Veröffentlicht: 14.01.2019




























Nach einem kurzen Zwischenstopp in Valdivia, den wir hauptsächlich für die Organisation unserer weiteren Reise und einem Frisörbesuch nutzten, landeten wir schließlich in Valparaiso, einer Hafenstadt mit etwas mehr als 250.000 Einwohnern unweit Santiagos. Der Hafen zählt zu den wichtigsten des Landes und tatsächlich begrüßen uns bei unserem ersten kleinen Stadtrundgang zahlreiche Containerschiffe.
Neben den Hochseeriesen wirken die Touristenboote winzig
Unsere Erwartungen an die Stadt waren groß. Schließlich gilt Valparaiso als die kulturelle Hauptstadt Chiles und war/ist Heimat zahlreicher Künstler und Dichter. Unter anderem lebte Chiles Nationaldichter Pablo Neruda hier. Sein Haus, inzwischen ein Museum, ist auch eines der beliebtesten Touristenattraktionen der Stadt.
Tatsächlich aber erwischen uns die "Vibes", von denen uns schon viele vorgeschwärmt haben, nicht wirklich. Valparaiso ist vor allem groß und geschäftigt. Der alte Stadtkern ist 2003 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden. Zumindest rund um den Hauptplatz, den Plaza Sotomayor, verlieren die alten kolonoialen Bauten ihre monumentale Wirkung etwas im lärmenden Verkehr.
Im Zentrum steht das Haus der Militärakademie, ein ehemaliges Prunkgebäude der Regierung, welches nach einem Militärputsch 1973 nie mehr zurück gegeben wurde
Dennoch sind auch wir positiv angetan von den Farben dieser Stadt. Die Cerros, die Stadthügel, sind übersäht von bunten kleinen Häusern, viele noch im Kolonialstil. Die Fassaden sind oft mit Metallplatten verkleidet. Wir erfahren, dass es sich hierbei um das Metall alter Kontainer handelt, die auseinander geschnitten wurden um die Häuserwände vor dem andauernden Regen und Sturm im chilenischen Winter zu schützen. Die einzigen Metallfarben, die die Einheimischen früher zu Verfügung hatten, waren die gleichen, mit denen sie auch ihre Fischerboote bemalten. So wurden die bunt gemusterten Häuser mit der Zeit zur Tradition in Valparaiso. Außerdem haben hier unzählige Künstler ihr Können durch Streetart unter Beweis gestellt. Bei unserer Freetour erfahren wir nämlich, dass es in Valparaiso nicht offiziell illegal ist, ein Graffiti zu malen. Viele der pescados (also Fische, wie sich die Einheimischen nennen) stellen nach Absprache mit dem Künstler ihre Hauswand zur Verfügung.
So manche Haustür ist von Bildern geschmückt
Auch ganze Häuserfronten sind bemalt, hier von dem international anerkannten Künstler Inti Castro
Die Hügel in der Geographie der Stadt motivierten die Einheimischen schon früh, auch in Valparaiso Aufzüge zu bauen, die die einzelnen Ebenen miteinander verbinden. Angenehmer als das viele Treppenstiegen sind diese Ascensores, von denen heute noch 16 der ursprünglich 30 in Betrieb sind, auf jeden Fall. Wir fahren mit dem Ascensor Viktoria auf den Cerro Bellavista, von dem aus man tatsächlich eine schöne Aussicht auf die Stadt und den Hafen hat.
Die pescados lieben ihre Stadthügel. Nicht nur um der Aussicht oder der vielen kleinen netten Orte willen, die man hinter jeden Straßenecke finden kann. Vor allem bieten die Hügel den Valparaisern Schutz, sollte ein Tsunami die Stadt treffen.
Nach zwei Tagen in Valparaiso fahren wir dann zu unserem letzten Ziel in Chile, nach Santiago. Die Hauptstadt Chiles beheimatet über 5 Mio. Menschen. Unser Hostel liegt ziemlich ruhig, knapp 3km vom Zentrum entfernt in einem kleinen, aber recht hippen Viertel. Zahlreiche kleine Cafés, Chocolaterien und Boutiquen sind hier zu finden. Das Wetter ist herrlich, beinah schon zu warm und so nutzen wir die U-Bahn nicht, sondern spazieren jeden Tag die Strecke zu den Sehenswürdigkeiten. Und von denen hat Santiago de Chile reichlich zu bieten. Neben kolonialen Prunkbauten, Denkmälern und Kirchen ist das Zentrum der Stadt übersäht mit kleineren und größeren Parks. Das Opernhaus und die Markthalle bestechen durch ihre besondere Architektur. Das eiserne Gerüst des alten Zentralmarkts wurde angeblich in Paris gefertigt.
Ein verschwommenes Handyfoto als Beweis für den feucht-fröhlichen Abend. Liebe Grüße an dieser Stelle an Christina!
An unserem letzten Tag in Südamerika fahren wir mal wieder Aufzug. Mit der Funicula de Santiago geht es hinauf auf den Cerro San Cristóbal. Auf dessen Spitze und Seiten liegt eines der beliebtesten Ausflugziele in Santiago, mit Schwimmbädern, Cafés, Spazierwegen und kleinen Gärten. Außerdem gibt es auch eine Seilbahn, mit der man auf der anderen Seite des Berges in die Stadt zurück fahren kann.
Funicula de Santiago
Wir spazieren etwas, doch eigentlich ist es viel zu heiß. Selbst die Einheimischen suchen die Abkühlung unter Wasserfontainen. Leider haben wir schon ausgecheckt, da wir heute Abend nach Los Angeles fliegen, und so keine Möglichkeit mehr auf eine reinigende Dusche. Die öffentlichen Springbrunnen sahen aber dennoch sehr einladend aus.
Blick auf das Costanera Center besser bekannt als Gran Torre Santiago (Großer Santiago Turm), das zweithöchste Gebäude in der südlichen Hemisphere
Mit der Seilbahn fahren wir anschließend am Berg hinab zu einem riesige Shoppingcenter (Costanera Center). Dort gönnen wir uns in angenehm klimatisierter Raumluft einen Burger, um uns auf die nächsten Tage in den USA einzustimmen und schlendern schließlich zurück zu unserem Ausgangspunkt.
Insgesamt hat uns Santiago mit Abstand besser gefallen als Valparaiso. Die Straßen sind sauber und zahlreiche Parks und kleine Cafés laden zum Verweilen ein. Chiles Haupstadt wirkt zudem gar nicht so rieisig, auch wenn wir stundenlang hindurchlaufen konnten und dennoch nur einen Bruchteil gesehen haben.
Mit dem Abschied aus Santiago de Chile endet auch unser Abenteuer in Südamerika. Es wird sicherlich nicht unsere letzte Reise auf diesem Kontinent gewesen sein. Mit vier Ländern - Peru, Bolivien, Argentinien und Chile - haben wir erst knapp ein Fünftel aller Staaten bereist und von Argentinien und Bolivien haben wir lediglich einen Bruchteil gesehen. Daher haben wir auch erst einen kleinen Einblick in die Vielfältigkeit dieses Kontinents bekommen, der sowohl landschaftlich als auch kulturell unfassbar viel zu bieten hat. Allein durch die schiere Größe ist so gut wie jede Klima- und Vegetationszone zu finden. Wir haben andines Hochland und Gebirge gesehen, sind durch Sand- und Salzwüsten gefahren, haben grüne und verbrannte Wälder durchwandert und so manchen Pass überwunden. Den Amazonasregenwald haben wir leider nicht besucht, das steht jetzt auf unserer Löffelliste.
Wir werden uns an viele liebe Menschen zurück erinnern, nicht zuletzt an unseren Guide Dino, der uns von Bolivien nach Chile gebracht hat und an unsere Spanischlehrerin Shirley, von der Markus sein vorwurfsvolles "PORQUE?!?" ("WARUM?!?") übernommen hat. Auch an unsere Gastgeber an Silvester werden wir uns erinnern, mit denen wir chilenisches Sushi gegessen und über die Zukunft Chiles gesprochen haben. Ebenso an Philippe, unseren Fahrer und Automechaniker beim Huascaran Nationalpark in Peru, an unsere Hostelmama in Arequipa und an Dennis in Lima, der uns so herzlich in Peru willkommen geheißen hat.
