größeren Potts in der Hafenausfahrt kreuzen, wird es etwas holprig und ich muss meine Kamera vor dem Spritzwasser in Sicherheit bringen. Wir sitzen direkt vorne an der Klappe. Dann geht es ab in den Raftsund. Links von uns türmen sich mächtige, nebelverhangene Gipfel auf, rechts sind kleinere Inselchen zu sehen. Es ist eine ausgesprochen kurzweilige Fahrt von etwas mehr als einer Stunde, ich komme aus dem Schauen gar nicht heraus. Ständig verändert sich die Gebirgslandschaft zu unserer Linken und scheint immer noch wilder und kühner zu werden. Schließlich haben wir die schmale Einfahrt des Trollfjords erreicht und steuern hinein. Links und rechts hohe Felswände, ein malerischer Wasserfall an der rechten. Vor uns am Ende des Fjords ein märchenhaftes Gipfelpanorama. Janina erspäht einen Papageientaucher, der sich aber leider meinem Blick durch Verschwinden in einem Felsspalt entzieht. Am Ende des Fjords dreht das Boot eine kurze Runde, viel zu kurz für meinen Geschmack, und schon sind wir wieder auf dem Rückweg. Meine Enttäuschung ob des kurzen Aufenthalts wird jedoch bald darauf wieder aus der Welt geschafft. Neben einer der Inseln macht das Boot wieder Halt, und da sind sie! Drei Seeadler ziehen über uns majestätisch ihre Kreise. Was für eine beeindruckende Spannweite diese Vögel haben! Wir werden Zeugen, wie sich die Adler im Sturzflug ihre Beute aus dem Wasser greifen und sich Luftgefechte mit anderen Vögeln liefern.
Um ein weiteres unvergessliches Erlebnis reicher, befinden wir uns jetzt endgültig auf der Rückfahrt, die mit voller Fahrt erfolgt. Der Seegang ist inzwischen stärker geworden, es geht auf und ab, teilweise macht es den Eindruck, als würde der Bug am Ende jeder Wellentalfahrt ins Meer einstechen. Mehrere querlaufende Wellen treffen das Boot wie Faustschläge. Aber der Mageninhalt bleibt drin und wir kommen sicher wieder im Hafen von Svolvær an.

Der Tag ist noch verhältnismäßig jung, und so statten wir dem kleinen Kriegsmuseum, das auf dem Weg vom Kai zum Marktplatz liegt, noch einen Besuch ab. Es wird von einem Privatmann betrieben, der eine unglaubliche Anzahl an Artefakten aus dem zweiten Weltkrieg zusammengetragen hat. Die fünf nicht sehr großen Räume im Erdgeschoss sind dermaßen vollgestopft mit Gegenständen und dazugehörigen Infozetteln, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Man erfährt Vieles über die Besatzung Norwegens durch die Deutschen und über den norwegischen Widerstand. Besonders hervorgehoben werden die Geschichten einzelner Personen, sowohl von Widerständlern, die teilweise spektakuläre Sabotageakte verübten, als auch von ihren Gegenspielern auf deutscher Seite bzw. der Kollaborateure. Der kleinste Raum, der schummrig ausgeleuchtet ist und die Nachbildung eines Gestapo-Verhörzimmers samt originalen „Requisiten“ darstellt, hinterlässt ein beklemmendes Gefühl.

Nach dem Besuch des Museums ist es an der Zeit, weiterzuziehen. Der Magen knurrt und ein Campingplatz will gefunden werden. Die Nacht verbringen wir nicht unweit vom Trollfjord, nur eben auf der anderen Seite des Gebirges.

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#norwegen#lofoten#trollfjord#svolvær#seeadler