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S'all Good man (Albuquerque)

Veröffentlicht: 11.12.2025

Essen
Hotel breakfast buffet
$ · Frühstück
Sehenswert
Old Town Albuquerque
Albuquerque, USA
Essen
Antiquitäten-Geschäft
$ · Snack
Tour
Breaking-Bad-Drehorttour
Tour · Pete
Attraktion
Walter White House
Albuquerque, USA
Attraktion
Sandia Mountains
Albuquerque, USA
Attraktion
Martin Luther King Memorial
Albuquerque, USA
Es ist eine Zeitreise, über große Entfernungen in den USA Zug zu fahren. Ein genaues Gegenteil der eng getakteten und überpünktlichen Zugfahrten in China und der futuristischen selbstfahrenden Autos, die in den Straßen L.A.s unterwegs sind.

Aus den alten Dieselloks aus den 70ern erklingt das typische "Toot-toot" jedes Mal, wenn sie einen der Bahnübergange auf weiter Flur passieren. Auch das Innendesign, die Sitze mit der großzügigen Beinfreiheit scheinen mindestens vierzig Jahre nicht mehr ausgewechselt worden zu sein. 

Platzreservierungen sind vorab nicht möglich. Der Schaffner mit der Uniform, die auch aus den Kostümdepot eines historischen Films stammen könnte, weist einem beim Einstieg anhand eines A4-Zettel mit den Sitzreihen einen Platz zu. Man erhält einen Papierstreifen, darauf handgeschrieben der Zielort und die Sitzplatznummer. Hat man die gefunden, steckt man den Zettel an einen Schlitz unter der Gepäckablage. Der Conductor legt sich bei jeder Ansage für den nächsten Bahnhof mit Melodie in der Stimme und perfekt getimten Pausen ins Zeug, als wäre er Radiosprecher einer Morning Show: "Goooood afternoon to a bunch of adventurous passengers on the Southwest Chief.. coming up next is the world's most beautiful little postcard city, Mendoda, Illinois. Wanna thank you for travelling.. here.. with the Southwest train."


Wer den Zug nimmt, hat jedesmal spezielle Gründe dafür: Ed, der sich nicht auf die strikten Kontrollen am Flughafen einlassen will. Die Amish, denen es nicht gestattet ist, Flugzeuge zu nehmen. Der Rentner im Panoramawagen, der in Ruhe mit seiner Objektivkamera Fotos der schneeweißen Landschaft machen kann.Niemand nimmt eine oft mehrtägige Fahrt in Kauf, wenn er nicht genauso gut auch das oft günstigere Flugzeug nehmen könnte. Ich splitte die Strecke des Southwest Chiefs von Los Angeles nach Chicago auf. Am Stück wäre ich schließlich über 43 Stunden unterwegs - wenn der Zug pünktlich ist. Ist er allermeistens nicht. Auch dieses Mal auf meinem Abschnitt von Flagstaff nach Albuquerque hat er Verspätung. Macht mir nichts. So bleibt mehr Zeit zum Schlafen und Schreiben und die Strecke bleibt diesmal auch frei von Raubüberfällen.


Am Bahnhof von Albuquerque komme ich mir da nicht mehr so sicher vor. Es fühlt sich ähnlich an wie in L.A., nur verdichteter. Männer in Selbstgesprächen starren ins Nichts. Der Bus ist hier in der Stadt kostenlos. Aber er wird nur genutzt von allen, die kein Geld für ein Auto haben oder gleich gar kein Dach über dem Kopf. Oder eben von Touristen wie mir, die in der extrem weitläufigen Hauptstadt New Mexicos nicht extra ein Taxi bestellen wollen.Nach dem Einchecken bin ich auf meinem Ortskontrollgang und laufe über einen Friedhof. Hier sind die Wege so breit ausgebaut, dass Autos extra an die entsprechende Grabstelle heranfahren können.


Auf der Suche nach Postkarten trete ich in ein Antiquitäten-Geschäft. Der Besitzer ist ein Mitte 40-Jähriger, der gerade ein paar Riffs auf einer E-Gitarre übt. Er habe sein Haus ausgerümpelt und es nicht übers Herz bringen können, seinen Krempel zu entsorgen. Da hat er kurzerhand die Ladenfläche gemietet. Jetzt ist er dabei, Platz zu schaffen. Keine leichte Aufgabe in dem gerade mal 20 Quadratmeter-Raum. Es türmen sich Gitarrenverstärker in der einen Ecke, CDs und DVDs in der anderen, dazwischen T-Shirts, Bücher, Deko aus den 70er bis 2000er Jahren. Ein wenig Breaking Bad und Better Call Saul Merch. Die Stadt ist Schauplatz der berühmten Netflix-Serien und ich bin, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, einer der Touris, die in erster Linie deshalb nach Albuquerque gekommen sind, um die Drehorte zu sehen.

Postkarten hätte er nur historische und die würden sich nicht zum Versenden eignen, meint der Ladenbesitzer. Ich deute auf das Ozzy Osbourne T-Shirt, das oben über der Kasse hängt und erkundige mich nach dem Preis. "Oh, that's too much, it's never been worn." "How much?", will ich trotzdem wissen. "290 dollars." Okay, das ist wirklich zu viel. Ich kaufe stattdessen ein Tom Petty T-Shirt, das 21 $ kostet. Es ist zwar ein Glitzershirt, aber immerhin auch von der Original-Tour und ungetragen.


Ich spreche ihn vorsichtig auf die Drogen- und Kriminalitätkrise hier in Albuquerque an. Ich will niemanden zu nahe treten, wenn es um seine Heimat geht, aber er kommt direkt ins Klagen. Er weiß genau: "The system is broken man." Die Menschen, die den Bus zur Arbeit nehmen, weil sie kein Auto haben, wären trotzdem noch Stunden lang unterwegs, weil die drei Busrouten nur einen Bruchteil des Stadtbereichs abdecken. Hier auf dem Parkplatz gegenüber vom Laden hätten sie seit vier Jahren eine 360-Grad-Überwachungskamera aufgebaut. Erst dann hätten die Morde an der Straßenecke aufgehört. Überhaupt gibt es ein System in der gesamten Stadt, dass Schussgeräusche ortet, sodass die Polizei schneller am Tatort ist.

Wenn man so eine Technik erfinden muss, ist da nicht schon der Kipppunkt erreicht, an dem man mal in Revision gehen sollte?


Alles in allem wäre ich jetzt lieber bei meinen Bären in Japan. Da reicht eine Glocke, um die Gefahr auf Abstand zu halten. Hier bin ich auf mein individuelles Sicherheitsgefühl angewiesen. An einem Tunnel hängen ein paar Typen im Durchgang, die ihre Kapuzen ins Gesicht gezogen haben. Ich nehme einen Umweg. Am Martin Luther King Memorial sitzt zwischen zwei Portraits des Pastors ein schwarzer Obdachloser und gibt sich einen Schuss.


Nachdem zwei Schoßhunde im Nachbarzimmer ununterbrochen gekläfft haben, bis nachts um 2 endlich die Besitzerin zurück kam, stehe ich am nächsten Morgen verschlafen in der Lobby. Am Frühstücksbuffet kann ich zwischen Toast, Cornflakes und Waffeln wählen. Den Kaffee kann ich mir im Plastikbecher abfüllen, die eggs und potatoes vom Pappteller mit Plastikbesteck essen. Es gilt die alte WG-Weisheit: Wegwerfen ist einfacher als Abspülen.

An der Bushaltestelle setzt sich ein Mann um die 50 und mit einer grünen Wollmütze auf die Bank neben mir: "Are you waiting for long?" "No, should be coming in about 5 minutes. Has a bit of a delay." "Oh, you're seeing this on your..?", er macht eine Tippgeste und zeigt auf mein Handy. Er hätte ja keins. Es folgt eine verwirrende Story darüber, wie ihn"the AIs" über verschiedene Laptops hinweg folgen, obwohl er auf ihnen gar nicht persönlich angemeldet sei. Im Bus fragt er mich: "Do you believe in the father?" Als ich zögernd antworte, klärt er mich auf: "No man, religion and faith are two different things man." Okay, alles was ich tue ist Nicken und ab und zu sagen: "I see." Aber sein Redefluss ist wie ein Wasserfall und ich verstehe nur einen Bruchteil seiner Geschichte, wie er zum Glauben gefunden hat. Irgendwas mit seiner ersten und zweiten Frau, wie sie politisch demokratisch engagiert waren und er sich irgendwann abgewendet hat vom bipartisan system. Ich kapiere nur, dass er einen Hals hat auf alles vermeintlich politisch Intellektuelle: "..those people", er kreuzt seine seine Beine übereinander. "I can't even sit like that... Or my second wife, she was one of those." Er wippt schnell mit seinem rechten Bein und lacht. "That's my stop.", entschuldige ich mich rechtzeitig an meiner Haltestelle. Seine Tirade könnte noch ununterbrochen so weitergehen, wenn ich bis zur Endhaltestelle fahren würde. "Well thanks for listening to that.", ruft er als ich aussteige. Anytime.


Die Old Town Albuquerques ist nett anzusehen. Pueblo verkaufen auf den Gehsteigen Schmuck. In den Souvenirgeschäften steht manchmal ein Hinweis unter bestimmten kleinen Kunstwerken, welche der Native American tribes es gestaltet hat, oft mit Namen und Portrait des Künstlers. In einer Gallerie mit Keramik und moderner Kunst schaue ich ein paar Postkarten durch. Der ältere Herr hinterm Schreibtisch erzählt mir, dass er die Keramik gestaltet hat und sie als Künstlerkollektiv abwechselnd im Laden die Kasse betreiben. "What makes you come from Germany all the way to Albuquerque." Als ich ihm gestehe, dass ich in erster Linie wegen der Breaking Bad Serie hier bin, winkt er ab. "Yeah I'm one of those people.", entschuldige ich mich. "It's alright, we get a lot of those." Ich würde morgen aber auch gerne in die Berge zum Wandern. Da sollte ich vorsichtig sein, warnt er mich. "A lot of tourists have to be taken out by a helicopter." Ich solle genügend Wasser mitnehmen und mich warm anziehen.


"Are you Maxamillion, what a cool name!", begrüßt mich überschwänglich der Organisator der Tour. Ich bin der einzige Teilnehmer. "We moved everyone else to the morning tour." Also fährt mich Pete im Van von Drehort zu Drehort und ich fange an, mich wieder an die einzelnen Folgen zu erinnern. Das letzte Mal als ich die Serie geschaut habe, ist mindestens fünf Jahre her, aber bei jedem neuen Originalschauplatz macht es Klick. "Jesse and Jane's house", "The Car Wash", "Los Pollos Hermanos". Albuquerque ist seit Jahrzehnten beliebter Produktionsort für die Filmindustrie der USA. Wenn sich die Crew zu einem bestimmten Prozentsatz aus New Mexicans zusammensetzt, erhalten die Firmen hohe Summen Steuerrückzahlungen. An einer filmreif kaputten Industriehalle nennt mir Pete eine Reihe von Filmen, die dort gedreht wurde, u. a. Terminator.

Wir fahren am Haus vorbei, das in der Serie der Wohnsitz ist von Walter White, dem Antagonisten und der Hauptfigur von Breaking Bad. Pete erklärt mir, dass wir hier nicht anhalten dürften. Die Frau hat zu viele Vorbehalte gegen die Breaking Bad Touris. Nicht ohne Grund. In einer Folge der Serie wirft Walter eine Pizza in die Luft, die auf dem Dach landet und kleben bleibt. Eine Szene, die eigentlich gar nicht so geplant war. Die Punktlandung auf dem Dach gefiel dem Regisseur aber so gut, dass extra das Skript umgeschrieben wurde. Die Pizza auf dem Dach der Whites wurde ikonisch. Leider führte das auch dazu, dass eine Menge Idioten regelmäßig Pizzen auf das Dach der eigentlichen Hausbesitzer schleuderten. Im Schnitt bis zu fünf Mal am Tag.


Hank, Walt's Schwager in Breaking Bad, hat sein Haus im Vorort von Albuquerque nahe den Sandia Mountains. Für die Anwohner des Hauses gut gelegen, weil sich seltener bekloppte Fans der Serie dorthin verirren. Für mich gut gelegen, weil ich von dort aus eine Wanderung in die Berge starten kann. Auf den vereisten Felsen ist es nicht leicht, zu klettern, aber wenigstens sind die Klapperschlangen im Winterschlaf. Zwischen schneebedeckten Kakteen habe ich eine spektakuläre Sicht auf Albuquerque und die Chihuahua-Wüste.

Auf einen Blick

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Wetter
Winter
Begleitung
Allein
KulturellAbseits der Pfade
  • Breaking-Bad-Drehorte in Albuquerque
  • Old Town Albuquerque
  • Wanderung in den Sandia Mountains
  • Hotelfrühstück
  • Antiquitätenladen mit Musik und Merch
Wasserwarme Kleidung
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  • Tom Petty T-Shirt21 $
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