ÖV grenzwärtig: Der Osten
Heute führt mich mein Projekt ins Engadin. Vinadi (deutsch: Weinberg) ist die östlichste Ortschaft des Kantons Graubünden und zugleich der am weit

Veröffentlicht: 11.08.2026


















Nach Bargen und Vinadi steht heute ein Abstecher nach Süden auf dem Programm. Pedrinate Paese ist die südlichste ÖV-Station der Schweiz.
Das Dorf wurde im Jahr 1291 unter dem damaligen Namen Pedrenate erstmals erwähnt. Schon unter dem Herzog von Mailand war das Dorf eine Gemeinde.
Eine Bilderbuchreise durch das von Trockenheit geplagte Land steht bevor. Mit dem schönen Rollmaterial des Voralpenexpress geht es nach Arth-Goldau. Dort wechsle ich auf den EC 15. Dieser ist durchaus auch schön, aber die Wagen der SOB haben einen ganz speziellen Charme.
Die Basistunnel durch den Gotthard und den Ceneri verkürzen die Reisezeit extrem, und schon bald bin ich in Chiasso. Sonst fährt man hier ja einfach durch, auf dem Weg in die Ferien. Heute steige ich zumindest um. In der flirrenden Mittagshitze schleicht der Bus gemächlich an seinen Standplatz an der Kante D. Ein fröhliches Grüppchen Nonnas besteigt den Bus mit ihren Einkaufswägeli. Im sympathischen Dialekt werden wohl die Einkaufserfahrungen und das geplante Mittagsmenü diskutiert. Die Spitzkehren auf der schmalen Straße und der Gegenverkehr fordern dem Fahrer alles ab. Aber er meistert das mit stoischer Gelassenheit.
Pedrinate Paese ist ähnlich belebt wie Bargen und Vinadi. Die Liste der Sehenswürdigkeiten ist kurz und die nächste Osteria ist nicht zu Fuß erreichbar.
Deshalb besteige ich nach rekordverdächtigen zehn Minuten wieder den Bus, der mich nach Chiasso bringt. Damit mir nicht öde wird, ruft mich mitten irgendwo im Nirgendwo mein Stellvertreter an, um mich über die neuesten Entwicklungen in Sachen Trockenheit zu informieren. Dank Technik und Geografie erreichen mich seine ausgereiften Gedanken aber nur als Lückentext. Nach zwei Jahren intensiver Zusammenarbeit ergänzen sich unsere Überlegungen mittlerweile jedoch so gut, dass dies kein Hindernis darstellt. Da er inzwischen ohnehin Carte Blanche von mir hat, ist unser Austausch eher seinem Bemühen zu verdanken, mich nicht in Langeweile versinken zu lassen, als einem echten Bedürfnis seinerseits.
Bestens informiert reise ich nun wieder heimwärts. Bei 215 km/h wird das Thonbrötli verzehrt und mit einem Fokuswässerli hinuntergespült. Wie Perlen an einer Schnur reihen sich die Seen aneinander: Urnersee, Lauerzersee, Zugersee, Vierwaldstättersee und Sempachersee, jeder mit seiner eigenen Farbe und seinem eigenen Charakter – was für ein Kontrast zur ausgedörrten Landschaft!
Die am Fenster des klimatisierten Eisenbahnwagens vorbeiziehende Postkartenschweiz lässt einem den Jahrtausendsommer fast vergessen. Erst beim Umsteigen, wenn die Hitze wie eine Wand vor der Tür steht, kann man erahnen, wie es all den Strassenbauenden, Landbewirtschaftenden und Verkehrsregelnden geht, die ihre Arbeit unter sengender Sonne verrichten müssen.
Dankbar geschrieben aus der Kühle eines sommertauglichen Hauses.
