# Tag 5 ff. Gott in Frankreich ist noch nicht wach
Wer hat bloß das Wetter gemacht?


Veröffentlicht: 26.04.2023
Der Titel ist Programm - in dem französischen Film "Willkommen bei den Sht`is" wird der Postvorsteher von der Cote d´azur in den Norden versetzt und landet in einem kleinen Städtchen in der Region Hautes France, wo die Bevölkerung eine ganz eigene Sprachbetonung pflegt.
Das ist uns zwar nicht so untergekommen - mein Französisch wird gelobt und wir können uns verständigen. Die Gegend sieht aber genauso aus, wie im Film.
Wenn es aber ein Klischee gibt, was erfüllt werden muss, dann ist es das Wetter ..." wo es immer regnet"...
Könnt ihr Euch einen Sonntag am Meer vorstellen, der komplett auf den 14 qm im Wohnmobil verbracht wird, weil es nur regnet?
Und nicht nur ein bisschen, nein, der Gang zum Brot holen über 200 m bis zur Rezeption machte mich puddelnass.
Einzige Abwechslung war die Handball Begegnung THW Kiel - Flensburg als Live - Übertragung auf N3, was ja mit der gerade erworbenen Datenkarte von free mobile kein Problem darstellte.
Tatsächlich haben wir das Mobil bis 18.00 Uhr nicht verlassen, deshalb gibt es auch nix zu erzählen - außer den Regentropfen, die an mein Fenster klopfen.
Als wir um 18.00 Uhr bei einer Trockenphase rausgehen, haben wir eigentlich die Absicht, Essen zu gehen.
Vorher noch einen kleinen Abstecher zum Leuchtturm, der gerade hinter dem Camping auf einer Anhöhe liegt. Der Weg ist nach dem ganzen Regen ein wenig rutschig. Für einen von uns beiden zu rutschig und die Folge ist ein Schlammbad.
Essen gehen fällt aus.
Den Abend verbringen wir mit dem Studium der Gegend und dem Auswahl des nächsten Ziels.
Das findet sich nur 50 km weiter noch an der Cote d`opale in der Ferienregion Quend plage. Der dortige Stellplatz wird gelobt und liegt direkt am Ortsrand an einer Walddüne.
Am nächsten Morgen geht´s los.
Die Fahrt über Land auf der gut ausgebauten Departementstraße D 940 ist unspektakulär. Bisher hat mich die Gegend noch nicht überzeugt. Mit Ausnahme des Teilstückes zwischen Calais und Boulogne sur mer, wo die Landschaft hügelig war und immer wieder Blicke auf das Meer und die Steilküste freigab, ist es jetzt nur noch flach und das Meer liegt außer Sichtweite.
Dafür ist das Wetter endlich besser und die Sonne scheint. Der Stellplatz in Quend Plage erweist sich als genau so, wie wir ihn erwartet haben - angenehmes Umfeld, nicht weit zum Strand, kleiner Ort mit Fußgängerzone. Der Platz bietet großzügige Parzellen, weil er auch nicht voll ist. Angenehm die Lage am Kiefernwald, der Platz mit verschiedenen Höhen und Buchten. Eingangsschranke mit Parkautomat - die Nacht kostet 10,- € und Entsorgung ist auch da.
Aber warum sind eigentlich so viele Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern unterwegs?
Die Antwort gibt das Internet - in Frankreich sind Frühlingsferien bis zum 1. Mai und die Region ist voll von Ferienparks und großen Ferienanlagen. Da ist es kein Wunder, dass an den zentralen Punkten die genervten Väter und die bemühten Mütter nur das Beste für ihre Kleinen wollen. Entspannter dagegen die Großeltern, die sich über die lebhaften Kiddy`s freuen.
Am nächsten Morgen ist es kühl und die Sonne ist nicht in Sicht. Eigentlich war eine Fahrradtour an die Mündung der "Somme" geplant. Das sind etwa 20 km, aber die Freude hält sich in Grenzen bei der Betrachtung der äußeren Umstände. Wir erwägen sogar die Zelte abzubrechen und weiter zu fahren. Aber wohin. Es ist nirgendwo besser in dieser Region. Als die Sonne dann doch noch hervorkommt wird es schlagartig besser und wir satteln die Räder.
Was dann kommt, kann man durchaus als Überraschung und schönen Tag bezeichnen. Zunächst die Fahrradstrecke nach Le Croyot - 1 a ausgebaute Radwege durch die Landschaft, vorbei an einsamen Dörfern und Gehöften, das Naturschutzgebiet für die Vogelwelt (Parc du Marquenterre) und die Überflutungsteiche entlang der Straße. Eine ebene und abwechslungsreiche Strecke bringt uns schließlich nach Le Croyot, einem Ort an der Mündung der Somme, die bei Niedrigwasser sehr ausgetrocknet erscheint. Das ändert sich im Laufe der kommenden Stunden, wenn dann die Flut den Spiegel um mehrere Meter steigen lässt. Wir erleben den Höchststand nachmittags um 16.00 Uhr, als wir auf dem Rückweg sind. Alle Urlauber schienen auf diesen Moment gewartet zu haben und tummeln sich an der Wasserkante.
Le Croyot bietet eine kleine Promenade zum flanieren und einen lebhaften Ortskern rund um den zentralen Place de Memorial Jeanne d´Arc an der Promenade. Hier findet sich passend auch das Restaurant Cote d´opale und wir haben Lust uns die regionale Spezialität - Muscheln mit Fritten - zu genehmigen. Bei bestem Wetter auf der Außenterasse ist das gerade recht.
An der Statue von Jeanne d´Arc ist ein Protestbanner der Fischer aus dem Ort angebracht. Sie kämpfen gegen das Unrecht der politischen Streitereien um ihr Fangrecht im Ärmelkanal, was seit dem Rückzug der Engländer aus der EU für die französische Fischerei eine Beschneidung der Fangzonen bedeutet.
Der Rückweg ist ein wenig beschwerlicher, weil der Wind von vorn bläst. Da kann der E-Bike Akku mal zeigen, was in ihm steckt.
Zurück am Wohnmobil nutzen wir die Sonnenstrahlen und genehmigen uns ein kleines Getränk auf den Campingstühlen im Freien. Sind ja immerhin fast fast 16 Grad, also schon fast frühlingshaft.
Als wir am Mittwoch morgen aus den Federn kriechen, ist schlagartig der Winter zurückgekehrt. Nur noch 4 Grad, da hätte man ja gar keinen Kühlschank gebraucht. Die Butter auf dem Tisch ist jedenfalls genauso hart, als wäre sie im Kühlschrank geblieben.
Gott sei Dank funktioniert die Heizung.
Unser heutiges Ziel nach dem Frühstück ist die Region um die Mündung der Seine bei Le Havre. Das sind 200 km und wir haben Zeit.
