Ipoh
Kurvig über Stock und Stein ging es nach den Cameron Highlands mit dem Bus nach Ipoh. Grundsätzlich scheint das Bussystem in Malaysia gut und zuverlässig zu funktionieren. In Ipoh...


Veröffentlicht: 12.02.2026




























Nach Ipoh machten wir einen Abstecher nach Lenggong. Dieser Ort war uns nur zufällig in einem Reiseblog oder ähnlichem als Randnotiz begegnet, und kaum jemand dem wir davon erzählten hatte überhaupt davon gehört. Hier befindet sich ein archäologischer Park, der seit 2012 auch als UNESCO-Welterbe gelistet wird, den wir uns nicht entgehen lassen wollten.
Erst mal ging es mit dem Zug von Ipoh aus nach Kuala Kangsar, wo wir nach einem Fußmarsch durch die staubigen Straßen bei brennender Sonne eine Landstraße erreichten, wo ein öffentlicher Bus alle paar Stunden nach Lengong fahren sollte, laut Google Maps mit 83 Haltestellen dazwischen. An der einsamen Haltestelle wurden wir von einem Mann angesprochen, ob wir uns verlaufen hätten, von einem Bus wüsste er nichts und er bezweifelte auch dass der kommen würde. Zu unser aller Überraschung fuhr er sogar recht pünktlich und auch die Fahrt verlief ganz reibungslos (die Haltestellen wurden zum Glück nur bei Bedarf angefahren). Der Bus diente gleichzeitig auch als Paketdienst. In Lengong bezogen wir ein sehr einfaches Homestay. Die Verwalter sprachen kaum englisch und waren ganz aus dem Häuschen, weil wir ihre ersten westlichen Gäste waren. Und dann auch noch eine Anreise per Bus, den benutze doch niemand, alle hätten Autos! Wir aber nicht, und weil wir keine offiziellen Taxis fanden, wurde der "Freund" des Hauswarts abgestellt, um diesen Service zu übernehmen. Also kutschierte er uns am nächsten Morgen mit seiner Frau im Gepäck zum Unesco Geopark und den beiden zugehörigen Museen und holte uns nachmittags wieder ab. Sie fanden es sehr befremdlich, dass wir durch den Geopark zu Fuß wandern wollten, Spazieren/Wandern wird wohl auch hier als merkwürdige Marotte empfunden.
Auch wenn wie gesagt kaum einer diese Unesco-Site kennt, ist das Lenggong-Tal eine der wichtigsten archäologischen Stätten Südostasiens und eine der ältesten Zeugnisse menschlichen Lebens außerhalb von Afrika. Ein Meteroiteneinschlag vor gut 1.8 Millionen Jahren löschte alles Leben in der Region zunächst aus, und ließ Suevitgestein zurück, das neben dem durch den Aufschlag zermahlenen Gestein auch zu Impaktglas verschmolzene Mineralien, die nur bei extrem hohen Temperaturen entstehen, enthalten. Das besondere an dem Lenggong-Suevit ist, dass hier Steinwerkzeuge konserviert wurden und somit beweisen, dass das Tal schon vor dem Einschlag von Menschen besiedelt war. Das Tal wurde dann wieder vor ca 550000 Jahren von Menschen besiedelt, die ihre Spuren überall im Tal und vor allem auch in den umliegenden Kalksteinhöhlen hinterließen. Auch menschliche Überreste wurden gefunden, zB der Perak-Mann, ein gut erhaltenes 11000 Jahre altes Skelett. Mr. Perak war etwa 40 Jahre alt bei seinem Tod und litt unter genetisch bedingten Fehlbildungen. Die Art und Weise wie er bestatt wurde deuten darauf hin, dass er ein respektiertes Mitglied der Gemeinschaft war, oder sein Anderssein ihm sogar einen besonderen Status verschaffte. All dieses und noch viel mehr wurde in zwei erstaunlich guten kostenlosen Museen erklärt und ausgestellt, in dem wir fast die einzigen Besucher waren.
Danach ging es in den Geopark, um die Spuren des Meterotiteneinschlags mit eigenen Augen sehen zu können. Am Eingang gab es noch ganz gute Tafeln, die einen Rundweg mit verschiedenen Stationen zeigte und Hintergrundinformationen lieferte. Der Weg führte verschlungen durch Palmölplantagen, außer einigen mageren Kuhherden und vereinzelten Arbeitern, die mit verlängerten Macheten die reifen Früchte abschlugen und in mühseliger Kleinarbeit aus dem Wald beförderten, waren wir die einzigen. Die erste Fundstätte glaubten wir noch zu finden, zumindest war da ein Loch in dem wohl mal vor längerer Zeit Ausgrabungen stattgefunden hatten. Da es aber keinerlei weitere Schilder gab, der Weg sich hier und da gabelte und man nur raten konnte, ob es sich bei dem ein oder anderen Steinhaufen nun um meteroitischen Material handelte oder nicht, können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob wir es bis zu den anderen Fundstätten schafften. Irgendwann beschlossen wir, querfeldein wieder Richtung Ausgang zu gehen. Dabei entdeckten wir eine mindestens 3 m lange zusammen gerollte Königskobra (zumindest ergaben unsere nachträglichen Recherchen diese als wahrscheinlichste Spezies, alternativ könnte es eine Phython gewesen sein), die aufschreckte und sich über einen Holzhaufen davon machte, weswegen wir ihre beeindruckende Länge trotz des kurzen Augenblicks ganz gut erfassen konnten. Die Schlangen bevorzugen zwar eigentlich Waldbereiche nahe an Gewässern, aber aufgrund von Nahrungsknappheit scheinen sie sich anzupassen und sind nicht selten in Plantagen vorzufinden. Aufregend, aber hätte auch gefährlich werden können. Übrigens kann man mit Führung auch die diversen Höhlen in de Umgebung (wohl kostenlos) besichtigen, aber da hätten wir uns mit etwas Vorlauf anmelden müssen. Wir waren aber auch so zufrieden mit dem, was wir sehen und lernen durften.
Zurück im Lenggong, das zwar sehr dörflichen Charakter aufweist, aber dennoch mit einem großen Supermarkt, Baustoffhandel etc. in der Region eine Art Versorgungszentrum zu sein scheint, dämmerte uns mehr und mehr dass wir mit unserer Anwesenheit für Aufsehen sorgten. Schon am ersten Abend waren wir öfter angesprochen worden, woher wir kamen, wie wir hierher gekommen seien. Das hatte sich offenbar herumgesprochen, und wir wurden mit dem Fahrrad und zu Fuß "verfolgt", um uns beobachten oder uns schüchtern Hallo sagen zu können. Die Nachbarin unseres Hostels überreichte uns Rambutan-Früchte direkt vom Baum gepflückt, die köstlich waren aber eine kleine Insektenplage in unserem Zimmer auslösten. Auch der Betreiber des lokalen islamischen Zentrums nebenan, ein ehemaliger Lehrer (oder auch eine Art Imam?), war ganz aufgeregt und übermotiviert, dass er endlich mal Ausländern sein Schaffen präsentieren konnte. So lud er uns ein, das kleine Häuschen (eine Art Gemeindezentrum) zu besuchen, und im Garten wurden wir erst mal darüber aufgeklärt, wie die malaysische Flagge richtig und würdevoll aufgehängt wird. Es folgte ein Fotoshooting von uns mit/unter/neben den malaysischen Flaggen, das ihm vor lauter Vaterlandsliebe fast die Tränen in die Augen trieb. Innen dann Kunstwerke von Kindern und Bewohnern des Dorfes, hauptsächlich aber von seinem Sohn, und eine Dokumentation seines Schaffens als Lehrer, sowie eine kleine Bibliothek mit islamischen Schriften. Zwischendurch wieder Fotos mit ihm, mal vor einer bemalten Wand, mal mit traditioneller malaysischer Kopfbedeckung. Sehr herzlich und freundlich, aber befremdlich war der Umgang mit Marike als Frau: er vermied Augenkontakt und sprach sie nicht an, und wenn sie Fragen stellte, war er sichtlich irritiert und lenkte das Gespräch zu Freddy. Und dabei hatte Marike sich schon total zusammengerissen, zurückhaltend zu sein und nicht zu viel zu labern, weil wir ähnliches Verhalten schon vorher bei den malayischen Dorfbewohnern erlebt hatten (die chinesischen Malayen haben da keine Berührungsängste). Bestimmt nicht böse gemeint sondern eher respektvoll, aber für uns irritierend und auch ein Grund, nicht länger in dem Dorf zu verweilen (abgesehen davon, dass wir die für uns wichtigsten Sachen gesehen hatten). Also machten wir uns nach diversen Austauschen von Höflichkeiten (Freddy und der Lehrer, Marike versuchte einfach mal die Fresse zu halten) wieder auf zur Bushaltestelle, um den Bus nach Kuala Kangsar und dann den Zug nach Penang nehmen zu können. Der Bis stand zwar da, aber es kam kein Busfahrer, irgendwann fanden wir mühsam heraus, dass der krank sei. Aber ein paar Stunden später sollte der nächste gehen. Zum Glück gab es eine ganz gute kleine Kaffeebude an der Haltestelle, vor der wir verweilen konnten, und das Dorf hatte noch mal ausgiebig Zeit uns zu bewundern, auch der Verwalter vom Hostel kam noch mal mit dem Moped vorbeigefahren, nachdem der Buschfunk ihm berichtet hatte dass wir nicht abgereist waren.
Witziges Örtchen und tolle Erlebnisse, defnitiv eine Reise wert. Aber ein bisschen mehr Marketing und Werbung könnten sie vertragen!
