Klettertour statt Spaziergang
Wir wollten heute eigentlich zur Stadtmauer, aber wir haben uns dann dagegen entschieden. Wir haben ein wenig recherchiert und herumgefragt. Zur Stadtmauer hinauf geht es


Veröffentlicht: 29.10.2026










Zum ersten Mal auf unserer Tour übernachten wir heute in einem Dorf, das nicht zu den 126 schönsten Spaniens gehört. Wir haben in Alcalá de la Selva Halt gemacht, weil uns die 175 Kilometer nach Culla, unserem nächsten Ziel, schlicht und einfach zu weit waren. Wir haben keine Eile, und so legten wir auf halber Strecke einen Zwischenstopp ein.
Und dieser Stopp hat sich gelohnt, denn Alcalá, wie die Leute hier ihren Ort nennen, hat eine interessante Geschichte. Der Name kommt aus dem Arabischen. Al-qal'a bedeutet Festung oder Burg, und selva kommt aus dem Lateinischen und steht für Wald. Übersetzt könnte man also sagen: Die Festung im Wald. Wie ihr vielleicht an den Fotos sehen könnt, kommt der Name nicht von ungefähr.
Wie viele spanische Orte abseits der Küste leidet auch Alcalá unter der Landflucht. 1930 zählte dieser Flecken noch mehr als 1.500 Einwohner. Heute leben hier keine 400 mehr. Dabei gibt es viel zu entdecken: Da ist einmal die Burg der Heredia, zu der ein steiler, aber gut ausgebauter Weg führt. Sie ist erstaunlich gut erhalten, steht auf einem markanten Felsvorsprung und erinnert an die Zeit, als diese Berge Grenzgebiet und strategisch wichtig waren.
Noch imposanter ist die Iglesia de San Simón y San Judas – nicht der Verräter Iskariot, sondern Thaddäus. Sie ist so riesig, dass hier alle Bewohner des Städtchens hineinpassen würden. Sie wurde 1614 eingeweiht, aber schon Ende des 12. Jahrhunderts stand hier eine Kirche, die den beiden Aposteln geweiht war. Warum ausgerechnet diesen beiden, ist nicht überliefert. Allerdings weiß man, wann ihr Gedenktag ist: Der war gestern. Darauf hat uns der Wirt aufmerksam gemacht, in dessen Bar – sie liegt direkt vor der Kirche – wir ein Päuschen eingelegt haben. Und weil man Ehrentage auch noch 24 Stunden später feiern darf, haben wir zusammen auf die beiden Heiligen angestoßen. Man weiß ja nie, wofür es gut sein kann …
