Trick or treat
31.10. während in Deutschland der Reformationstag begangen wird, ist dieser Tag in den USA ein turbulenter Tag . Es ist Halloween. Irische Einwanderer brachten diese...

Veröffentlicht: 02.11.2023
Wild Louisiana
Für mich haben Sümpfe etwas mystisches.Deshalb
ist unser erster Ausflugsziel in New Orleans weder
der Garden District noch das French Quarter sondern die Sümpfe nahe Baton Rouge.
Mit Wild Louisiana Tours haben wir eine private Swamp Tour gebucht.
Die Nacht war kurz, der Frust über die verlorengegangenen Koffer ist gross, aber
trotzdem machen wir uns freudig gespannt auf den Weg.
Schon beim Landeanflug auf den Flughafen New Orleans konnte man
die grosse Sumpflandschaft sehen.
Mit Terry unserem Bootsführer begeben wir uns nun in dieses
traumhafte Labyrinth aus Wasserläufen umgeben von atemberaubender Natur.
Ausser dem Knattern des Bootsmotors hört man nur die Vögel singen, die den Tag begrüssen.
Wir gleiten auf dem spiegelglatten Wasser dahin. Die grossen majestätischen Cypressen von denen das spanische Moos herabhängt, spiegeln sich im Wasser und man hat das Gefühl durch die Baumkronen zu schweben.
Immer tiefer fahren wir in die Sümpfe und sehen wunderschöne Blumen und bizarre Baumstämme, die aus dem Wasser ragen.
Wasservögel suchen nach dem perfekten Platz, sich einen Fisch zu schnappen oder trocknen in der Sonne ihr Gefieder. Die gesamte Atmosphäre sorgt dafür, dass all die Anspannung vom stressigen Anreisetag augenblicklich von uns abzufallen scheint.
Die Stars der Sümpfe, die Alligatoren, zieren sich allerdings, sich uns zu zeigen.
Terry erzählt uns, das die grossen Airboottouranbieter einen Trick anwenden um die urigen Raubtiere vor die Linsen der Touristenkameras zu locken.
Die Lieblingsspeise der Alligatoren sind Vogeleier. Da Marshmellows, für das Alligatorauge gleich aussehen, werden diese als kleiner Snack verfüttert. Die Reptilien fahren total auf Marshmellows ab und sofort, wenn sie den Lärm der Airbootmotoren hören, kommen sie angeschwommen. Pech für uns. Unser Motor ist deutlich zu leise. Ausserdem würde es Terry, der die Sümpfe und seine Bewohner liebt, nicht im Traum einfallen, solche für die Tiere schädlichen Praktiken anzuwenden nur um den Touristen den perfekten Fotoshoot zu liefern. Terry möchte uns nun seinen Lieblingsplatz zeigen. Er steuert das Ufer an und sagt, schaut bitte nach vorne und dreht Euch nicht um. Gespannt schauen wir nach vorne, was uns wohl erwartet. Es tut sich absolut nichts. Plötzlich hören wir es hinter uns plätschern. Was zum Teufel macht Terry da?
Sorry but I needed a restroom klärt er uns auf. Schmunzelnd erwidern wir, no problem.
"Jetzt aber gehts zu meinem Lieblingsplatz" sagt er und bald haben wir diesen mystischen Platz erreicht. Die "ohrenbetäubende" Stille ist unglaublich.
Der Wind macht sich auf, man hört das Rascheln der Blätter oder ist es vielleicht doch ein Waschbär auf der Suche nach leckeren Shrimps? Wir hören ein Geräusch im Wasser. Ist das ein Alligator, auf Beutezug? Wir nehmen alles um uns herum viel intensiver wahr, durch die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlt.
Die Stimmung nutzt Terry, um uns eine der zahlreichen Geistergeschichten zu erzählen, die in Louisiana so beliebt sind, wie in Deutschland Grimms Märchen.
Die Geschichte handelt von einer Frau, die zusammen mit ihrem Mann hier in diesen Sümpfen lebte. Fallensteller drangen in die Sümpfe ein und raubten der Frau und ihrem Mann die Lebensgrundlage.
Die Frau verstand sich auf die Kunst des Voodoo und sie prophezeite.
An dem Tag, an dem ich sterbe, werden auch die räuberischen Trapper sterben.
Wenig später traf ein Hurrikan der Stärke 4 auf die Sümpfe und 300 Trapper kamen in diesem Sturm ums Leben.
Am nächsten Tag stand in der Zeitung geschrieben, dass die Frau gestorben war.
Die Prophezeihung der Frau hatte sich also erfüllt.
Ich habe Gänsehaut. Ich weiss nicht, ob sie von dieser Geschichte kommt oder von einem kalten Wind ,der plötzlich aufgekommen ist.
Eine Kaltfront zieht auf. Die erste in diesem Herbst.
Es ist Zeit für uns umzukehren.
Ein wunderbarer Vormittag geht zu Ende.