Sleep Deprivation II - Die Rückkehr der Mücken
Der Tag der Überquerung gestaltet sich schwieriger als gedacht


Veröffentlicht: 30.07.2026
27+28 Juni (Svolvær - Henningsvær)
Nach der Mückennacht schlafen wir in Narvik unglaublich lange. Als wir wieder zu uns kommen entscheidet der Wetterbericht für uns, dass wir nicht weiter nördlich nach Senja fahren werden, sondern auf der gleichen Höhe bleiben und es direkt auf die Lofoten geht. Der erste Stopp auf den Inseln ist Svolvær, die größte Stadt auf der östlichsten Insel 'Austvågøya'. Da die Inseln wie eine Kette aufgereiht liegen gibt es auch nur eine "Schnellstraße" (ganz große Anführungszeichen bei schnell). Wir wollen den angebrochenen Tag nicht mit der Platzsuche ausklingen lassen und als ich auf Maps eine Alternative zum Ice Hotel / Ice Bar sehe, weiß ich was wir heute tun werden.
Am Eingang werden uns wärmende Ponchos gegeben und dann werden wir in eine große gekühlte Halle geführt. Mit einer belebten Bar hat das nicht wirklich was zu tun, aber das hatten wir auch nicht erwartet. Es gibt viele Skulpturen und Bilder zu bewundern, aber das Highlight ist die große kurvige Eis Rutsche. Wie rutschen beide ganz enthemmt und zum Vergnügen des älteren Ehepaars das ebenfalls in der Halle ist. Die beiden sprechen natürlich auch Deutsch (ich Frage mich manchmal wie es sein kann, dass egal wo man hin verreist ein Großteil Deutsche Touris sind, aber Deutschland selbst ja auch nicht leer ist??) und bieten direkt an ein Foto von uns auf dem großen Eis Thron zu machen :)
In der Halle wird einem trotz Poncho schnell kalt, also beschließen wir unsere inkludierten Getränke zu bestellen. Obwohl es eine Bar ist, wird standartmäßig Anti-alkoholisches serviert, ganz unser Fall. Der Barkeeper zweifelt kurz an unserer Nationalität, als mir mein Getränk ohne Sprudel wünsche, und reicht uns dann zwei Stille, alkoholfreie, Süße Getränke in Gläsern aus Eis. Ich liebe es ein großes Kind mit meinem eigenen Geld zu sein.
Auf der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht wird uns das erste Mal bewusst, dass wir uns in einem absoluten Hotspot Gebiet befinden. Nach dem Luxus in Schweden, sind die Plätze hier hart umkämpft und um 17 Uhr schon größtenteils belegt. Wir quetschen uns noch auf einen kleinen Platz am Rande der Straße und sind froh in einem so kompakten Van zu reisen.
Am nächsten Morgen geht das böse Erwachen weiter. Ich suche eine klassische Lofoten Wanderung, die Djevelsporten bei Svolvær, raus. Der angegebene Parkplatz ist brechend voll, Recht teuer und Kamera-überwacht. Die Menschen in bunten Outdoor Jacken stauen sich als kleine Punkte soweit das Auge reicht den Berg entlang. Ich kriege latent die Krise und überlege ob wir einfach umdrehen sollen. Wir entscheiden uns die Wanderung einfach anzutreten, wenn wir schon hier sind probieren wir es einfach... Der Stau auf dem Weg nach oben lässt sich, neben der Bekanntheit, auch leicht mit den schier endlosen Sherpa Treppen erklären. Die Treppen werden auch Teufelstreppen genannt. Eigentlich weil, sie zu einer coolen Felsformation führen, die Teufelstor (Djevelsporten) heißt, aber mir fällt auch eine andere Erklärung ein. Wir schaffen es in einem akzeptablen Tempo hoch, und bemerken am Wegesrand viele kleine, hellblaue Flaggen mit der Aufschrift 'Hoka Skyrace' irgendwas klingelt da... Als uns weiter oben ein Jogger überholt, fällt es mir wieder ein. Die älteste Tochter meiner Au-Pair Familie hat letzten Sommer stolz ein Bild von einem Lauf gepostet, bei dem sie gut abgeschnitten hat. Die Strecke ist diese Strecke. Sie ist diesen Weg hoch gelaufen, nicht gegangen, gelaufen. Ich keuche schwer beeindruckt, während Henry das Wasser aus dem Rucksack holt. Leider lichtet es sich weiter oben nicht und wir haben kein Interesse oben auf dem Berg für ein Bild anzustehen. Stattdessen folgen wir dem Pfad weiter hoch zum Gipfel des 'Fløya', wo wir die erhoffte spektakuläre Aussicht und relative Einsamkeit finden. Eine nette Frau im gelben Shirt macht ein paar Fotos von uns und erzählt, dass sie jedes Jahr zwei Wochen Urlaub alleine macht und hier herkommt. Trotz des durchwachsenen Wetters liebe sie die Natur hier und möchte so viele Wanderungen wie möglich machen. Sie läuft auch noch ein Stück weiter auf den nächsten Gipfel, während wir den Berg wieder hinabsteigen. Die Pfade sind hier nur sporadisch gekennzeichnet und auch Komoot kommt an seine Grenzen. Wir schaffen es trotzdem wieder heil zurück zum Van und testen zur Belohnung noch die Zimt Schnecken in einem örtliches Café. Mein persönlicher Favorit bisher, durch das Erdbeer Rhabarber Topping.
Es graut uns etwas vor der erneuten Suche nach einem Platz für die Nacht, aber wir sind diesmal früher dran und bereit für eine längere Aktion. Auf dem Weg sehen wir eine wunderschöne Bucht mit Sandstrand und halten spontan an. Das Wasser ist wie zu erwarten kalt, aber für die Beine reicht es und die Aussicht über das Wasser und auf einen Berg ist einfach toll. Neben uns hat ein golden Retriever die Zeit seines Lebens und täuscht mehrfach an zu uns zu rüber zu laufen. Leider können wir ihn am Ende nur aus der Ferne beobachten, aber die gute Laune steckt an.
Durch unsere frühe Platz Suche kriegen wir einen guten Parkplatz vor den Toren von Henningsvær ab und planen das Dorf am nächsten Tag zu besuchen. Henry kocht uns nochmal einen muckelig warmen Eintopf und wir machen uns dazu unsere neuen liebsten Veggie Würste bin Quorn. Hoffentlich gibt es die Marke auch irgendwo in Deutschland, denn sie Kombi ist wirklich perfekt. Wir schlafen mit Blick auf das neblige Meer ein.