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In den Süden / Heading South

Veröffentlicht: 14.05.2023

Am Freitagmorgen nach dem zMorgen schauten wir uns online die Wanderkarten vom Wicklow Nationalpark an und entschieden uns für eine leichte Wanderung um den See Glendalough. Mit unserem Bus konnten wir bis zum See auf einen Parkplatz fahren. Dort schulterten wir unseren Rucksack und zogen die besseren Wanderschuhe an, da wir nicht wussten, wie matschig der Weg sein wird. An diesem Tag war uns das Wetter übrigens wieder sehr gnädig und wir hatten den ganzen Tag Sonnenschein und natürlich immer ein wenig Wind. Die Natur des Parks erinnerte uns sehr an zu Hause. See, Tannenwälder, Rehe und das, was die Iren hier Berge nennen. Nein Spass, der Wanderweg führte erst auf der einen Seite des Sees entlang, dann stieg er um etwa 350 Höhenmeter an, so dass wir dann auf der anderen Seite des Sees auf dem Berg ohne Namen standen. Den See immer im Blick, wanderten wir nun alles wieder runter. Die wilden Ziegen haben wir dabei nur von weitem gesehen, dafür kamen wir einem Rehbock sehr nahe, der nur 3 Meter vor uns am Grasen war. Natürlich nahm er einen Sprung ins weite, sobald wir noch näherkamen (zur Anmerkung: wir liefen einfach weiter auf dem Weg, wir beabsichtigten nicht, dem Tier selber nahe zu kommen). Dennoch scheinen die Tiere hier leider die Scheu gegenüber den Menschen verloren zu haben.

Nach gut 3 Stunden waren wir wieder unten am Parkplatz und gönnten uns eine Glacé und fuhren danach etwa 30 Minuten zu unserem nächsten Campingplatz in einem kleinen Ort namens Hacketstown. Das war ein riesiger grüner Platz mit vielen fixen Mobilheimen aber sonst keinen Campern. Abgesehen von einer zeltenden Familie waren wir die einzigen. Der alte Mann, der uns begrüsste, war sehr zuvorkommend, liess uns freie Platzwahl und hackte danach Holz und feuerte noch extra den Boiler ein, damit wir warmes Wasser zum Duschen hatten. Wir genossen den ruhigen Abend für uns und als wir am Morgen vor unserer Abfahrt keinen Besitzer finden konnten, riefen wir auf eine Handynummer an. Dort hiess, wenn wir zufrieden waren sollen wir doch einfach einen 20 Euro Schein in den Briefkasten werfen. Sehr vertrauenswürdig. Falls irgendwer mal dort hin fahren will und in der Zwischensaison einen ruhigen Abend verbringen möchte: Camping Raven’s Rest in Hackletown. Gemäss Aussage des alten Mannes ist der Camping besonders bei Familien mit Kindern beliebt.

Am Samstag war die Idee, etwas weiter in den Süden zu fahren. Da das Wetter nach wie vor wunderschön war, wollte Lukas bei einem Hügel vorbeischauen, auf dem ein Startplatz für Gleitschirmflieger markiert war. Also fuhren wir die engen Strassen hoch und vor Ort war erst mal weit und breit nichts von Fliegerei zu sehen. Nach etwa 10 Minuten aber sahen wir von weitem drei Gleitschirmpiloten den Hügel vis-a-vis hoch wandern. Also entschlossen wir uns, ihnen zu folgen. Der Weg hoch war selbst für uns etwas steil, aber etwa 15 Minuten vor dem Ziel fuhr ein VW-Bus an uns vorbei. Der Mann hielt an und offerierte uns eine kurze Mitfahrt. Da sagten wir natürlich nicht nein. Oben angekommen assen wir erstmal unser zMittag und genossen die Aussicht. Wie wir später herausfanden, war der Berg der Mount Leinster, auf 794 M.ü.M. Von hier konnten wir sogar schwach das Meer erkennen. Dann packte Lukas seinen Schirm aus und nach zwei, drei schnellen Schritten war er in der Luft. Sarah schulterte ihren Rucksack und lief den Weg wieder runter. Ratet mal, wer zuerst beim Bus war? Wahrscheinlich wären wir gleichzeitig dort gewesen, hätte Lukas nicht noch den Schirm auf einer Schafsweide einpacken und erst noch zurück auf den Wanderweg laufen müssen.

Nach dieser sportlichen Tätigkeit fuhren wir dann weiter in ein Städtchen namens New Ross. Dort stand das nachgebaute Schiff namens Dunbrody. Wir besuchten das vor Ort schwimmende Museum und erhielten eine sehr interessante Führung dazu. Das Schiff war eigentlich ein Warenschiff. Es transportierte Baumwolle aus den Staaten nach Irland und würde normalerweise leer wieder zurückreisen. Im 19. Jahrhundert aber, als aufgrund der Hungersnot die Zahl der Emigranten aus Irland explodierte, brachte das Schiff auch Menschen mit nach Amerika. Über 250 Menschen pro Fahrt mussten sich unter Deck zusammen zurechtfinden. An Deck durften sie jeweils nur in Gruppen und das auch nur während 30 Minuten pro Tag. Kochen mussten sie auch selber oben an Deck und das funktionierte ja auch nur bei gutem Wetter. Und das während 7 Wochen. Für uns kaum vorstellbar. Der Captain des Schiffs, John W. Williams, galt als sehr humaner und hilfsbereiter Mensch. Für ihn war es wichtig, dass es den Passagieren während der Überfahrt einigermassen gut geht. Das gilt leider nicht für alle Schiffe, die in dieser Zeit nach Amerika fuhren. Viele Menschen starben auf anderen Schiffen noch während Überfahrt. Deshalb erhielten diese Schiffe oft den Namen «Coffin Ships», also Sargschiffe. Ein wirklich düsteres Kapitel der irischen Geschichte.

Zum zNacht gingen wir in ein kleines Lokal im Ort selber, Ann McDonalds Café, und assen den für uns bis dahin besten Fish mit «proper homemade cut Chips». Die waren wirklich gut. In zwei verschiedenen Pubs tranken wir noch das eine und andere Bier, aber trotz, dass es ein Samstagabend war, war hier ziemlich flaute.

Heute Sonntagmorgen dann machten wir uns auf den Weg zum Hook Lighthouse, dem zweitältesten noch in seiner originalen Funktion stehenden Leuchtturm der Welt. Der Turm, wie er heute noch steht, wurde im 13. Jahrhundert errichtet und von Mönchen betrieben. Diese hatten den Auftrag, das Leuchtfeuer während 24 Stunden zu füttern, was für diese bedeutete, jeden Tag mit Säcken voller Kohle die über 170 Treppenstufen hoch zu laufen. Im Inneren des Gebäudes sieht man übrigens sehr gut, dass der Bau aus dem frühen Mittelalter stammt. Wusstet ihr, dass jeder einzelne Leuchtturm anders gefärbt ist und seine eigene Leuchtfrequenz hat? Mit der Modernen verschwanden dann aber die Mönche, irgendwann wurde das Feuer durch Gas ersetzt, im Jahr 1972 wurde der Turm elektrifiziert und 1996 schliesslich automatisiert und der letzte Turmwärter zog aus. Der Turm selber hat über 800 Jahre schweren Stürme überstanden. Die höchste hier je gemessene Welle, die dem Turm entgegenschmetterte, war 19 Meter hoch.

Nach diesem spannenden Besuch fuhren wir rund eine Stunde in Irlands älteste Stadt Waterford. Wie wir so sind, googleten wir vorher nicht grossartig, was uns erwarten könnte. Als Sarah hörte, es sei die älteste Stadt, hoffte sie auf ein hübsches Örtchen mit einer intakten Altstadt. Doch dem war leider nicht so, nur einige Bauwerke zeugten noch von sehr alten Zeiten, als die Stadt sogar noch von Wikingern besetzt war. Einer der Türme ist sogar einem der Dänen, Ragnall, gewidmet. Viel mehr gab es aber für uns hier nicht zu sehen und deswegen zogen wir nach einem Käffchen noch weiter südlich, bis wir an der Küste angelangt sind. Jetzt gerade befinden wir uns auf einem Parkplatz direkt am Meer, entlang dem Copper Coast UNESCO Global Geopark. Ein wirklich wunderschöner Ort, dies sind die Bilder, die man von Irland immer im Internet sieht. Es ist so schön, dass mal in Wirklichkeit erleben zu dürfen und die Wilde des Atlantiks erleben zu dürfen. Die See ist zwar äusserst ruhig, doch der Wind hat es in sich. Wie wird es wohl an der Westküste sein? Nun geniessen wir den Abend beim Rauschen des Meeres und des Windes.

On Friday morning after breakfast we checked out the walking maps of Wicklow National Park and decided to do a light hike around Lake Glendalough. With our bus we could drive up to the lake to a car park. There we shouldered our backpack and put on the better hiking boots, as we didn’t know how muddy the trail would be. By the way, on that day the weather was very gracious to us and we had sunshine all day and of course always a little wind. The nature of the park reminded us very much of home. Lake, fir forests, roe deer and what the Irish call mountains. Just kidding, the hiking trail led on one side of the lake, then it climbed by about 350 meters in altitude, then we stood on the other side of the lake on the mountain without a name. The lake always in sight to our left, we now hiked everything down again. We saw the wild goats only from far away, but we came very close to a roe deer, which was only 3 meters in front of us in the grass. Of course he took a jump into the distance, as soon as we got even closer (note: we just walked further along the way, we did not intend to get close to the animal itself). Nevertheless, the animals here unfortunately seem to have lost their fear of humans.

After about 3 hours we were back down at the parking lot and treated ourselves to an ice cream and then drove about 30 minutes to our next campsite in a small place called Hacketstown. This was a huge green field with many fixed mobile homes but no campers. Apart from one family with tents we were the only ones. The old man who greeted us was very courteous, let us choose any pitch and chopped wood and fired the boiler so we had warm water for showering. We enjoyed the quiet evening for ourselves and when we couldn't find an owner the morning before we left, we called a mobile number. The man said, if we were satisfied we should just drop a 20 Euro note in the mailbox. Very trustworthy. If anyone wants to go there and spend a quiet evening in the middle season: Camping Raven's Rest in Hacketstown. According to the old man, camping is particularly popular with families with children.

On Saturday the idea was to go a little further south. Since the weather was still beautiful, Lukas wanted to pass by a hill where a paraglider launch site was marked. We drove up the narrow roads and on the location there was no sign of any paragliding. But after about 10 minutes, we saw three paraglider pilots walking up the hill on the other side. So, we decided to follow them. The hill was a bit steep even for us, but about 15 minutes before the top, a Volkswagen bus passed us. The man stopped and offered us a short ride. Of course, we didn't say no. When we got to the top, we had lunch and enjoyed the view. As we later found out, the mountain was Mount Leinster, at 794 meters above sea level. From here, we could even faintly see the sea. Then Luke unpacked his glider, and after two or three quick steps, he was in the air. Sarah shouldered the backpack and walked down the path again. Guess who was at the bus first? Probably we would have been there at the same time, had Lukas not had to pack the glider on a sheep pasture and walk back to the hiking trail.

After that sports activity, we continued our way to a small town called New Ross. There was a replica of a ship called Dunbrody. We visited this floating museum, and we got a very interesting tour of it. The ship was actually used as a cargo ship. It carried cotton from America to Ireland and would normally return empty. But in the nineteenth century, when the famine exploded the number of emigrants from Ireland, the ship also brought people to America. More than 250 people per voyage had to gather under deck. They were allowed on deck only in groups, and only for 30 minutes a day. They also had to cook on deck, and that only worked when the weather was good. And that was for seven weeks. It's hard for us to imagine. The captain of the ship, John W. Williams, was considered a very humane and helpful person. It was important to him that the passengers should be reasonably well during the voyage. Unfortunately, this does not apply to all ships sailing to America at that time. Many people died on other ships during the voyage. That is why these ships were often referred to as 'Coffin Ships'. A really dark chapter in Irish history.

For dinner we went to a small place in the village itself, Ann McDonald's Café, and ate the best fish we had to date with "proper homemade cut chips". They were really good. We had a couple of beers in two different pubs, but despite the fact that it was a Saturday night, the place was pretty empty.

This Sunday morning, we headed to the Hook Lighthouse, the second oldest still operating lighthouse in the world. The tower, as it stands today, was built in the 13th century and operated by monks. They were tasked with feeding the beacon fire for 24 hours, which meant walking up more than 170 steps every day with heavy bags of coal. By the way, inside the building, you can see very clearly that the building dates back to the early Middle Ages. Did you know that each lighthouse is coloured differently and has its own light frequency? With modernity, however, the monks disappeared, eventually the fire was replaced by gas lightening, in 1972 the lighthouse was electrified, and in 1996 the lighthouse was automated and the last lighthouse keeper left. The tower itself has survived more than 800 years of severe storms. The highest wave ever measured here that hit the tower was 19 metres high.

After this exciting visit, we drove about an hour to Ireland's oldest town, Waterford. The way we are, we didn't google anything of what we could be expecting. When Sarah heard that it was the oldest town, she hoped for a pretty little place with an intact old town. But unfortunately, this was not the case, only a few buildings still bear witness to very old times, when the city was still occupied by Vikings. One of the towers is even dedicated to one of the Danes, Ragnall. But there was not much else for us to see here, so after a coffee we went further south until we reached the coast. Right now, we are in a parking lot by the sea, along the Copper Coast UNESCO Global Geopark. A really beautiful place, these are the pictures you always see of Ireland on the Internet. It's so nice to be able to actually experience it and to be able to experience the wild of the Atlantic. How will it be on the west coast? The sea is very calm, but the wind isn’t. Now we enjoy the evening with the sound of the sea and the wind.

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Antworten (1)

Philip
Great reports Sarah! Hope the West is being kind to you! Greetings to Lukas

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