Du schönes schönes Ungarn
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Veröffentlicht: 17.11.2018
























































































































































































































































Wildes Rumänien: Am 1.11. fahren wir bei sagenhaften 26 Grad bei Arad nach Rumänien ein. Das erste mal seit Beginn unserer Reise, werfen die Grenzzöllner einen kurzen Blick in unsere Papiere. Kein Problem! Gerne! Wir holen erst mal eine Vignitte und rumänisches Geld: Der Leu (Mehrzahl Lei). Eine arme Frau kommt direkt und bettelt um Geld. Wir geben ihr unsere letzten ungarischen Forinth (ca. 4,50Euro). Sie strahlt übers ganze Gesicht und ihr Mann kommt auch gleich hinzu und lobt unseren Bus über den Klee. "Gute Auto... gute Motor... scheene Auto".... herzlich willkommen in Rumänien. Die Uhrzeit wird hier wieder eine Stunde vorgestellt. Haben wir sie doch erst letzte Woche in Ungarn zurückgestellt .... mir gefällts... ist es doch abends wieder länger hell. Schon im erste Städtchen, sieht man doch gleich die extreme Armut der Menschen hier. Meist sehen wir alte baufällig Häuser. Etwas ausserhalb dann gleich das erste Pferdegespann. Bauern holen Brennholz aus dem Wald... hier noch mit Pferd... ganz normal. Man fühlt sich, als hätte man einen Zeitsprung gemacht.... mindestens 100 Jahre zurück. Am sandigen Flußufer des Flusses Maros, beschließen wir zu übernachten. Es ist schon Abend und im dunkeln, soll man in Rumänien wegen der vielen Streuner und Schlaglöcher nicht Autofahren. Wir finden ein tolles Plätzchen abseits eines Dorfes und staunen gleich mal nicht schlecht. Müll Müll und nochmals Müll an diesem (eigentlich) traumhaften Flußufer. Jeder wirft hier alles weg... Müll wird abgeladen.... Normalität (hhmmppfff) ? Die ersten streunenden Hunde schleichen auch gleich um uns rum. Aber alle sind ängstlicht und scheu und stellen absolut keine Gefahr dar. Wir verriegeln unsere Türen doppelt... Rumänien hat keinen guten Ruf... man weiß ja nie! Und erlich gesagt, gut geschlafen, haben wir beide nicht in dieser ersten Nacht. Hier ist alles noch sooo fremd und nachts hört man auf jedes Geräusch. Am nächsten Morgen starten wir ins Landesinnere Richtung Lipova. Die Straßen sind holprig und mehr Flickenteppic als Straße. Gleich kommt uns wieder ein Pferdekarren entgegen. Normaler Alltag in Rumäinen. Wir kommen durch abgelegene ärmliche Dörfer. Vor der Kneipe stehen auch Pferdekutschen... (bei 0,0Promillegrenze nicht die schlechteste Art in die Kneipe zu gehen). Die Menschen am Straßenrand schauen uns staunend hinterher. Blümchenbusse kommen hier wahrscheinlich nicht ganz so oft durchgefahren. Eine alte Frau führt ihren Ziegenbock durchs Dorf, am Straßenrand grasen Kühe und Pferde. Hennen laufen frei herum... wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Diesel kostet hier 1,40Euro... das ist doch eine Menge, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittsrumäne zwischen 450-700 Euro verdient... und man muss sich nicht wundern, dass hier alle mit ihren Pferdekarren rumfahren. Wir kommen durch die Stadt Arad. Hässliche altegraue Betonbunker empfangen uns. Die Rumänen fahren wie die Gestörten... anders kann man es nicht ausdrücken. Da wird überholt und gehupt... der frechere schnellere gewinnt.... wir sind beide nach kurzer Zeit mit unseren Nerven am Ende und naßgeschwitzt... wir beschließen, den Rest der heutigen Etappe, auf der Autobahn zu verbringen... nix wie raus hier. Raus aus der Stadt, sehen wir viiiel landwirtschaftliche Nutzfläche, dazwischen Steppe, Steppe und nochmals Steppe... bis an den Horizont. Ab und zu streifen wir kleine Dörfer, wir sehen armliche Häuser und viele alte baufällige Gehöfte. Jedes Haus hat hier noch einen Garten, Hühner, Ziegen, Schafe und evtl. auch mal ne Kuh im Garten stehen. Und natürlich in jedem noch so kleinen Dorf mindestens zwei bis drei Kirchen. 80% der Menschen hier sind rumänisch-orthodoxen Glaubens, die restlichen 20% sind Katholiken und Protestanten. Deshalb auch mindestens zwei, wenn nicht drei Kirchen im Dorf. Wir fahren hoch ins Semenic Gebirge. In den Dörfern kommen die Menschen aus dem Staunen nicht mehr raus. Kinder laufen uns hinterher und winken. Überall am Straßenrand, sitzen, liegen und laufen Hunde herum. Ich bete, dass uns keiner ins Auto läuft. Wir wollen an den Surdencu Mic See. Unsere Handy App zeigt uns einen tollen Platz auf einer Wiese direkt am See. Dafür müssen wir aber 3km quer durch einen Wald fahren. In Rumänien kein Problem. Auf holprigem Feldweg starten wir in das Abenteuer. Wir können nur Schritttempo fahren, so unwegsam ist es. Die 3km ziehen sich endlos lang und kurz vor dem Ziel stehen wir vor einer supersteilen Abfahrt!! Hääää??? Nie im Leben fahren wir da runter!! Da kommen wir nie mehr rauf... also umdrehen... und den ganzen Holperweg wieder zurück (ggrrrr). Wir finden dann aber doch noch einen tollen Übernachtungsplatz in der weiten weiten Steppe mit tollem Ausblick. Am nächsten Morgen gehts in bergiger Landschaft weiter Richtung Deva. Schon nach 15 min im Auto sind wir wieder naßgeschwitzt wegen der Fahrweise der Rumänen. Die spinnen komplett... vor allem die LKW-Fahrer. In sehr kurvigen Geände wird überholt... LWK´s mit Anhänger.... es ist nicht zu fassen... also das hier übertrifft alle Länder, in denen wir bisher waren. Starke Nerven sind gefragt. Wir kommen durch die Stadt Deva. Auch hier viele hässliche graue heruntergekommene Häuser. Massenbunker.... und dann... ganz am Rande der Stadt... plötzlich ein Villenviertel. Ein Haus protziger als das andere... extreme Armut und extremer Reichtum... direkt nebeneinander... eine Mittelschicht gibt es nicht. Wir kommen am "LKW-Strich" vorbei. Ein großer Parkplatz voll mit LKW´s, dazwischen eine Hand voll aufgetakelter Frauen, die immer wieder mit einem Trucker im Auto verschwinden. Unser Weg führt an einem Fluß entlang, die Ufer, komplett zugemüllt. Wir halten an einer kleinen Siedlung an, in der alte traditionelle Häuser nachgebaut sind. Hier sollte wohl mal so eine Art Freilichtmuseum entstehen. Ob das noch fertig gebaut wird, ist sehr fragwürdig. Wir kommen nach Sebes. Hier beginnt Siebenbürgen. Um 1150 haben sich hier tausende deutsche Siedler niedergelassen. Sie wurden angeworben von den Rumänen, um die Ostgrenze des rumänischen Reichs mitzusichern. Ein Großteil kam von Mittelfranken und der Mosel. Ein Teil aber auch aus Bayern. In den menschenleeren Gegenden, haben sie Land bekommen um darauf anzusiedeln. Viele sind geblieben und darum gibt es hier in dieser Gegend immer noch deutsch sprechende Menschen und Orte mit deutschen Namen... wir z.B. Hermansstadt. Wir sind am Beginn der Karpaten. Dieses riesige Gebirge will überquert werden... liegt es doch zwischen uns und dem schwarzen Meer. Wir wollen die berühmte Transfagarasan Hochalpenstrasse fahren... nur leider, sind wir zu spät dran. Genau 4 Tage zu spät. Am 1.11. wird sie geschlossen (heul heul). Wir beschließen aber doch mal hinzufahren, denn immerhin haben wir hier täglich 25 Grad.. und wer weiß?... vielleicht haben wir Glück? Also weitergehts in Richtung Karpaten. Hinter Sibiu (Hermansstadt) wird es dann mal so richtig voralpenmässig ländlich. Pferdekarren mit Schweinen beladen, Pferde die Äcker pflügen, traurige Hunde überall, freilaufende Hühner, Pferde und Kühe. Mehr ländlich geht nicht!! Ich klebe an der Windschutzscheibe... es gibt so viel zu sehen.... ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Am Gura Ranhii, einem riesigen Stausee mitten in den Bergen übernachten wir. Abends steht plötzlich ein zimlich großer, humpelnder, dürrer, traurig-dreinblickender Hund an unserm Bus. Vorsichtig kommt er näher. Wir können nicht anders und geben ihm was zu fressen. Gierig schling es alles hinunter und legt sich dann vor unsern Bus. Traurig schaut er uns ununterbrochen an, als wollte er sagen: Bitte nehmt mich mit. Es bricht einem fast das Herz, die vielen dünnen Hunde hier zu sehen... aber wir können nicht alle retten (leider). Am nächsten Tag fahren wir weiter. Es ist Sonntag und die Männer und Frauen sind alle in Trachten schick herausgeputzt. Es geht zur Kirche. Auch oft wieder mit Pferdekarren. Wir kommen immer weiter in die Karparten hinein und durchfahren eine tolle Landschaft, passieren Dörfer, die einem ins Mittelalter zurückversetzten. Wir sehen oft Schäfer mit riesigen Schafsherden durch die Steppe ziehen. Das Karpatengebierge wirft in der Stonne eine tolle "Skyline"..... immer weiter fahren wir ins Gebirge rein. Und dann stehen wir davor. Die Transfaragen Hochalpenstraße!! Gesperrt!! (Mist Mist Mist). Wir unterhalten uns an der Tankstelle mit einem Polizisten. Er meint, man könne ein Stück hochfahren... es rentiert sich... und dann halt wieder zurück. Auf dem Pass hat es geschneit... drum ist oben geschlossen. Wir beschließen, wenigstens das Teilstück zu fahren. Kurvig gehts immer weiter den Berg hoch. Um uns herum immer noch Wald. Man sieht leider nicht viel. Und dann hinter der nächsten Kehre!! Oh nein!! Hier ist schon Schluß?? Wir sind noch nicht mal oberhalb der Baumgrenze angelangt. Aber zum Glück gibts hier eine Gondel. MIt der kann man bis ganz hoch aufs Hochplateau fahren und dort bisschen rumlaufen... ok... das ist doch ne Alternative!. Aber dann schlägt das Kopp´sche Phänomen wieder mal zu. Seit heute ist die Gondel wegen Reparaturarbeiten ausser Betrieb!! Das ist doch echt zum Haare raufen.... Aber hilft alles nix... wir beschließen es, gelassen zu nehmen. Schlendern noch bisschen mit Amy am Berg herum, Essen was, und machen uns wieder auf den Weg nach unten. Das wahr wohl nix!! In Carta finden wir endlich (seit langem) mal wieder einen Campingplatz der geöffnet hat. Bisher waren alle geschlossen, auch wenn im Reiseführer steht, ganzjährig geöffnet. In Rumänien nimmt man das nicht so genau. Unter niederländischer Leitung finden wir einen tollen Platz vor mit sauberen!! Duschen. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Erst mal ab unter die Dusche (war nötig). Die einzigen Gäste mit uns auf dem Platz, ist ein junges rumänisches Ehepaar mit drei Kindern und Wohnwagen. Sie haben hier Ferien gemacht und waren auch auf dem Berg, und haben sich auch über die kaputte Gondel geärgert. Wir kommen ins Plaudern. Die zwei sind sehr sympathisch und die Frau (Andrea) spricht fließend deutsch. Na das macht es doch entspannt. Sie laden uns gleich zu sich rüber ein. - Na aber gerne doch. Plaudernd sitzen wir in der Sonne und Soso (der Mann) zeichnet uns auf der Landkarte einige Sehenswürdigkeiten auf unserem Weg ans schwarze Meer ein. Super!! Zudem schenken sie uns eine große Portion ihrer selbstgesammelten Haselnüsse (lecker lecker). Danke ihr Zwei für das nette Gespräch und die Tipps. Der Chef des Platzes wäscht uns dann noch in seiner Privatwaschmaschine unsere Bettwäsche... Was will man mehr?? Wir besuchen hier im Dorf noch die alte Zisterzienserklosterruine... leider nur noch eine Ruine (bis auf die Kirche- in der finden immer noch Gottesdienste statt)... wurde sie doch von den vielen Angriffen der Türken im Laufe der rumänischen Geschichte arg in Mittleidenschaft gezogen. Doch ist auch nur die Ruine wunderschön anzusehen. Wir geniessen es. Morgen gehts weiter über die Karpaten in Richtung Donaudelta... wir sind gespannt., was uns noch alles erwartet in Rumänien. Frisch gewaschen und ordentlich Reiselust im Gepäck, starten wir am nächsten Tag weiter auf unserer Tour. In Fägäras gehe ich einkaufen. Hier gibts Kaufland, Lidl und Co. Zudem sehen wir im Industriegebiet viele deutsche bekannte Firmen wie die Gebrüder Weiß, DHL, Dachser usw.... ja ja in Rumänien lässt sich billig produzieren. Wir kommen vorbei an schönen Wohngebieten. Schmucke Häuser säumen den Weg. Es gibt sie also doch auch in Rumänien... die Mittelschicht. Aber auch hier viele Szinti und Roma auf den Straßen... sie schicken die Kinder zum betteln. Geld geben wir keins, aber wir haben Kinderspielzeug im Gepäck und geben das ab. Die Augen des Mädchens strahlen, die der Mutter weniger. Zudem habe ich einen großen Sack zusätzliches Hundefutter gekauft. Wir haben beschlossen, dass wenn wir einzelne Streuner sehen, dass wir ihnen wenigstens einen Tag ohne Hunger bescheren wollen. Im Reiseführer steht, man soll sie mit Steinen vertreiben!! Diese Hunde sind jedoch überhaupt nicht aggressiv. Eher ängstlich, zurückhaltend, freundlich und extremst hungrig. Und selbst wenn man ihnen was gibt, trollen sie sich weiter und verfolgen einem nicht wie im Reiseführer steht. Wir sind in Rasnov und wollen die Burg Rosenau besichtigen. Bus geparkt, Stärkung zu uns genommen, Bimmelbähnchen ignoriert... los gehts... den Berg ordentlich hinauf. Wir sehen hoch oben auf dem Berg eine tolle Burg in super Zustand. Jedoch an der Kasse werden wir (wiedermal) bitter enttäuscht. Hier wird ein Mittelalterfilm gedreht und für uns ist kein Zutritt!! Echt jetzt?? Was haben wir verbrochen??? Aber auch das tragen wir mit Fassung... schnell noch ein Bildchen vom Innenhof geknipst ... und weiter gehts... wieder den Berg hinab und ab in den Bus ein Nachtlager suchen. Fast ganz oben auf dem Berg werden wir in einem steppigen tollen Tal fündig. Wir parken unseren Bus, schnappen die Picknicktecke und sezten uns unter einen Baum in die Sonne. Was für ein Anblick hier oben in den Bergen. Das einzige Manko (schluck schluck) : Wir lesen im Internet, dass in den Karpaten - und zwar genau hier - eine Braunbärenplage herrscht (doppel-schluck). Es gab wohl dieses Jahr schon 145 Angriffe auf Menschen. Die Population ist zu groß und die Bären mit ihren riesigen Gebieten, haben keinen Platz mehr. Und wir sind jetzt hier genau in ihrem Revier. Wir haben die ganze Zeit die Ohren gespitzt in Richtung Wälder... man weiss ja nie. Zudem verlassen wir uns auch auf unsere Fellnase. Sie wird Bären wittern und anschlagen wenn es soweit ist (so unser Wunschdenken). Als die Sonne untergeht, trollen wir uns dann aber doch zügig in den Bus und verriegeln den ordentlich. Vorher noch kontrolliert, dass nichts draussen liegt, was seine Nase anziehen könnte. Na dann auf eine gute Nacht :) Einen Bären haben wir dann nicht gesehen in der Nacht und weiter gehts nach einem ausgiebigen Morgenspaziergang (bewaffnet grins). Auf unserem Weg kommen wir durch einen gut-betuchten Skiort hoch oben in den Karpaten. Hier machen die Reichen und Superreichen Urlaub. Ein schickes Hotel reiht sich ans nächste. Zudem sehen wir sogar noch ein Hotel auf Stelzen im See sehen. NIcht schlecht... aber nicht unsers. Wir frühstücken mitten im Ort und erstaunten Blicken reicher Rumänen und ziehen dann weiter. Dann ist es soweit. Ein weiteres Highlight steht vor der Türe. Wir sind in Bran. Hier steht das Schloß des berühmten Grafen Vlad Dracula Tepes!! Hier wurden die ganzen uns bekannten Dracula-Filme gedreht. Wir sind sehr gespannt was uns erwartet. Im Sommer sollen sich hier tausende Menschen durchs Schloß schieben... wir sind fast alleine ;) Der letzte Bewohner dieser Burg war König Ferdinand der I. und genau der, ist wohl für die jetzige Einrichtung verantwortlich. Und was soll ich sagen? Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Eine wunderschöne Burg mit vielen komplett eingerichteten Zimmern. Esszimmer, Küche, Bad, Schlafzimmer, Büro.... und natürlich eine Folterkammer mit üblen Folterwerkzeugen. És gab damal auch schon alles. Wunderschön eingerichtet und mit einem Kamin in jedem Zimmer konnte man es hier echt aushalten. Treppauf und treppab gehts durch verwinkelte Ecken. Es gibt Terrassen und Balkons und einen wunderschönen Innenhof mit Brunnen. Wir sind restlos begeistert. Die schönste Burg, die wir jeh besichtigt haben. Abends checken wir in Zarnesti in der "Alpin-Ranch" ein. Hier hat ein kleiner findiger Italiener einen tollen Womo-Campingplatz gezaubert. Mit sauberen Waschräumen einem riesigen Wohnbereich mit Fernsehen, offenem Kamin, Essecken und großer Küche. Zudem laufen zahme Ponys frei im Hof rum. Amy kann es gar nicht fassen, was da in unserem Vorgarten steht. Ist das Pony doch nicht wirklich viel größer wie sie. Wir findens nett und lernen noch eine junge französische Familie kennen, die ihre Kinder aus der Schule genommen hat und 8 Monate lang die fast gleiche Route wie wir fahren. Na das ist doch mal nett. (Auch in Frankreich kein Problem... nur Deutschland ist da doch sehr rückläufig, was die Beurlaubung von Kindern betrifft) Als wir am nächsten Morgen aufwachen staunen wir nicht schlecht. Dicker weißer Frost überzieht alles. Über Nacht ist es das erste mal richtig kalt geworden. Das Thermometer zeigt -2Grad. Aber schon um elf, frühstücken wir wieder draussen in der Sonne (die immer noch eine wahnsinns Kraft hat). Weiter gehts in Richtung Buzau. Über Sinuia überqueren wir dann auf gut befahrener Straße die Karpaten. Was für eine Fahrt (strahl strahl). Kurvie Straßen durch viele kleine Bergdörfer auf fast 2000m Höhe. Umgeben vom Bergmassiv der Karpaten sehen wir schöne rumänsiche Häuschen mit vielen Türmchen und Spitzen. Straßenhändler bieten Schnaps, Honig, Käse, Berge von Trauben und Äpfel und tolle Schafffelle an. Ein Stand reiht sich an den nächsten. Ich klebe förmlich an der Windschutzscheibe. Es gibt so viel zu sehen. Wir sind in Berca und wollen den Paclele Mini besuchen. Einen Schlammvulkan, wie es ihn nur hier und in Island gibt. Im Muddyland-Campingplatz checken wir ein. Umgeben von einer unbeschreiblichen Vulkanlandschaft, hat hier ein findiger Rumäne einen kleinen Campingplatz aufgebaut.... bzw. ist grad im Aufbau. Stolz führt er uns herum. Es werden Häuschen gebaut, die man mieten kann. Ein rundes Haus und ein Hügelhaus ala Herr der Ringe ist schon fertig. Mehrere sind in Arbeit. Wir sind die einzigen Gäste und findens wieder mal toll. Dann gehts einen Trampelpfad hoch zum Vulkan. Wir kriegen große Augen, überall blubbert es im Boden. Schlamm drückt aus der Erde und türmt sich zu kleinen Vulkanen auf. Schlamm läuft in Rinnsalen die Berge hinunter. Eine richtige sandige Mondlandschaft umgeben von den rumänischen Bergen. Das Steppengras in den Bergen leuchtet mit dem blauen Himmel um die Wette. Schafhirten treiben große Schaf- und Ziegenherden über die Berge. Wir sind restlos hin und weg. Spätestens jetzt, hat uns Rumänien.... voll und ganz.... in seinen Bann gezogen. Am nächsten Tag kocht bzw. grillt der Chef persönlich rumänische Spezialitäten. Wir sind gespannt was uns erwartet. Nach einem leckeren Mahl mit Lamm, Würstchen, Pommes und Krautsalat starten wir am nächsten Tag weiter nach Braila. Mit einer abenteuerlichen Fähre geht es über die Donau. Ein rostiger kleiner Kahn, auf dem 12 Autos und unser Bus kreuz und quer geladen sind (kein Zentimeter wird freigelassen), tuckert mit lautem Gequitsche und Geschwanke auf die andere Flußseite. Schiffaren auf rumänische Art... muß man auch mal erlebt haben. Auf der anderen Seite gehts es über rostige Bleche (halten die echt?) wieder auf festen Boden . Geschafft! Wir finden dann recht zügig einen schönen Übernachtungsplatz an der Donau. Um uns herum: viele einheimische Angler. Alle winken freundlich und zeigen Daumen hoch auf unseren Bus. Neben uns plötzlich ein herzzerreißendes Miauen im Dornengebüsch. Eine abgemagerte Babykatze sitzt da uns weint bitterlich. Da unser Hundefutter zu groß ist, gehe ich mit Butterkeksen rüber und versuche sie anzulocken. Sie hat viel Angst, aber der Hunger ist größer. Vom Ufer hinter mir, ruft mir ein Angler was zu. Ich verstehe nix... zucke nur mit den Schultern. Er winkt mich rüber, greift in seinen Eimer und drückt mir drei kleine Fische in die Hand - für die Katze!! Ist daß nicht nett. Ich bedanke mich freundlich: Multumesc - vielen Dank, und bringe sie der Katze. Die stürzt sich gleich gierig drauf. Auch viele Rumänen haben ein Herz für Tiere... die Armut ist einfach nur zu groß... und die Tiere viel zu viel. Abends gehen wir mit einem fast-kitschigen Sonnenuntergang früh ins Bett. Am nächsten Tag starten wir unsere letzte Etappe in Richtung Donau Delta. Von Braila bis nach Murighinol. En erneuter wunderbarer Streckenabschnitt durch vulkanartiges Gebirge. Alles ist mit gelbem Steppengras überzogen. Wunderschön anzusehen. Wir machen eine Pause an einem Berg und klettern ihn hoch. Was für ein Ausblick. Einfach grandios... Rumäniens Landschaft. Wir kommen durch ein Dorf wo grad eine Beerdigung stattfindet. Hier zieht das ganze Dorf in einer Prozession mit vielen Wimpel und Fahnen durch den Ort. Vorneweg auf einem Karren der Leichnam. Offen!! Wow. Beerdigung der anderen Art. In Murighinol, dem am Donaudelta nahegelegensten Dorf, checken wir im einzig offenen Campingplatz ein. Campin Alex. Ein junger freundlicher Rumäne, der grad sein Haus kunterbunt anmalen lässt, ist uns gleich sympathisch. Bei ihm buchen wir auch für den nächsten Tag einen Trip mit dem Boot ins Donaudelta. Eigentlich ist hier schon alles Winterfest... aber wir werden morgen rausfahren. Abends machen wir noch einen Spaziergang mit Amy durchs Dorf. Wir suchen einen Bankomaten. Das ist jedesmal echt aufregend in Rumänien und ein ziemlicher Spießrutenlauf. Überall Hunde. Einer fängt an zu bellen und löst eine Kettenreaktion durch die ganzen Straßen aus. An jedem Haus sind mindestens 3 Hunde. Manche an viel zu kurzen Ketten, manche freilaufend im Hof... manche freilaufend auf der Straße. Auch die Dorfbewohner kucken uns an, als wären wir vom Mars. Touristen um diese Jahreszeit. Und die gehen mit ihrem Hund spazieren. Die denken bestimmt, wir sind nicht ganz sauber. Gassi gehen tut in Rumänien keiner. Die Hunde gehen hier alleine Gassi. Wir finden dann auch einen Geldautomat und stellen uns in die Schlange. Menschen kommen mit Pferdekarren zum Geldabheben... in Rumänien ist einfach alles anders. Am nächsten Morgen gehts los ins Donaudelta. Das Donaudelta grenzt ans schwarze Meer und ist ein in Europa einzigartiges 588qmk großes Biospährenrevier mit unzähligen Flußläufen, Wasserwegen und Seeen. 80% sind auf der rumänischen Seite und 20% gehören zur Ukraine (die ist nicht weit von hier entfernt). Hier gibt es insgesamt 5200 verschieden Tier- und Pflanzenarten. Eisvögel, Seeadler, Komorane, Pelikane und und und teilen sich das Delta mit Bären, Wölfen, Wildschweinen, Schlangen und Skorpionen. Es gibt einige kleine Dörfer im Delta die nur mit Boot oder Helikopter zu erreichen sind. Hier leben die sog. Lipowaner. Eine hellhäutigere, blond- und blauäugige Variante der Rumänen und eine Minderheit (warum? natürlich wegen dem Glauben... warum auch sonst). Die Lipwaner hängen dem russisch-orthodoxen Glauben an und der Rest der Rumänen wohl dem griechisch-slawisch-orthodoxen Glauben... ist denn das zu glauben... da verliert man doch den Glauben??? Viele Lipowaner wurden früher auf dem Scheiterhaufen verbrannt und haben sich in diese abgelegenen Gebiete zurückgezogen. Wir sind gespannt, was uns erwartet. Zwiebelschalenprinzip ist angesagt. Wir haben 5°!! Wir fahren los und schippern erst mal gemütlich in die verschiedenen Wasserstraßen hinein. Irgendwann kommen dann ein paar Häuser am Wasser. Einige sind Ferienhäuser... der Rest der - eher Hütten wie Häuser - wird von einheimischen Fischern bewohnt. Irgendwann öffnet sich die Wasserstraße und wir kommen auf einen großen See. Wir sehen Adler (mein gott sind die groß), Komorane, Enten, Schwäne und sogar noch einige letzte Pelikane (die haben wohl den Abflug nach Afrika verpasst). Immer wieder geht es durch enge Wasserstraßen hindurch, rein in den nächsten See. Was für eine wunderschöne Landschaft. Die meisten Vögel sind zwar schon weg... aber es gibt immer noch genug zu sehen. Nach zwei Stunden geht es Richtung Heimat. Alex gibt mal so richtig Gas... auch er ist total durchgefroren... wir sausen übers Wasser... was für ein schöner Spaß zum Abschluß. Mit steifen Fingern, aber zufrieden kommen wir heim und heizen erst mal ordentlich den Bus ein und machen uns einen Tee mit Rum. Das hat sich gelohnt. Am nächsten Morgen, nochmal schnell die fünf Katzen gefüttert die uns belagern, geht es weiter in Richtung schwarzes Meer. wir kommen durch viele kleine Dörfer. Das inzwischen gewohnt Bild: alte baufällige Häuser, Hühner, Pferde, Hunde Katzen, Kühe usw. im Dorf. Hier in Deltanähe gibt es viele Windkrafträder die irgendwie fehl am Platze wirken. Es ist Kohlernte. Felder, soweit das Auge reicht, voll mit Kohl. LKW´s und Pferdekarren werden vollgeladen mit Kohl. Dann gehts irgendwo ins Dorf oder in die Stadt, Klappe auf - der Kohlverkauf ist eröffnet... wenns sein muss auch mal mitten auf der Kreuzung. Wir sehen endlos viele Büsche mit Sanddorn und Schlehen. Alle üppig behangen und erntereif. Ich muss an meine Praxis denken.... die wären begeistert wenn sie dass sehen würden. Wir machen Pause in Enisala. Eine Burgruine hoch oben auf dem Berg. Die Ruine ist nicht sehr spektakulär, dafür aber der Ausblick ins Delta und ins schwarze Meer. Auch hier kommen gleich fünf Streuner hungrig angelaufen.- Kein Problem... wir haben Futter und geben es auch gerne her. Dann kommen wir an in Cobe. Unser heutiges Ziel direkt am Meer. Rund 3 km auch löchriger Holperpiste und wir finden einen tollen Platz auf einem Felsen. Unter uns das Meeresrauschen. Hier sind wir ganz alleine (bis auf ein paar Streuner natürlich). Vor uns endlos langer Sandstrand, Muschlen und Meeresbrandung. Hinter uns Müllberge, verfallene Häuser und ein Restaurant das hier im Nirgendwo gerade gebaut wird. Wir ignorieren den Müll (das muss man hier echt lernen) und freuen uns am Anblick des Meeres. Leider ist es inzwischen eisig kalt geworden und für morgen ist sogar Schnee gebracht. Wir machen trotzdem einen Strandspaziergang, sammeln ein paar der größten Schneckenmuscheln die wir jeh gesehen haben und freuen uns, am Meer zu sein. Abends kriegen wir Besuch von einer süssen jungen großen Hündin. Sie ist klapperdürr und hat große Zitzen. Wir geben ihr eine Riesenportion zu fressen und was zu saufen. Na die hatte mal wirklich Hunger. Überfreundlich wedelt sie mit dem Schwanz. Rumäniens Hunde sind sehr dankbar und lieb. Satt rollt sie sich vorm Bus ein und schläft ein. Bei eisigem Wind und Regen. Es macht uns unendlich traurig, soviele halbverhungerte Hunde und Katzen zu sehen.... der Winter steht vor der Türe... viele werden ihn nicht überleben. Wir beschließen am nächsten Tag weiter zu fahren. Das Wetter ist nicht wirklich für lange Strandspaziergänge gedacht. Eigentlich wollten wir einige Tage hierbleiben... aber was solls... wir sind flexibel. Unser Ziel: Konstanza. Wir müssen einkaufen und tanken. Der Weg dorthin führt uns über katastrophale Schlaglochstraßen entlang an riesigen Chemiefabriken und Gasförderungsanlagen. Das graue Wetter passt zu diesem hässlichen Anblick. Wir sehen leerstehende verfallene Häuser, große Bauten ala Kommunismus... alles verfallen. Dazwischen Hunde und Katzen!! Natürlich!! Wir durchqueren Navodari. Eine hässliche Stadt, die nur aus Hochhäusern zu bestehen scheint. Schnell durch und weiter. Auch Konstanza erweist sich als sehr grau und drist. Viele "unschöne" Gebäude. Auch der Verkehr eine einzige Katastrophe. Verkehrsführung?? Wir haben sie oft nicht kapiert. Schnell einkaufen und raus hier. Wir verbringen eine letzte Nacht an der Donau und werden morgen nach Bulgarien rein fahren. Wir wissen noch nicht, ob wir uns da lange aufhalten. Wahrscheinlich fahren wir zügig weiter nach Griechenland... dem Sommer hinterher. Fazit Rumänien: Unser Start in Rumänien war etwas zäh und aufregend. Wir waren unsicher bzgl. der Sicherheit. Alles ist neu und man hat das Gefühl auf einem anderen Planeten gelandet zu sein. Die große große Armut, die vielen hungrigen Hunde und Katzen... man muß sich erst daran gewöhnen. Wir haben nachts den Bus doppelt verriegelt. Doch nach einigen Tagen sind wir "angekommen"... und zwar so richtig. Die Landschaft wurde immer spektakulärer. Das tolle tolle Karpartengebirge (Schade das die Transalpina-Hochalpenstraße geschlossen hatte), das vulkanartige Gebirge danach, das Donaudelta und schwarze Meer. Rumänien ist schön. Uns hat es einige Male fast die Sprache verschlagen. Auch die Rumänen selber sind nette freundliche Menschen. Wir hatten nicht eine "brenzlige" Situation. Der Verkehr hingegen und die meist hässlichen Städte, haben uns starke Nerven abverlangt. Wir sind einige male ins Schwitzen gekommen wegen den völlig verrückten LKW-Fahrern. Die vielen armen Hunde und Katzen werden wir wohl lange nicht vergessen. Wenigstens ein paar von ihnen konnten wir eine nicht-hungrige Nacht bescheren. Rumänien hat noch einen langen Weg vor sich, um irgendwann einmal auch nur annähernd "westlichen" Standart zu erreichen. Die EU schiebt viele Gelder nach Rumänien, aber vieles versinkt im Korruptionssumpf und kommt nicht da an wo es sollte. Nichts desto trotz, können wir uns gut vorstellen, noch einmal hier her zu kommen. Im Frühjahr wenn alles blüht z.B. Rumänien wird uns wohl für immer als großes Abenteuer in Erinnerung bleiben.... Rumänien vergißt man so schnell nicht!!halt