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Sonntag, 12.8.2018


Strecke: Donau-Radweg 4 (Apostag - Szegszard)

gefahrene Kilometer: 95

Highlight des Tages: die Frau mit Kinderwagen, das Zimmer mit deutschen Fernsehprogramm, der Nachbartisch im Restaurant, offener Laden am Sonntag


Der Tag begann wieder sau früh, um viertel 8 fuhren wir los, weil wir kein Frühstück hatten, außer ein paar Salzstangen und Keksen. Entgegen aller Erwartungen hatte der coop abc –Lebensmittelladen, den es da überall gibt, in Apostag Sonntagmorgen auf. Und da waren Leute drin! So viel ist da bestimmt sonst nie los. Wir haben uns also mit Energieriegeln und Sachen für Mittag eingedeckt und starteten dann wirklich. Wir fuhren auf kaum befahrenen Straßen, die Temperatur war durchaus angenehm. So ging es dahin, die Kilometer radelten sich von selbst. Anfangs fuhren wir viel auf Dammwegen, links unendliche Maisfelder, rechts Waldstreifen mit ca. 30-50m, dahinter wieder Felder. Ganz zu Beginn war eine Hexe am Wegesrand, also mit Besen, an einem Verkehrsschild. Irgendwann sind wir dann versehentlich einen kleinen Umweg gefahren, aber durch den Wald, das war schön. Ein alter Mann ist an uns vorbei geradelt und hat uns gefragt, „Wohi“ (wortwörtlich!) wir wollen. In Dunapataj haben wir auch kurz den Weg nicht gefunden, aber eine junge Frau mit Kinderwagen war unterwegs und hat uns in bestem Deutsch den Weg erklärt. Englisch konnte sie nicht. Überall waren, selbst in kleinen Orten, Wirtshäuser offen, wo Männer jeden Alters um 9 oberkörperfrei Bier tranken. Direkt sympathisch.

Schließlich fuhren wir hauptsächlich auf Landstraßen, wie die vorherigen Dammwege auch geteert. Wir sahen viele schön hergerichtete Orte, soll heißen, es gab wundervolle Gärten, z.T. blühende Kästen an Brücken, hübsche kleine Plätze mit Bäumen, Wiese und einem Relikt wie z.B. gut hergerichtete Oldtimer-Bulldogs, Pferdewägen oder Statuen. Aber viele Häuser waren einfach total runtergekommen. Auch die neueren Datums (so ab 1980) waren z.T. rissig oder auch sonst nicht so gut in Schuss. Kurz vor Foktö kamen wir sogar an einem Paprikafeld vorbei, wofür die Gegend sogar bekannt ist. Im Schatten nach Foktö machten wir mit 55 km auf dem Tacho um 11:00 eine Stunde Mittagspause.

Danach lief es leider nicht mehr so problemlos. Denn jetzt folgte ein geschotterter Dammweg, 22 km lang. Nun fuhren wir nicht mehr durch Orte, sondern außen drum rum. Da wurde das ganze Elend verfallener Orte erst richtig deutlich. Nach Faisz überquerten wir die Donau auf einer viel befahrenen Straße – die Hitze machte uns allmählich zu schaffen. Theoretisch führte die ganze Straße durch den Wald, allerdings war es wieder ein Dammweg, so dass die Bäume zu weit weg waren, um Schatten zu spenden. Und dann ging es kilometerweit kerzengeradeaus, in der prallen Sonne, ohne Schatten, auf den typisch ungarischen, kaputten Straßen.

Schließlich erreichten wir unseren Zielort Szekszard, welchen wir in Form eines Industriegebietes erstmals erblickten. Aber wir waren dann bald im Stadtzentrum, wo auch unser Hotel war. Sehr hübsch übrigens, auch wenn vermutlich (fast) gar keine anderen Gäste da waren. Wir duschten uns, chillten und gingen dann in die Stadt. Ja, es ist mit Berching zu vergleichen. Es gibt zwei schöne Straßen (Fußgängerzone sogar), einen großen Platz mit Kirche und Rathaus, sowie einen Brunnen, eine Grünfläche, einen Obelisk, außerdem kleine Läden und Restaurants. Wir kauften uns ein Eis: für Julius Mango, für mich Lavendel. Das kannte ich noch nicht, schmeckt aber nicht schlecht, nämlich genauso, wie Lavendel riecht. Wir schlenderten einmal um die Kirche, wo eine Frau im Rollstuhl auf uns zukam. Ich verstand nicht, was sie wollte, Julius aber schon. Und er half ihr, die Kirchentür zu öffnen, weil die Tür nach außen aufging. Sie musste da schon länger gewartet haben. Wir schauten auch mal rein, gingen aber gleich wieder raus, als wir merkten, dass immer mehr Leute kamen. Einem ungarischen Gottesdienst wollten wir nun nicht unbedingt beiwohnen.

Also gab es Essen. Es war gut und reichlich. Am Nebentisch war eine Gruppe von 10-12 Leuten, die anscheinend deutsch waren, aber irgendwie auch ungarisch sprachen und ständig fiel das Wort „Schwager“. Als sie gingen, kam der deutsch sprechende Herr zu uns, lobte uns für unseren Dialekt – er komme aus Unterfranken, lebt in Südafrika und hat eine Ungarin geheiratet, deren Familie gerade besucht wird. Dann sind wir in unser Zimmer gegangen. Nach der üblichen Behandlung mit der Popocreme gegen Druckstellen wollten wir fernsehen. Und es gab sogar deutsche Sender! Wir haben dann Captain America angeschaut und sind viel zu spät schlafen gegangen.
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