Pura Vida
...auf Umwegen durch die Hölle ins Paradies Was für eine Anreise! Ich wusste, dass es nicht einfach sein würde in Zeiten von COVID-19 eine Fernreise nach Zentralamerika zu...

Veröffentlicht: 07.10.2020
Jetzt bin ich schon eine Woche hier und möchte gar nicht mehr weg! Ich schlafe ganz alleine hier oben auf der Station und werde morgens von den Aras und den Brüllaffen geweckt. Dann füttere ich die Aras mit Hülsenfrüchten und Sonnenblumenkernen und zähle, wieviele zur Fütterung gekommen sind. Manchmal sind es über 30 Aras, die dann, sobald sie von einem großen Adler aufgeschreckt werden, über meinen Kopf hinweg fliegen. Duaro hat mir gezeigt, wie man sie am besten im Flug fotografiert. Gestern habe ich das Titelbild dieses Blogs gemacht.
Am Wochenende bin ich nach dem Füttern mit Felix an den Strand gefahren. Felix hat hier am Anfang in einem Projekt mit Meeresschildkröten gearbeitet und ist jetzt schon seit drei Jahren in Costa Rica. Falls mir mal langweilig wird oder ich einsam bin hier oben auf der Station, kann ich immer runter zu Felix kommen und ihm beim Bäume pflanzen oder Strandplastik sammeln helfen. Sein aktuelles Projekt ist es, im Meer nach der Korallenart zu suchen, die am wenigsten vom Klimawandel betroffen ist und diese in einem Korallenkindergarten nachzuzüchten. Ziemlich spannend!
Am Sonntag war ich sogar schon surfen. Am Strand hat ein netter Typ mit Rastafarimütze mir für ein paar Dollar sein Longboard ausgeliehen. Surfen ist hier in Costa Rica ein Volkssport. Man sieht überall auf der Straße Fahrradfahrer mit Board unter dem Arm.
Nachmittags müssen die Aras nochmal gefüttert werden. Dann kommen oft Touristen, um sich das Spektakel anzuschauen. Aber im Moment sind kaum Touristen hier, die Strände sind wie leergefegt. Das sieht aus wie in einem Film, nicht umsonst spielt Jurassic Park auf einer imaginären Insel vor Costa Rica!
Unter der Woche bleibt keine Zeit für den Strand. Die letzten Tage bin ich mit Duaro auf dem Quad zu verschiedenen Bäumen gefahren, von denen ihm die Anwohner erzählt hatten, dort eine natürliche Nisthöhle der Aras gesehen zu haben. Heute geht es dann ans Baumklettern. Sara ist auch dabei. Sie kommt aus Kalifornien und erforscht seit einem Jahr das Verhalten des großen Soldatenaras. Es ist sehr spannend, was sie zu erzählen hat, weil sie die Aras inzwischen so gut kennt. Sie hat zum Beispiel entdeckt, dass sowohl die Partnerschaft zwischen Aras und die Erziehung der Jungvögel bei allen Individuen unterschiedlich ist. Manchmal sehr viel liebevoller und manchmal deutlich grober.
Gestern haben wir dann noch Beach Almonds, das Hauptnahrungsmittel der Aras am Strand gesammelt. Überhaupt gibt es hier so viele Früchte, von denen ich nie zuvor gehört hatte, die aber einfach nur lecker schmecken. Die Samen der Früchte kann man dann irgendwo einpflanzen und dort wird mit Sicherheit schon nach ein paar Tagen eine kleine Pflanze wachsen. Hier wächst einfach alles.
Morgens stehe ich immer um fünf Uhr auf und setze mich oben auf die Plattform. Von dort sieht man neben den Aras nämlich auch Tukane, Kapuzineraffen, Nasenbären und noch viele andere Tierarten. Das ist eine unglaubliche Naturerfahrung so ganz alleine auf einem Hügel im Regenwald!