Wildes Louisiana
Wild Louisiana Für mich haben Sümpfe etwas mystisches.Deshalb ist unser erster Ausflugsziel in New Orleans weder der Garden District noch das French Quarter sondern die Sümpfe...

Veröffentlicht: 02.11.2023
31.10.
während in Deutschland der Reformationstag begangen wird, ist dieser Tag in den USA ein turbulenter Tag .
Es ist Halloween.
Irische Einwanderer brachten diese Tradition nach Amerika.
Es wird der Abend vor Allerheiligen gefeiert. Aus All Hallows Eve wurde Halloween.
Die Häuser werden mit Kürbissen und Geisterfiguren geschmückt.
Die Legende berichtet, dass in Irland der Bösewicht Jack Oldfield lebte, der den Teufel mit einer List einfing. Er wollte ihn nur freilassen, wenn er Jack nicht mehr in die Quere kommt.
Nach Jacks Tod war ihm der Zutritt zum Himmel aufgrund seiner Boshaftigkeit versperrt und auch in die Hölle wollte der Teufel ihn nicht lassen, weil Jack ihn betrogen hatte. Der Teufel erbarmte sich aber seiner und schenkte Jack eine Rübe und ein Licht, mit dem er fortan im Dunkel wandern konnte. Aus der Rübe aus der Legende machten die irischen Einwanderer einen Kürbis, weil es massenweise Kürbisse in den USA gab. Dieser Kürbis hiess fortan Jack 'o Lantern.
Um böse Geister abzuschrecken, schnitzte man Fratzen in die Kürbisse.
Und so wandern in den USA an Halloween kleine Teufel, Hexen , Kobolde und Feen von Haus zu Haus und fordern mit dem Spruch Trick or treat süsse Leckereien.
Für die Erwachsenen ist Halloween eine riesige Party und New Orleans ist eine der Halloween Hochburgen.
Natürlich lassen wir uns dieses Ereignis nicht entgehen. Auch wir wollen die bösen Geister einfangen und dabei richtig Spass haben.
Doch zunächst steht am Vormittag ein spooky Programm an.
Wir besichtigen den St. Louis Cemetery Nr.1.
Gemeinsam mit Gerippen, Prinzessinnen und Dark Ladies spazieren wir über den ältesten Friedhof der Stadt. In unserer Alltagskleidung kommen wir uns fast etwas deplatziert vor.
Erster Stopp der Führung ist am Grab der berühmtesten Voodoo- Priesterin der Stadt. Marie Leveau war eine sehr kluge Frau, die den Leuten die Haare machte. Und wie das ja jeder Friseur gut kann, kitzelte sie die kleinen dunklen und weniger dunklen Geheimnisse aus ihren Kunden heraus und gab diese auch bereitwillig weiter. Sie nutze ihr Wissen über die Einwohner der Stadt geschickt aus.
Wenn sie zum Beispiel wusste, dass der Besitzer des Schuhgeschäftes Angst vor toten Hühnern hat und ein betrogener Kunde des Ladenbesitzers Marie um Rat fragte, wie er ihn erschrecken könnte, riet sie ihm, ein totes Huhn vor die Haustür des Schuhhändlers zu legen. Dies würde ihn zu Tode ängstigen.
Die Rechnung ging auf, Marie wurde reich und galt unter den Menschen als Frau, die etwas von Voodoo versteht.
Bis heute glaubt ganz New Orleans und die halbe USA an die Kräfte der Voodoo Priesterin und die Gläubigen pilgern an das Grab von Marie und erhoffen sich Hilfe. Drei Kreuze werden an die Wand des Grabes gemalt, um den Geist von Frau Laveau zu rufen. Der Wunsch wird vorgetragen und geht er dann in Erfüllung werden die Kreuze umrundet.
Ich habe viele Kreuze am Grab der Frau gesehen, aber nicht einmal einen Kreis darum, was für mich den Schluss zulässt, dass der Geist von Marie Laveau entweder überfordert oder zu träge ist.
Auf dem Friedhof sehen wir auch eine ungewöhnliche Grabstätte. Eine weisse Pyramide steht zwischen all den alten Gräbern.
Nicholas Cage, hat sich hier seinen persönlichen Ruheplatz bereits gesichert.
Nun hält Herr Cage nichts davon, Steuern an die Stadt zu zahlen, in der er beerdigt werden möchte. Deshalb hat New Orleans kurzerhand zwei seiner Häuser in der Stadt beschlagnahmt. Das Einzige, was ihm nun bleibt ,ist sein "schlichtes" Grab. Dafür kann er sich bei Napoleon bedanken. Dieser erliess seinerzeit ein Gesetz, dass jeder Mensch ein Recht auf eine Grabstätte hat und ihm diese nicht genommen werden kann, egal welches Verbrechen er begangen hat.
New Orleans hat, da lange von Franzosen besetzt, dieses Recht übernommen. Herr Cage, richten Sie also ein freundliches Merci an Napoleon. Vielleicht kann Ihnen der Geist von Frau Leveau dabei behilflich sein Kontakt zum kleinen Feldherren aufzunehmen. Sie wissen ja, drei Kreuze......
Die Führung über den Friedhof war unglaublich interessant.
Nun heisst es aber für uns Ready for Halloween.
Tatsächlich haben es unsere Koffer noch zu uns geschafft und so zwänge ich mich in mein Outfit. Die Korsage, die ich trage, lässt nur Brustatmung zu. Aber wer düster sein will, muss leiden.
Glenn, unser Gastgeber, hat uns den Tipp gegeben, in die Frenchman Street zu gehen, weil dort die grösste Party stattfindet.
Auf gehts, Frenchman Street, zieh dich warm an, die dark guys from the Party-Hochburg Norddeutschland are coming.
Das mit dem Warmanziehen hätten wir uns vielleicht zu Herzen nehmen sollen. Sogar die Eskimos würden vor Neid erblassen, wenn sie heute in New Orleans unterwegs wären.
Die Kälte stört in der Stadt an diesem Abend aber niemanden. Es wimmelt auf den Strassen von Zauberern, Teletubbies und Grinsekatzen.
In den Bars mit absolut fantastischer Livemusik tanzt Frankensteins Monster mit Schneewittchen und die Pizza gönnt sich ein Pläuschchen mit einer Haremsdame. Unglaublich diese Stimmung hier. Sogar mein Mann, ein waschechter Mecklenburger, gerät in wahre Ekstase. Er wippt mit den Füssen zu Bluesklängen.
Die ganze Frenchman Street ist eine einzige grosse Party. Alle feiern und trinken, flirten und sind happy. That's the Big Easy, Baby.