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#63 Es ist soweit

Veröffentlicht: 08.11.2023

"Vielleicht gibt es schönere Zeiten, aber diese ist die unsere."

(Jean-Paul Sartre)


So ist es also nun soweit. Ein letztes Mal werde ich einen neuen Blogbeitrag aus Kanada verfassen. Bevor ich es vergesse, es wird noch einen weiteren finalen Beitrag geben. Dieser wird aber bestimmt ein oder zwei Wochen auf sich warten lassen.

Hier für die Ohren:

https://tinyurl.com/ylk5y4ht (1:03 h)

Aber erst mal zu den letzten Tagen: Da ist nicht mehr so viel passiert. Ich habe mein Bankkonto geschlossen und einen Barbiere aufgesucht (Fotos gibt es erst beim nächsten mal 😋). Sonst war ich noch ein letztes Mal bei Vedesh, Desmond und Magnet, um mich zu verabschieden. Natürlich habe ich auch den Strand noch öfters besucht und jop, das war es auch. Wenn dieser Beitrag veröffentlicht wird, sitze ich eventuell schon im Flieger. Sollte ich am Flughafen WLAN haben, verzeih mir bitte, dass ich dir nicht antworten werde, ich habe gerade ganz andere Sachen im Kopf. 😂😭

Und jetzt folgt das wohl schwerste Kapitel in diesem gesamten Blog:

Es ist Sonntag und ich sitze hier im Hostel auf der Couch und dachte mir gerade, dass ich die ersten Gedanken so Revue passieren lassen kann. Aufgrund der leichten Erkältung möchte ich nichts unternehmen und bin daher im Hostel „gefangen“. Ich möchte eigentlich nicht mein ganzes Jahr hier noch mal darstellen, dafür sind ja alle vorherigen Blogbeiträge vorhanden, aber am Ende läuft es wahrscheinlich darauf hinaus. 😁 Vor 441 Tagen bin ich nach Kanada geflogen. Mit dem Englischniveau eines Grundschülers und keinem Wissen über das Land. Dachte ja immer, Vancouver sei die Hauptstadt von Kanada, dabei ist sie noch nicht mal die Hauptstadt von B.C. 😂

Auf meiner ersten Farm hatte ich das Glück, dass Anja und Linda meine deutschen Hilfen waren. Wenn ich daran zurückdenke, dass ich damals nach 30 Minuten schon eine Pause brauchte, da es alles zu viel für mich war, vor allem mit dem Englisch, ist das doch schon ein schöner Vergleich zum heutigen Zeitpunkt. Ich habe dort sehr viele nette und wunderbare Menschen kennenlernen dürfen und natürlich bin ich Anja und Mike für jedes Brot, Abendessen und auch Arbeitszeit dankbar, denn dort hat man einfach seine Arbeit so gut erkannt. So hat sich wohl etwas die Liebe zum Garten ausgebaut, denn ist es nicht schön, seine eigenen Früchte zu ernten? ❤️Unvergessen bleibt hier, dass ich drei Stunden nach meiner Ankunft einen Revolver abgeschossen habe. 😂 Eine Patronenhülse habe ich als Erinnerung mitgenommen.

Anschließend ging es in einen krassen Kontrast. Von einer sehr dicht „besiedelten“ Farm ging es nun zu einer Farm, bei der ich alleine war. Dennoch konnte ich bei Robert und Isabelle einiges über Kräuter und ihren verschiedenen Anwendungsbereiche erlernen. Unvergesslich bleibt hier die Aussicht vom Kräuterbeet. Also was für ein Geschenk, solch eine Aussicht während der Arbeit haben zu dürfen. 😍🌄Allerdings werde ich auch hier nie die Schlachtung der Ziegen an meinem ersten Tag vergessen. 😅 Ich habe hier auch bereits "handwerklich" Arbeiten dürfen. So habe ich einen Tag bei einem Hausbau mitgeholfen und Robert & ich haben auf seinem Grundstück einige Sachen umgesetzt .... wobei der Zaun jetzt nicht unser Erfolgsprojekt war. 😂 Als Erinnerung habe ich hier ein vom Sand glatt geschliffenes Stück Holz. Weshalb? Ich bin ab und zu mit dem Rad über den „Highway“ nach Winlaw geradelt und anschließend am Fluss entlang zurückgefahren. Ich habe diese Tour manchmal aufgrund der Länge gehasst, aber die Aussicht war jedes Mal erstaunlich. Schon damals haben mich diese Flüsse in ihren Bann gezogen. Diese Klarheit des Wassers war phänomenal. Man konnte an einigen Stellen einfach fast durch den kompletten Fluss gucken. Wahnsinn!

Anschließend ging es nach Vancouver Island. Dort habe ich einige Tage mit Freunden verbracht, die ich auf der ersten Farm kennengelernt hatte. Ich weiß noch, dass ich damals sehr frustriert war, da ich mich damals in der Gruppe nicht mehr „zugehörig“ gefühlt hatte. Dennoch waren die Touren unvergesslich. Mein erster Orca für eine Millisekunde und die ganzen Wälder. Kanada hat den einzig verbleibenden Regenwald dieser Art an der Westküste und ja, der ist einfach prächtig anzusehen.

Mein nächster Weg führte mich in die absolute Grundausstattung auf Salt Spring Island. Keine richtigen Sanitäranlagen. Nur die „Holzspäne-Toilette“, wenn es sein musste und das dann bei angenehmen Minusgraden. 🥶Keine Dusche, außer einen Wassereimer nach der Sauna freitags. Was ich hier auf keinen Fall vergessen werde, ist das „Ernten“ der Regenwürmer. Nick hatte ja ca. 100 kg Regenwürmer in einem Anhänger, die täglich gefüttert und gewässert werden mussten. Als Luxus hatten sie noch einen größeren Kamin als ich. Ich hatte nur einen relativ kleinen Kamin für mein großes Jurte, denn dort habe ich den gesamten November geschlafen. Alle zwei Stunden musste ich aufstehen, um Holz nachzulegen, damit es nicht zu kalt wurde und in der ersten Nacht hatte ich kein Feuer anbekommen. Yeah! 😁🥶 Die Aussicht vom Berg zum Sonnenauf- und untergang war wunderbar. Ich weiß noch, dass ich hier ein kurzes Video verlinkt hatte. 😅Auf dieser Farm lernte man auf jeden Fall die alltägliche Dinge, die ich in diesem Monat nicht hatte, sehr zu schätzen.

Mein erster Inlandsflug brachte mich wohl zu meinem zweitgrößten Abenteuer: Jenny & David. Die Entscheidung für den Norden war die Erfahrung eines richtigen kanadischen Winters, den ich erleben wollte und den hatte ich auch. Bei – 35 °C hat mich damals Fatih in Williams Lake abgeholt, bevor es zu meinem längsten Arbeitsplatz hier in Kanada ging. Was ich an diesen Ort alles für Erfahrungen gesammelt habe, würde hier wahrscheinlich Seiten fühlen. Ich hatte einige schon vor einigen Wochen aufgezählt, aber ich denke, es ist das einfachste, wenn ich hier in Anbetracht der Länge einfach stichpunktartig nochmal ein paar Sachen nenne 😁:

  • Bei bis zu – 25 °C auf der Baustelle gearbeitet
  • minus 45 °C erlebt 🥶
  • Einblicke in die Fotografie von einem der besten Fotografen erhalten dürfen.
  • Eine sehr teure Kamera nutzen dürfen, über die ich dankenswerterweise Tee vergossen hatte.
  • Eine Aussicht gehabt, die unbezahlbar ist. ❤️🌄
  • Verschiedene Fahrzeuge fahren dürfen.
  • Englisch so verbessert, dass ich mit den Kunden arbeiten konnte.
  • Einen Wildtier-Workshop mitgeleitet.
  • Mit dem Quad über den zugefrorenen See gefahren.
  • Wildtiere gesehen, die ich mir nie erträumt hätte sehen zu dürfen. ❤️
  • Eine Kathedrale mitgebaut.
  • Eine Chefin gehabt, die mir viel abverlangt hat und ich dennoch ihre positiven Eigenschaften schätze.
  • Einen Sternenhimmel gesehen, der für mich nicht in Worte zu fassen ist. ❤️😍
  • ...

Ich könnte diese Liste endlos weiterführen. Es sind Erfahrungen, die mich jetzt natürlich vor allem temporär, aber vlt. auch dauerhaft prägen werden. Diese Erfahrungen hätte ich mir nie, also wirklich NIE! erträumen können. Es war die richtige Entscheidung, diesen Ort, soweit weg vom Schuss aufzusuchen, denn nur so konnte ich die volle Natur bestaunen. Ich habe mich in die Natur verliebt und diese Gegend dort hat mir eigentlich immer wieder vor Augen geführt, wie wichtig es ist, sich für das Klima einzusetzen. Nicht aus irgendwelchen politischen Gründen oder so, nein. Einfach, weil dieser Planet so unfassbar schön ist und wir uns alle keine Reise zum Mars leisten können!

Und dieser Aufenthalt wurde unterbrochen für das größte Geschenk und Abenteuer meines bisherigen Lebens. Einen sicheren Roadtrip mit Frodo durch B.C. und Alberta. Ich habe drei Monate die Schönheit der Natur auf unterschiedlichste Art und Weise genießen dürfen. Es war ein Geschenk! Es war ein Fest! Es war grandios! Ich bin so dankbar dafür, dass ich nie wirklich Probleme hatte und bei all den etwas unüberlegten Aktionen (manchmal kein Wasser abgekocht, um Gas zu sparen. Irgendwelche Felsen bei Schneeregen hochgeklettert, um ohne Erfahrung einen Gletscher zu erreichen, ....) immer noch gesund und munter bin. 😂 Es war eine Zeit, in der man natürlich viel Zeit mit sich hat, was vlt. gar nicht so schlecht ist, denn irgendwann kann man seinen eigenen Gedanken nicht mehr aus dem Weg gehen und man muss sich vlt. auch mit sich selbst auseinandersetzen. 😅 Ein Vier-Augen-Gespräch mithilfe des Rückspiegels – nein, Spaß. 😂 Noch dazu habe ich solch nette Leute kennenlernen dürfen: Vedesh, Sarah und Judith, das Pärchen aus Penticton oder Kate und C.J., mit denen ich gemeinsam die Rocky Montanis durch die Augen aufsaugen durfte. Für jemanden, der nur den Brocken als „Berg“ kannte, waren die Bergerfahrungen innerhalb dieser 14 Monate der Wahnsinn und wurden stetig getoppt. Nun weiß ich, was Berge sind. ❤️🌄😅 Es ist nicht in Worte zu fassen!

Zurück in Tatla Lake, konnte ich meine praktischen Erfahrungen weiter ausbauen und die Kathedrale fast mitbeenden. Weiterhin hatte ich hier das absolute Geschenk, auf dem Trip nach Bella Coola Grizzlys aus wenigen Metern beobachten zu dürfen. ❤️Ich habe das immer wieder zu David gesagt, dass es unfassbar schön ist, die Wildtiere hier einfach in der freien Natur beobachten zu dürfen. Was ich alles für Tiere in Tatla Lake sehen durfte. Ich habe dir meine Flyer mal abfotografiert, mit den Tieren, die ich hier in Kanada gesehen habe. Dabei sind noch nichtmal alle Tiere auf diesen Flyern. Den Großteil meiner Tiererfahrung, habe ich wirklich in Tatala Lake sammeln dürfen und dafür bin ich mehr als dankbar.

  • Kolibris, die mich bis heute faszinierend. ❤️
  • Der Red-winged Blackbird, der bis heute mein absolutes Lieblingsfoto aus dieser Zeit ist.
  • Unvergessen mein aktueller Lieblingsvogel: der Mountain Bluebird, der einfach mit seiner intensiven Farbe unfassbar ist. 😍
  • Pelikane
  • Elche, wobei ich immer noch bedauere, keinen ausgewachsenen männlichen Elch gesehen zu haben. Das mit dem gescheiterten Plan, nach Yukon zu fahren, schmerzt bis heute.
  • Kojoten. In Kamloops unvergessen die Kojote direkt hinter mir während des Zähneputzens. Oder die zwei spielenden Kojoten unter den Nebelschwaden auf meiner letzten Fahrt zum Ende des Sees.
  • Adler ❤️
  • Fischermarder
  • Luchse
  • Schwarzbären, auch aus nächster Nähe 😅
  • ...

Ist das nicht schön? Ach, ich bin so dankbar dafür. Wie oft ich einfach unten am See saß und dankbar war.... das war der friedvollste Platz bisher, den ich so erleben durfte.

Dann noch die verschiedenen Fahrzeuge, die ich fahren durfte. Highlight die Quadfahrten über den See, bei den ich mich selbst mit Techno Musik zugeballert habe, um das knacken des Eises nicht zu hören und einfach schnell über den See zu brettert. 😂 Belohnt wurde dies aber jedes Mal mit einer Aussicht, die unglaublich war. Der Truck, zum Ende auch noch mit Anhänger, war immer wieder eine Freude und den Jeep ... den würde ich jetzt nicht auf meine Wunschliste packen. 😅

Und dann hieß es auch dort das letzte Mal Abschied nehmen von Trooper und auf nach Vancouver. Nun sind auch meine Tage hier in Vancouver vorbei. Ich bin jetzt auf dem Weg zum Flughafen. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mir gut geht, dass auf keinen Fall, aber was muss das muss, ne? 😋😅 Ich habe mich in diese unfassbare Natur mit all ihrer Vielfalt verliebt und ich weiß nicht wo, aber in irgendeinem See, hinter irgendeinem Baum oder Berg....irgendwo dort habe ich mein Herz an diese Natur verloren. ❤️ Ich werde es immer als ein absolutes Geschenk betrachten, dass ich diese Zeit meines Lebens hier in diesem Land verbringen durfte. Ich bin ja so unglaublich froh, dass ich damals nach dem Abitur nicht nach England gegangen bin. 😂

Und somit ist es nun so weit und ich werde Abschied nehmen. Abschied von einem Land, dem ich unfassbar dankbar bin und deren Natur nicht in Worte zu fassen ist.

Kanada, ich habe und werde dich immer lieben. ❤️

Samuel 💔

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