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Wenn einer eine Reise tut, dann kann er seine Koffer verlieren

Veröffentlicht: 01.11.2023

Vor einen entspannten Urlaub hat der liebe Gott, vielleicht aber auch sein fieser Gegenspieler, der Mann mit den Hörnern und dem Pferdefuss, die lange Anreise gestellt.

Da wir es furchtbar finden, mitten in der Nacht die lange Anreise mit dem Auto auf uns zu nehmen, übernachten wir in den meisten Fällen am Flughafen in einem Hotel. Dieses Mal fällt unsere Wahl auf das Intercity BER, dass im Vergleich zum früheren Platzhirsch ,dem Steigenberger, deutlich günstiger, aber nicht weniger gut ist. 

Es ist der 29.10. 4.30 Uhr morgens, da machen wir uns auf, den Atlantischen Ozean zu überfliegen, um in The Big Easy, New Orleans unser Abenteuer zu starten.

Für die Überquerung haben haben wir uns stilecht das Flaggschiff der deutschen Luftfahrt die Lufthansa ausgesucht.

Die Formalitäten am längsten und sicher auch teuersten Bauprojekt der Berliner Geschichte, dem BER laufen erstaunlich unkompliziert ab und so langsam fühle ich mich auf diesem Flughafen richtig wohl.

Pünktlich um 7.40 hebt die Kranichairline, die sehr viel Geld in die Entwicklung eines neuen Logos investiert hat, in Richtung Frankfurt ab. ( Die grosse Innovation beim Logo der Lufthansa ist, dass die Farbe gelb aus eben diesem Logo entfernt wurde und der Kranich nunmehr nur noch von blau umgeben ist)

An Bord der Maschine sind wir, drei gut gelaunte Urlauber mit ihrem gut gepackten Gepäck.

Gelandet in Frankfurt, müssen wir nun sportliche Höchstleistungen vollbringen, um unseren Anschlussflug nach Houston zu erreichen, denn hier ist das Motto der Lufthansa, je leichter die Kunden beim Abflug, desto weniger Treibstoff wird benötigt. Also werden die Umstiegszeiten so gehalten, dass jeder Kunde schon ein kleines Workout in Form vom Sprint von einem Gate zum nächsten und der Ausreisekontrolle absolvieren muss. Für uns kein Problem. Für die Mitarbeiter des Fraport aber schon, wie wir später feststellen müssen.

Wir machen es uns in unseren teuren Sitzen mit mehr Beinfreiheit gemütlich, nun kann der Urlaub beginnen. Ready for Take off to Housten Intercontinental Airport.

Natürlich verläuft der ansonsten lange und ruhige Flug nicht ohne ein grosses Highlight.

Matthias, der sich etwas Gutes gönnen möchte, erhält auf seine Frage an die nette ältere Stewardess ,ob er einen Whiskey haben könnte, die freundliche aber bestimmte Antwort, " Spirituosen gibt es nicht mehr auf unseren Flügen"

Da er sehr flexibel ist, steigt er stilvoll auf einen Tomatensaft um, der dann postwendend umkippt und seinen Sitz in eine rote Lache aus Tomatensaft verwandelt. Yeah super, Tomatensaft auf dem Sitz, der Hose und dem Hemd meines Mannes.

Alle Versuche, den Tomatensaft halbwegs von Hemd und Hose zu entfernen scheitern und so sitze ich 10 Stunden neben einen Mann, der frierend versucht, etwas Schlaf zu finden und wie eine Flasche Ketschup riecht.

Tapfer überstehen wir auch diesen Flug und landen im texanischen Houston" Yeehaw"

Die Amerikaner haben ein komisches Transitprozedere entwickelt, das besagt, dass bei einem Transitflug alle Passagiere, die Weiterflüge gebucht haben, zunächst ihr Gepäck abholen und dann wieder aufgeben müssen.

Da die Einreisekontrolle, die kürzeste unseres Lebens ist und nur aus " Guten Tag, sind sie auf Urlaub hier? " besteht, stehen wir relativ schnell am Gepäckband und warten, dass die Cowboys des Houstoner Flughafens unser Gepäck aufs Band befördern und genau ab diesem Zeitpunkt läuft alles schief.

Das Gepäckband und auch die Reihen der wartenden Touristen lehren sich und hinterlässt drei aufgeregte Leute, deren Gepäck es offensichtlich nicht nach Houston geschafft hat. Der Alptraum eines jeden Reisenden wird für uns Realität. Unser Gepäck verloren in den Weiten des Lufthansa-Universums.

Wir werden an einen Kollegen verwiesen, der sich um die Fälle von Vermisstenanzeigen für Koffer kümmert.

I' ll be back in 30 minutes, lesen wir an seiner Tür. Ja genau,so muss es sein. Der für uns wichtigste Mensch des Airports macht Pause.

Aber wir haben drei Stunden Zeit bis zum Weiterflug nach New Orleans also alles im grünen Bereich.

Der kompetente Mitarbeiter teilt uns dann mit, dass er auch nicht weiss, wo unsere Koffer sind, aber wir sollten mal weiterfliegen, die Koffer kommen ganz bestimmt morgen.

Was ist das denn für ne dämliche Aussage? Aber was sollen wir machen, hier kann man uns nicht weiterhelfen. "Houston wir haben ein Problem".

Okay was solls wir müssen uns geschlagen geben und reisen kofferlos nach New Orleans. Auch die Aussicht, dass das Warten am Gepäckband für uns in New Orleans entfällt, tröstet uns wenig.

Am Ziel angekommen, heisst es , wo ist der Verantwortliche für die Koffer? Nach nunmehr schon 24 Stunden auf den Beinen, schleppen wir uns zum lost Luggage Schalter und haben hier erstmals das Gefühl, dass uns geholfen wird. Der Fall wird aufgenommen, wir erhalten einen Link, unter dem wir schauen können, wie weit es unser Gepäck geschafft hat und völlig fertig wollen wir nur noch in unser Gästehaus und schlafen.

Morgen wird alles besser, morgen scheint die Sonne und morgen suchen wir weiter nach unseren Koffern. Gute Nacht New Orleans.

P.S. Die Recherche unserer Tochter, die uns in Deutschland bei der Suche nach den Koffern hilft, hat ergeben, dass die Koffer in Frankfurt ins Flugzeug eingeladen wurden, um dann gleich wieder ausgeladen zu werden. Hallo? War das Workout für die Touristen, verordnet durch die Lufthansa in Form von unmöglichen Umsteigezeiten etwa nicht effektiv genug und wir waren zu schwer, so dass die Koffer einfach nicht mehr befördert werden konnten?

Lufthansa, kürzere Umstiegszeiten müssen her.

Ironie off.

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