Dritter Tag
Söderfors - Axmar Bruk 110km 16,2 Schnitt Bis mittag starker Gegenwind und heftiger Regen, ab Mittag Sonne und sehr starker Gegenwind Warum müssen Wetterberichte immer so...

Veröffentlicht: 15.06.2017
7km nördlich von Näsviken - Grundsjön (30km südlich von Ånge)
Knapp über 90 km
16.3kmh Schnitt
Fast den ganzen Tag Sonne, gegen abend zunehmende Bewölkung. Ein paar Tropfen
Kaum Wind, wenn dann aus westlichen Richtungen
Das erste mal wurde ich gegen halb vier wach, es war hell draussen, aber ich drehte mich wieder um und schlief weiter - viel zu lange. Um sieben wurde ich wach und bis ich mit meiner morgendlichen Routine fertig war, war es halb neun. Da hatte ich Tags zuvor schon über 20km geschafft. Der Tag war herrlich, fast wolkenlos. Ich folgte immer noch dem Ufer des Sees Sördellen und nach ein paar km konnte ich nicht widerstehen. An einer Bank direkt am See machte ich halt und packte wieder alles aus. Schlafsack, Innensack und Zelt und legte alles zum trockenen in die Sonne. Um beim zelt die größtmögliche Oberfläche zu bekommen spannte ich es mit dem Gestänge. Dabei brach bei einer Stange ein Verbindungsglied. Und das bei einem Hilleberg zelt. Zum Glück hielt die Stange nachdem ich sie ein paar mal mit Panzertape umwickelt hatte. Dann ging es weiter. An einer Kirche füllte ich meinen Wassersack auf und fühlte mich bereit für mindestens 2-3 Tage Einsamkeit ohne Einkaufsmöglichkeiten. Nur wenige km später merkte ich dass ich rasch Luft aus dem Hinterrrad verlor. Also die ganze Abbauprozedur von vorne. Ich schaute mir den Schlauch zunächst gar nicht an sondern nahm gleich den alten, für den ich ja die neuen Ventile hatte. Als ich dann aber das Loch flicken wollte stellte ich fest dass der Schlauch am Ventil brüchig war. Das gab mir zu denken. Hatte ich einfach einen schlechten Schlauch (aber er war neu) oder war die Belastung am Hinterrad einfach zu groß (gerade hatte ich noch mal 5kg Wasser drauf gepackt). Was heißt das für meine zukünftige Strecke. Und wo war eigentlich mein zweiter Ersatzschlauch. Ich war so sicher ihn eingepackt zu haben, aber er war nicht in meinem Werkzeugsack. Und jetzt kamen ca 150 km ohne jeden Laden, geschweige denn bike shop. Mit dem mulmigem Gefühl ohne Absicherung zu fahren ging es weiter. Durch die Reparatur hatte ich wieder Zeit verloren und es war schon halb elf. Und auf dem Tacho standen 10 km. Meine Route führte mich ab Friggesund den Svågan flussaufwärts. Die Landschaft änderte sich wieder. Klar war hier immer noch jede Menge Wald, aber es wurde noch einsamer und bergiger. Nur unten im Tal waren vereinzelt Gehöfte. Erst nahm ich eine Nebenstrecke musste aber ab Brännås wieder zurück auf die Hauptstraße. Ich machte ganz schön Augen als ich sah, dass sie gar nicht mehr geteert war (sofort wanderten meine Gedanken an mein Hinterrad). Es war eine sehr breite Schotterpiste, die aber zumindest auf den ersten km fast so glatt wie Teer war. Der Verkehr hatte fast komplett aufgehört. Alle paar km begegnete mir ein Auto, dass ich schon lange vorher hörte. So konnte ich je nach Beschaffenheit die linke oder Rechte Seite nutzen. Die linke Seite war fast immer besser (komisch was einen so auffällt). Das radeln war sehr anstrengend. Ich war heute morgen auf 50hm gestartet umd jetzt kämpfte ich mich mit viel auf und ab bis auf 400hm. Dazu brannte die Sonne vom Himmel und die Landschaft war sehr eintönig. Wald Wald Wald. Bis der Svågan einen See bildete. Dort suchte ich mir einen wunderschönen Platz direkt am See mit Sandstrand und vielen dicken Waldameisen. So ließ es sich aushalten. Auch hatte ich die meisten Höhenmeter geschafft (dachte ich). Zumindest hatte ich mir eine Mittagspause verdient. Jetzt ging es weiter durch schier endlose Wälder und weil ich immer noch an Höhe gewann, hatte ich immer wieder Weitblicke auf ferne Hügel (alle bewaldet). Etwas nervig war, dass es ständig rauf und runter ging und jedes mal wenn ich wieder hoch musste und selbst wenn es nur kleine Anstiege waren, bremste mich das Gewicht des Rades auf 5-10kmh und ich kurbelte im kleinsten Gang hoch. Deswegen versuchte ich den Schwung so gut wie möglich zu nutzen und hatte ein paar halsbrecherische Abfahrten (Max 48kmh). Zwischendurch schoss mir durch den Kopf: wenn hier was passiert...
Bei einer harmloseren Abfahrt war unten im Tal ein kleiner Weg der rechts abbog (bei so eintöniger Strecke fast schon eine Bemerkung wert). Ich schaute nach rechts und sah auf der Höhe einen Esel stehen. Das ganze dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde (war ja in voller Fahrt). Hä? Hier im Wald ein Esel? Stop, das konnte ja nur eins sein. Ich stellte mein Rad ab, zückte meine Kamera und schlich zurück. Tatsächlich, ca 200m entfernt stand am Waldrand ein Elch. Mit Geweih. Ich glaub es war ein junger, aber ganz genau konnte ich es nicht erkennen. Dazu war ich zu weit weg. Er hatte mich anscheinend nicht bemerkt und damit er seine Position mal etwas fotogener änderte pfiff ich. Er blickte mich an, ließ sich aber sonst nicht stören.
Meinen Schlafplatz hatte ich mir schon früh rausgesucht. Ich wollte trotz späten Aufbruch 80km + haben und gerne noch an einem See bleiben. Deshalb der See Stor-Grundsjön. Ich fand auch ein unverbautes Ufer nah an der Straße, aber die Entscheidung hier zu bleiben war nicht so klug. Erst mal wurde ich einige Male von kleinen roten Waldameisen gebissen. Tut das weh! Und dann fielen die Mücken über mich her. Um mich schlagen baute ich das Zelt an einer unebenen, nassen Stelle auf und flüchtete sofort nach drinnen. Vielleicht geh ich noch zum Zähne putzen raus, aber Baden oder essen muss ausfallen. Dann lieber früh los und nen schönen Frühstücksplatz suchen. Gute Nacht.