Wenn Fels und Festung eins sind
Heute war für Icke und mich ein Höhepunkt unserer Tour. Während Icke drei Stunden ungestört shoppte, eroberte ich das Castillo de Morella, eines der eindrucksvollsten Bau


Veröffentlicht: 22.10.2026













Das war heute nicht mein Tag. Dabei fing er eigentlich ganz gut an. Wir frischten in Morella noch unsere Vorräte auf, tauschten eine Gasflasche und erreichten ohne große Probleme Mirambel. Allerdings fuhren wir eine Ausfahrt zu früh raus und kamen so ins Zentrum des 100-Seelen-Dorfes. Kleine Pflasterwege, enge Kurven mit großem Gefälle – und so kam es: Ich blieb an einer Ecke hinten rechts mit der Stoßstange hängen. Nichts Dramatisches, aber die Kratzer sind doch ärgerlich.
Das mussten wir erst verdauen, und weil wir schon beim Verdauen waren, gingen wir gleich ins nächste und einzige Restaurant des Ortes zum Essen. Der Wirt war Zeuge meines Missgeschicks gewesen, und er hatte wohl Mitleid mit uns, denn wir bekamen unser Menü auf der Terrasse serviert, was sonst nicht üblich war. Das Essen war hervorragend, und als wir fertig waren, brachte ich das Geschirr in die Küche. Ich wollte dem Wirt damit zeigen, dass wir sein Entgegenkommen zu schätzen wussten. Beim Hineingehen sah ich die Treppe, beim Herauskommen nicht. Ich krachte der Länge nach auf den Steinboden. So schnell ich gestürzt war, so schnell stand ich wieder. Schürfwunden an Arm und Knie waren der passende Denkzettel für meine Unachtsamkeit …
Das anschließende Schlendern durch die Gassen von Mirambel entschädigte für alles. Icke und ich sind uns einig, dass es der außergewöhnlichste Ort unserer bisherigen Reise ist. Hier ist alles aus Stein. Wirklich alles. Es ist zudem eines der wenigen Dörfer Spaniens, das noch komplett von einer Steinmauer umgeben ist. Hier fühlt man sich bei jedem Schritt um Jahrhunderte zurückversetzt.
Natürlich hat auch Mirambel eine Burg, wie jeder spanische Ort, der etwas auf sich hält. Die Festung reicht bis in die Zeit des Templerordens zurück und hat in der Geschichte des Landes eine besondere Bedeutung. Sorry, aber ein klein wenig Geschichte muss jetzt sein: In dieser Burg pflegte Ramón Cabrera während seiner häufigen Aufenthalte in Mirambel zu residieren. Er war einer der bedeutendsten Heerführer der Karlisten. Sie kämpften von 1833 bis 1840 als Anhänger von Don Carlos gegen die Unterstützer der jungen Königin Isabella II. Es ging um die spanische Thronfolge, aber auch um den Gegensatz zwischen traditionell-monarchistischen und liberalen Vorstellungen.
Der gute Cabrera kämpfte weiter. Am Ende allerdings umsonst. Nach einer erneuten Niederlage 1849 musste er endgültig ins Exil. Er starb 1877 in England, fern seiner spanischen Heimat.
