Namibia 2023
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First Game Drive

Veröffentlicht: 15.02.2023

Tag 15, 11.01.23, Bagatelle Kalahari Game Ranch

Was für ein Tagesbeginn: Zum Sonnenaufgang sitzen wir auf der Veranda mit einem frischen Kaffee und schauen auf die Kalahari die in einem unglaublichen Licht vor uns erwacht. Ohne Worte, wir bleiben still und genießen den Augenblick.

Die Kalahari (auch Kgalagadi) ist eine Dornstrauchsavanne, teilweise auch Trockensavanne, wird aber gelegentlich wegen des vorherrschenden Sandes als Wüste bezeichnet. Sie erstreckt sich beidseitig des südlichen Wendekreises von der südafrikanischen Provinz Nordkap durch Namibia und Botswana über eine Fläche von über einer Million Quadratkilometern. Sie ist Teil des etwa doppelt so großen Kalahari-Beckens, das sich bis nach Angola und Sambia hinein erstreckt.

Nach einer kurzen Yoga-Einheit von Cindy begeben wir uns zum Frühstück und lassen den Tag ruhig starten. Gegen Mittag beschließt Cindy, noch eine Gravelbike-Tour zu machen. Da der Weg zum Gate aus reinem Sand besteht fahre ich sie dorthin und wir treffen auf Santos, dem Guard am Tor, der uns verwundert anschaut. Es ist das erste Mal, dass er Jemanden mit dem Fahrrad durchs Gate fahren lässt. Wir kommen ins Gespräch und er erzählt uns ein wenig von seinem Leben. Er lebt die ganze Saison am Gate, hat direkt dort einen kleinen Raum mit Bett, Kochnische und Toilette und verbringt dort 24 Stunden am Tag. Ihm gefällt der Job, da er immer wieder neue Menschen kennenlernt und vieles erlebt, so wie unser Erscheinen diesen Morgen. Im April möchte er dann gerne für ein paar Wochen in Richtung Swakopmund. So wie er spricht, glaubt man, dass er sehr zufrieden mit seinem Leben ist und er ist nicht nur freundlich sondern lacht auch sehr viel. Faszinierend!

Nachdem wir dann Cindy auf die Reise geschickt haben kehre ich zurück zum Chalet, nehme mir ein kühles Getränk, setze mich auf die Veranda und schreibe ein wenig an unserer Reisegeschichte weiter. Leider zwingt mich später der starke Wind, in die Hauptlodge umzuziehen.

Gegen frühen Nachmittag fahre ich dann zurück zum Gate um Cindy wieder abzuholen, nicht ohne ein paar Cokes für Santos mitzunehmen, um die er mich gebeten hat. Es ist perfektes Timing, wir kommen zeitgleich an und ich empfange eine verschwitzte, ausgelaugte aber glückliche Cindy. Nach einem kurzen Plausch mit Santos verabschieden wir uns und fahren zurück.

Ein kurzer Sprung in den Pool und dann geht es auch schon weiter im Programm: Um 16 Uhr begeben wir uns auf einen sogenannten Combination Drive: Zuerst eine kleine Safari, dann zum Cheetah Feeding und anschließend gibt es einen Sundowner auf der Düne.

Es empfängt uns Emanuel, unser Guide für die nächsten Stunden. Nach einer kurzen Einweisung geht es los und wir erleben einen sehr schönen Scenic Drive mit vielen Erklärungen und Beschreibungen von Emanuel über die Kalahari und ihrer Flora und Fauna. Unter anderem erfahren wir, dass sogar Giraffen und Oryx die Knochen von den toten Tieren essen, dass der Dung vom weißen Rhino mehr Gras enthält im Gegensatz zum braunen Rhino, der mehr hölzern ist, über die Dürre vor zwei Jahren, die fast alle Tiere hier getötet hat, die Akazie, deren Wurzel bis zu 45 Meter tief wächst und somit das ganze Jahr grün ist und vieles mehr.

Wir begegnen Oryx, Kudus, Springböcken, diversen Vögeln, Giraffen und Zebras. Was will man mehr, denken wir uns und haben zeitgleich die gleiche Antwort parat: Rhinos! Doch diese lassen sich im Moment nicht blicken, noch nicht ….

Nach ca. 2 Stunden geht es dann zum Cheetah-Feeding. In Bagatelle gibt es 6 Geparden, die kurz nach der Geburt ihre Mutter verloren haben und hier aufgenommen wurden. Wir erleben die Fütterung der sechs Geparden hautnah und bekommen von einem ausgebildeten Cheetah-Ranger ausführliche und sehr interessante Erklärungen:

Die Bagatelle Lodge ist in Zusammenarbeit mit dem CCF (Cheetah Conservation Fund) ein anerkannter Ort für die Erhaltung dieser Art. Die sechs Waisenkinder werden auf einem 24 Hektar großen Gehege gehalten, liebevoll ernährt und versorgt. Sie können nicht wieder ausgewildert werden, da sie in Freiheit nicht überleben können. Laut namibischem Gesetz ist es auch verboten, dass Geparde in Gefangenschaft Junge bekommen dürfen.

Im Moment gibt es nur noch ca. 7.100 freilebende Geparde weltweit. Ein Programm des CCF sind die Herdenschutzhunde, das Livestock Guarding Dog (LGD)-Programm. CCF züchtet anatolische Schäferhunde und Kangal-Hunde, um LGDs zu werden. LGDs werden als Welpen bei namibischen Bauern abgegeben. Die Welpen binden sich an die Herde. Wenn sie aufwachsen, helfen ihre Größe und ihr lautes Bellen, Raubtiere abzuschrecken.

Direkt danach geht es zum Sundowner auf die Düne. Auf dem Weg dorthin bekommt Emanuel jedoch die Nachricht, dass sich die Rhinos in der Nähe aufhalten. Wer braucht schon einen Sundowner, denken wir und machen uns auf die Suche. Wir fahren eine Sanddüne hoch und da steht er, Bruno, das Breitmaulnashorn, und versperrt uns den Weg. Und damit wir auch wirklich nicht weiterfahren, steht hinter ihm Grace und deckt die Flanke. Faszinierend beobachten wir wie die beiden sich unserem Fahrzeug nähern und sich neugierig zeigen. Bruno hat es vor allem auf Cindy abgesehen und versuchte, sie sanft mit seinem Horn zu stupsen. Enttäuscht davon, dass von Cindy keine Liebesreaktion folgte, entfernte er sich wieder und folgte seiner eigentlichen Freundin.

Das Breitmaulnashorn ist das viertgrößte Landsäugetier der Erde – nur die afrikanischen und asiatischen Elefanten sind größer. Die Rhinos sind leicht an ihrem namensgebenden großen, breiten Maul zu erkennen. Im Grasland-Ökosystem halten sie als „Rasenmäher“ den Bewuchs kurz. Mit den breiten, kantig verhornten Lippen können sie die Grashalme direkt über dem Boden abbeißen. Seit knapp 15 Jahren erlebt Afrika eine Nashorn Wildereikrise. Den Nashörnern wird zum Verhängnis, dass in Teilen Asiens dem pulverisierten Horn fiebersenkende, entgiftende, krampflösende und seit neuestem auch krebsheilende Wirkung zugesprochen wird. Dank intensiver Schutzmaßnahmen konnte sich bis heute ein Bestand von wieder über 15.000 Tieren entwickeln. Von den nördlichen Breitmaulnashörnern gibt es hingegen nur noch zwei Weibchen weltweit.

Noch schnell ein paar Fotos gemacht und dann schaffen wir es doch noch pünktlich zum Sundowner, kurz bevor die Sonne untergeht. Wir verabschieden sie mit einem Gin Tonic und stoßen auf einen weiteren tollen und erlebnisreichen Tag an.

Nach einem genüsslichen Abendessen, diesen Mal mit mehr Internationalität um uns herum, treffen wir auf dem Weg nach draußen auf Emanuel und beschließen, uns noch auf ein Getränk zusammen zu setzen. Er erzählt uns von seiner Ranger Ausbildung, wo er schon gearbeitet hat, welche Gebiete ihn noch reizen und was er noch erleben möchte. Gespannt und voller Interesse lauschen wir seinen Worten und denken uns, was für ein spannendes und ereignisreiches Leben er führt. 

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