Canada Autumn 2021
A roadtrip from Montreal to Nova Scotia and back

Cap-des-Rosiers - Dalhousie

Als ich um 5.30 Uhr aufwache, beschließe ich, tatsächlich aufzustehen. Der bevorstehende Sonnenaufgang treibt mich aus meinem gemütlichen Bett. Trotz der Nähe zur Straße war es eine äußerst ruhige Nacht, und so bin ich auch einigermaßen ausgeruht, als ich das Spektakel hinter meinem Motel genieße. Einige Gäste haben es mir gleichgetan, und so blicken wir gerührt auf den neuen Tag, der sich hier so großartig ankündigt.

Demensprechend früh komme ich auch weg - was sich dann später auch als gut herausstellt. Denn so schön die Fahrt gestern war, heute ist sie ermüdend und nicht besonders abwechslungsreich. Im Gegensatz zur Westküste mit dem Sankt-Lorenz-Strom als Begleiter ist die Strecke am Sankt-Lorenz-Golf landschaftlich 3 Stufen tiefer. Obwohl das blaue Wasser der Bucht im Sonnenschein wunderschön glitzert, fehlen hier die steilen Anstiege und das Küstenfeeling vom Vortag. Eine flache Landschaft, durch die sich die 132 hier durchzieht, und durch mehrere größere Ortschaften, die wenig malerisch erhöhtes Verkehrsaufkommen bieten. Deutlich mehr LKWs fahren diese Strecke, und fast schon nervötend sind dutzende von Baustellen, die durch eine Ampelanlage den Verkehr immer wieder zum Erliegen bringen.

Und waren gestern noch Picknickareale im Minutentakt zu zählen, so fährt man hier durchaus mal eine Stunde, ohne einen solchen zu erblicken. Ich konzentriere mich so mehr auf mein Hörbuch, und die 380 km ziehen sich aber trotzdem gewaltig. Erst 100 km vor meinem Ziel gibt es 2 Lichtblicke. Erstens einen wunderschönen Blick über die Bucht, und zweitens das Ende meiner französischen Expedition. Denn ich erreiche New Brunswick (Neu Braunschweig) - und dort wieder Englisch als Hauptsprache gesprochen. Den Anfang macht ein Tankwart, der meinen Benzinvorrat auffüllt. 5 CanDollar Trinkgeld sind eine kleine Aufmerksamkeit für ein geschliffenes Englisch, welches ich seit dem Flughafen in Montreal nicht mehr gehört habe.

Das zweite sprachliche Herzflattern bekomme ich, als im Walmart von Campellton das nette junge Ding bei der Self-Service-Kasse mit einem von mir ausgemachten britischen Akzent mit mir spricht. Sie betont zwar, dass sie im Leben noch nie dort war, aber das ist mir egal. Ich bin endlich da wo ich sein will. Mit neuem Schwung mache ich mich auf die letzten 30 km bis Dalhousie, wo ich in einem Days Inn unterkomme. Die Kette ist bei mir in guter Erinnerung, denn es war 2018 meine erste Behausung überhaupt auf dem amerikanischen Kontinent - in San Diego. Und auch wenn das Parken vor der Tür hier entfällt, weil es eher Hotelcharakter hat, bin ich von dem modernen Zimmer und dem freundlichen Empfang durch Jason an der Rezeption sehr begeistert.

Jason würde auch gerne reisen, aber er traut sich nicht zu fliegen. Seine weiteste Reise war bis Alberta, ebenfalls Kanada. Sprich, er hat das Land noch nie verlassen. Nun sollte man aber erwähnen, dass Alberta 4600 km von hier entfernt ist, was der Strecke von Tromso in Nordnorwegen nach Messina auf Sizilien entspricht. So viel zu den Dimensionen des zweitgrößten Staates dieser Erde. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass Jason natürlich perfekt Englisch spricht, und nach dieser dritten Begegnung heute wird mir klar, warum mich das Reisen in englischsprachigen Ländern so begeistert. Es ist einfach dieser Smalltalk, der an jeder kleinen Stelle möglich ist. Serge gestern war da eine Ausnahme - ansonsten habe ich hier heute mehr geredet als die sechs Tage davor.

Den sonnigen Abend lasse ich mit einem Spaziergang zum winzigen Hafen und dem Leuchtturm von Dalhousie ausklingen. Ich bin sehr gespannt auf morgen. Die 134 wird meine neue Straßenheimat. Das Wetter soll nicht gut werden. Egal. Hauptsache Englisch.

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