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#7 Man ist, was man isst.

Veröffentlicht: 02.10.2022

Während ich diesen Blogbeitrag hier verfasse, haftet immer noch der Geruch von Blut an meinen Händen. Wieso? Weshalb? Warum? Das erfährst DU in diesem viel zu langem Blogbeitrag – Yeah!

Aber erst einmal berichte ich noch vom Mittwoch, denn an diesem Tag hieß es für mich das letzte Mal: Haarnetz auf, Hände desinfizieren, Spülbecken mit Wasser befüllen, Spinat und Rucola waschen, trocknen und zum Verkauf verpacken. Und wie der Zufall so will, wird auf dieser Farm der Wine Wednesday („Wein Mittwoch“) zelebriert, somit stand das Abendprogramm fest. Nach dem Abendessen wurden die Weinflaschen geöffnet und die Karaoke Maschine angeschmissen. Es war eine sehr sehr schöne Abschiedsfeier mit viel Lachen, tanzen und singen.

Am Donnerstag wurde ich dann nach Osoyoos gefahren, wo mich der Bus aufsammelte und mich nach Castlegar brachte. Obwohl er mich fünf Minuten früher als geplant abgeholt hat, hat er es trotzdem geschafft, 40 Minuten Verspätung zu haben. Noch dazu wusste ich nicht, wo mein Kopfhörer (einen habe ich schon verloren ☹) war und es gab kein WLAN. Eine Horrorvorstellung heutzutage in vollen Zügen und Bussen. Aber zum Glück bin ich nicht durch Deutschland gefahren, sondern durch Kanada, wo die Landschaft einfach WOW und wunderschön ist! Diese Berge hier sind wieder auf ihre ganz eigene Art so wunderschön! Zum Beispiel: Mein Blick, während ich diesen Blog verfasse…einfach zum genießen! :D

In Castlegar sammelte mich dann der Farmer auf und wir führen zu seinem Grundstück. Es ist eine deutlich kleinere Farm als meine letzte. Weiterhin bin ich auch der einzige Wwoffer hier und werde es auch bleiben, da die Saison bald zu Ende ist. Ich werde hier somit ganz andere Erfahrungen machen. Auf der letzten Farm hatte man jederzeit die Möglichkeit auf Interaktionen und wenn man Ruhe brauchte, fand man diese auch. Hier hat man Ruhe! Also wirklich Ruhe :D Die Landschaft ist hier auf ihre Art so schön, dass ich sie aktuell sehr gerne mit dieser Ruhe genieße, aber ich werde bestimmt die vielen verschiedenen Gespräche von der letzten Farm vermissen, aber so mache ich, wie gesagt, ganz andere Erfahrungen.

Ich kam also hier an und mir wurde das Grundstück mit den Tieren gezeigt. Verschiedene Ziegen, Schafe, zwei Schweine, drei Katzen und Hunde + Hühner. Auch die verschiedenen kleinen Felder wurden mir gezeigt sowie der Ort, wo die Kräuter getrocknet und verkauft werden.

An meinem ersten Tag ging es nach dem Füttern der Tiere auf die Baustelle eines Nachbars. Es war eine super schöne Aussicht! Aber es war auch super anstrengend.... und zwar nicht für meinen Körper, sondern für meinen Kopf. Auf der letzten Farm wussten die Leute, dass ich die Sprache nicht so gut beherrsche, aber die Menschen auf der Baustelle nicht und so sprachen sie natürlich ganz normal miteinander. Es war super anstrengend die ganze Zeit zuzuhören und zu versuchen, alles zu verstehen. Ich habe richtig gemerkt, wie mein Kopf mal wieder nach einigen Stunden zugemacht hat und er einfach müde war. Das war etwas niederschlagend, aber auch okay. Kann ja nicht immer alles nur gerade ausgehen, man muss auch mal Rückschläge einstecken.

Heute (Samstag) stand dann ein großer Tag an. Es wurde geschlachtet. Ich esse Fleisch und bin der Meinung, dass jeder, der Fleischprodukte konsumiert, zumindest eine Schlachtung live beobachten sollte, sodass man den ganzen Prozess dahinter sieht und vlt. erkennt, dass 3€ für 1kg Hack bei einem Discounter nicht das Wohl der Tiere abdeckt. Frühs kam dann der Schlachter. 

Kurzer Einblick in den Prozess der Schlachtung:

Der Prozess sah ungefähr so aus, dass eine Ziege gefangen und fixiert wurde. Getötet wurden die Tiere an diesem Tag mit einem Gewehr und so setzte der Schlachter den Gewehrlauf auf den Hinterkopf des Tieres an (kürzester Weg zum Stammhirn), ein leiser Schuss und das Tier sackte in sich zusammen. Danach wird dem Tier die Kehle aufgeschnitten, damit es dort ausbluten kann. Beim Ausbluten hat das Tier aber noch Muskelkontraktionen, sodass es echt komisch aussieht, wenn dort ein Schaf, welches offensichtlich tot ist, wild umherzuckt und seine Beine hin und her schlägt. Anschließend wurde das Tier aufgehangen, dass Fell, alle Körperteile und Innereien, die nicht gebraucht wurden, wurden entfernt. Diese durfte ich dann später verbuddeln, damit kein Bär sie frisst. Wir befinden hier uns in einem Flussbett, sodass ich mich erst einmal 20 Zentimeter durch Steine kämpfen musste, das war eine richtige Sporteinheit :D Die Tiere hängen jetzt beim Schlachter mindestens fünf Tage in der Kühlkammer, ehe sie weiter verarbeitet werden. Ich habe ja die schlimmsten Reaktionen meines Körpers erwartet, aber es war echt sehr interessant, mal diesen Prozess zu sehen und wann hat man schon mal die Möglichkeit, die ganzen Innereien wie z.B. Herz, Lunge, Darm, Leber.... in die Hand zu nehmen und diese zu fühlen?


Somit endet dieser Blogbeitrag auch „schon“. Ich wünsche euch noch einen schönen Tag!

Beste Grüße

Samuel

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