Wochenendtrip nach Killarney: Nationalpark und Ring of Kerry 🏞️
Letztes Wochenende ging es für mich mit Deborah, Paula und Luisa (drei anderen Au Pairs) für einen Kurztrip an die Westküste Irlands. Die Tour wurde von der Agentur der anderen...

Veröffentlicht: 16.05.2019
Wenn man 8 Monate in einem anderen Land lebt und es als sein neues, wenn auch nur temporäres, zu Hause annimmt, bekommt man unweigerlich einen tieferen Einblick in die Lebensweisen und Ansichten der Einheimischen und das generelle "System".
Als ich vor 6 Monaten den ersten Blogeintrag zum Thema "Typisch irisch" geschrieben habe, habe ich mehr über die Themen geschrieben, die ganz offensichtlich sind - wie z.B. das Wetter oder die Ignoranz gegenüber Ampeln. Zum Thema Ampeln hier noch einen kleinen Einschub: Es scheint tatsächlich keine Konsequenzen nach sich zu ziehen, einfach über eine rote Ampel zu laufen. Das ist mir spätestens in dem Moment klargeworden, als ich in Dublin beobachten konnte, wie eine Gruppe Touristen vorbildlich auf das grüne Leuchten der Ampel gewartet haben, während eine andere Gruppe - von Polizisten - einfach die Straße überquert haben. Auch bei einem Festival gab es eine ähnliche Situation. Das färbt schnell ab.. diese Angewohnheit muss ich mir in Deutschland dann wieder so schnell wie möglich abgewöhnen... Nun aber zu den interessanteren Themen und Klischees:
Pubs & Livemusik
Dinge, die sehr gern mit Irland in Verbindung gebracht werden, sind Kneipen, Countrymusik und überschwänglicher Genuss von Alkohol - vor allem Guinness und Whiskey. In meinem letzten Bericht über das Wochenende in Killarney bin ich ja schon auf die zwei Arten von Pubs, die mir hier aufgefallen sind, eingegangen. Darüber hinaus muss man aber meiner Meinung nach auch noch zwischen lokalen Dorfpubs und Touristenpubs unterscheiden. In den wirklich irischen Pubs ist es so, dass sich die Leute abends, bzw. vor allem Freitag bis Sonntag auf ein Pint treffen und einfach die Gesellschaft zusammen genießen. Der Pub in Shankill ist aber auch unter der Woche immer sher gfüllt. Es geht dabei nicht darum, sich in irgendeiner Hinsicht volllaufen zu lassen, sonders Pubs sind mehr wie ein nach draußen verlagertes Wohnzimmer zum Zusammenkommen und um soziale Kontakte zu pflegen. Das bevorzugte Getränk ist definitiv Guinness (nicht so mein Fall), Cider ist auch sehr beliebt. Ich finde es auch immer wieder interessant, zu beobachten wie unterschiedlich die Leute sich für den Pubbesuch zurechtmachen. Einige erscheinen dort, als wären sie direkt von der Couch aufgestanden, kämen direkt von der Arbeit und wieder andere - vor allem Frauen sind so angezogen, als wären sie auf dem Weg zu einem Champagner-Empfang. Und ich übertreibe dabei nicht, sondern rede wirklich von Highhiels und Cocktailkleidern. Ähnliche Ausschweifungen sind auch oft zu sehen, was das Make Up betrifft, aber darauf werde ich später noch genauer eingehen. Was ich eigentlich sagen will ist, dass es wirklich, absolut, vollkommen egal ist, wie sehr zurecht gemacht (oder auch nicht) jemand in den Pub geht. Es haben alle einfach einen tollen Abend gemeinsam und man starrt sich gegenseitig nicht komisch oder abwertend an. Der übermäßige Alkoholgenuss ist dann auch eher in den Großstädten bzw. Touristenballungspunkten zu finden. Vor allem in Dublin im Temple Bar Bezirk sind fast alle Leute in den Pubs Touristen, die ihr Wochenende in Irland verbringen oder Junggesellenabschiede feiern als gäbe es kein Morgen mehr. Die Musik in diesen Bars macht auf jeden Fall super Stimmung, irgendwann hat man sie dann aber auch ausreichend gehört, da es meistens die gleichen Lieder sind, die sich überall wiederholen. Für uns ist es mittlerweile so, dass wir uns das ab und zu gern mal anhören, dann aber wieder Pause davon brauchen.
Livemusik generell spielt eine wichtige Rolle in Irland und man findet sie überall - in den Straßen, in den Pubs (oft läuft auch gleichzeitig ein Fußballspiel), auf Märkten, ... Letzte Woche war ich bei einem Volunteertreffen im Demenzheim und auch dort hat ein älterer Herr einfach seine Gitarre mitgebracht und angefangen zu spielen und dazu zu singen :). Auch ist es so, dass die Iren verglichen zu unserer deutschen Kultur viel eher ausgehen, dafür müssen die meisten Pubs aber eigentlich schon um 12 schließen, die Betonung liegt hierbei auf 'eigentlich'. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig, aber andererseits eigentlich besser, da man so viel mehr vom nächsten Tag hat. In der Öffentlichkeit ist es außerdem verboten Alkohol zu trinken und in den Pub wird mehr oder weniger streng darauf geachtet, dass man seine ID zeigt - die Altersbeschränkung ist generell 18, manchmal auch 21.
Das Gesundheitssystem
Wenn es einen Grund für mich gibt, nicht in Irland zu bleiben, dann ist es definitiv das Gesundheitssystem. Ich versuche meine Erfahrungen damit so kurz wie möglich zusammenzufassen: Vor ein paar Monaten musste ich wegen einer Sache zum Arzt gehen und habe gehofft, relativ schnell und unkompliziert einen Termin beim Facharzt zu bekommen. Ich dachte, dass es keine große Schwierigkeit sein sollte, da ich meine europäische Versicherungskarte nutzen kann und auch zusätzlich versichert bin. Das hat sich dann schnell als Illusion herausgestellt.. Meine Gastmutter hat mir schon gesagt, dass es schwierig wird, einen Termin bei einem Allgemeinarzt zu bekommen. Und da ich eiegtnlich zu einem Facharzt hätte gehen müssen, hat sie mir empfohlen, mich im Krankenhaus vorzustellen, da eine Behandlung dort kostenlos ist. So bin ich also zum ersten Krankenhaus gelaufen. Es ist nicht so, dass man die Möglichkeit hat, direkt mit einem Arzt zu sprechen, nein, man stellt sich einer Krankenschwester vor, die dann über das weitere Vorgehen entscheidet (und ob man überhaupt zum Arzt kann). Die Krankenschwester dort hat mich dann gefragt, was ich denn mit meinem Anliegen dort wolle und mir gesagt, dass ich doch bitte zu meinem local GP (Allgemeinarzt) gehen solle. Als ich ihr dann gesagt habe, dass ich keinen Allgemeinarzt in Irland habe, hat sie mich zum nächsten Krankenhaus weitergeschickt. Dort angekommen, habe ich wieder darum gebeten, mit einem Arzt zu sprechen, aber ohne Termin keine Chance. Ich wurde zur Notaufnahme geschickt. Dort habe ich dann wieder mit einer Krankenschwester geredet und ihr gesagt, dass ich mit meinem Problem zu einem Facharzt müsse. Mir wurde dann gesagt, dass ich den Arzt bald sprechen kann. Meine Gastmutter hatte mich schon vorgewarnt, dass ich mir viel zu essen mitnehmen soll, da ich wahrscheinlich den ganzen Tag dort verbringen werde. Ich habe anschließend 5 Stunden gewartet um dann 5 Minuten mit einem sehr gestressten, sehr unfreundlichen Arzt sprechen zu dürfen - mit dem Ergebnis, dass er mir nicht helfen kann (ich müsste ja zu einem Facharzt) und er nicht weiß, was er mit mir anstellen soll. Also hat er im nächsten Krankenhaus angerufen im zuständigen Fachereich - ein Termin wäre in 6 Monaten frei. Ich war danach schon ziemlich frustriert und auch ein bisschen verzweifelt, da ich einfach nicht das Gefühl hatte, dass mir hier irgendjemand helfen würde. Danach habe ich in Shankill versucht einen Termin zu bekommen und wurde von einer Gemeinschaftspraxis mit 6 (!!!) Ärzten direkt weggeschickt, da sie wohl kaum Zeit hätten, sich um ihre eigenen Patienten zu kümmern. Bei der nächsten Praxis lief es ähnlich, jedoch wurde mir von der Frau bei der Anmeldung gesagt, dass sie mich auf die Warteliste schreibt und ihr bestes tut, damit ich am nächsten Tag wiederkommen kann. Ich wurde seitdem nie wieder zurückgerufen. Und meine Gastmutter hat mir dann später auch gesagt, dass das hier öfter so gehandhabt wird und die Freundlichkeit teilweise leider einfach fake ist. Zu diesem Zeitpunkt war ich dann schon relativ verzweifelt und hab mich auch einfach sehr allein und hilflos gefühlt. Das ist vielleicht nicht so ganz nachvollziehbar für den einen oder anderen und ich glaube in Deutschland wäre es mir auch nicht so gegangen. Jedoch ist es etwas vollkommen anderes, in einem anderen Land zu sein, sein Problem in einer anderen Sprache zu erklären und kein Gefühl für das dortige Gesundheitssystem zu haben. Es geht jedoch noch weiter... unzwar habe ich in mehreren Praxen in der Umgebung angerufen, überall mit dem gleichen Ergebnis einer Ablehnung. Schließlich habe ich es bei der HSE (Ireland's Health Services) angerufen, die mir dann den äußerst hilfreichen Tipp nach Schilderung meines Problems gegeben haben, dass ich doch einfach weiter in Praxen anrufen soll. Nach vielen weitern Anrufen war ich dann endlich auch erfolgreich, aber diesen Stress hätte ich mir gern erspart.
Von meiner Gastmutter habe ich auch erfahren, dass teilweise sogar Krebspatienten, die nicht privat versichert sind, bis zu 8 Monate auf einen Termin warten müssen und dass ihre Mutter, als sie sich etwas im Rücken gebrochen hatte, bei der Notaufnahme nicht bevorzugt behandelt wurde, sondern stundenlang warten musste. Von einem anderen Au Pair weiß ich, dass als ihr Gastvater mal beim Arzt war, es tatsächlich vorgekommen ist, dass der Arzt angefangen hat, dessen Krankheitssymptome zu googeln. Bei einem Trip habe ich einen deutschen Mann, der hier mit seiner Familie in Irland lebt, kennengelernt und erfahren, dass sein Sohn (4 Jahre!) Probleme mit seinen Ohren hatte - ich weiß nicht mehr genau, was es war, jedenfalls hätte es sein Gehör langfristig geschädigt, wenn nicht etwas dagegen unternommen worden wäre - sogar nach Deutschland geflogen ist, um ihn da behandeln zu lassen (hier hätte es wieder Monate gedauert)
Auch wenn, die Iren einen Beitrag zur Krankenversicherung zahlen müssen, wird bei jedem Arztbesuch Geld verlangt. Für meine 5-Minuten-Unterhaltung hätte ich 120€ bezahlt, hätte ich nicht meine Verischerungskarte gehabt. Ich will das irische gesundheitssystem nicht komplett schlechtreden, aber das sind einfach die Erfahrungen, die ich damit gemacht habe. Ich bin mit den Ansichten nicht allein und weiß auch von anderen Freundinnen, dass einige Ärzte keinen sehr kompetenten Eindruck auf sie gemacht haben. All das hat mich definitiv dazu bewegt, das deutsche Gesundheitssystem mehr zu schätzen.
Das Aussehen der Iren - rote Haare?
Ich bin mit der Erwartung hergekommen, dass 50 % der Bevölkerung rote Haare hat - das ist nicht der Fall. Es entsprcith definitv ein größerer Teil der Menschen diesem Klischee, aber ich würde sagen, dass es auf nicht mal 10 % zutrifft. Eigentlich ist das typische Aussehen der Iren nämlich eine blasse Hautfarbe, blaue Augen und dunkelbraune bis schwarze Haare. Gegen die blasse Hautfarbe wird vor allem von Seiten der Frauen gern etwas unternommen. Es gilt offensichtlich als Schönheitsideal, das Make Up in mindestens einem Ton dunkler zu tragen (sodass es auch auffällt) und ca. seit Ostern sieht man überall missglückte versuche, Selbstbräuner unauffällig aufzutragen. Ich wurde letztens jedoch einer besseren belehrt und habe von einer Freundin erfahren, dass ihre Gastmutter ihr erzählt hat, dass es wohl gewollt sei, dass man den Selbstbräuner sieht. Die irischen Jungs und Männer haben alle einen sehr ähnlichen Haarschnitt und sind von der Statur vergleichsweise eher klein.
Einfluss der Geschichte
Dass Irlands Geschichte von Hungersnot und Enttäuschung gegenüber den Engländern gezeichnet ist, ist heute noch deutlich zu spüren und wird auch öfter mal beim Abendessen mit meiner Gastfamilie erwähnt.
Steinkreise, keltische Kreuze und Klosterruinen bezeugen den Einfluss der Kelten, welche ab ca. 300 v.Chr. eingewandert sind. Deren Volksstämme bildeten Königreiche, die sich letztendlich 5 große Provinzen vereint haben (auch heute noch vorhanden). Ab dem 5. Jahrhundert wurde Irland christianisiert, vor allem unter dem Einfluss des Heiligen Patrick's, den ich auch schon öfter erwähnt habe. Und nach einer folgenden Hochzeit im frühen Mittelalter wurde Irland von den Wikingern ausgebeutet und schließlich, nachdem diese wieder vertrieben wurden, begann eine jahrhundertelange Herrschaft der Anglonormanen (welche zuvor England erobert hatten), über Irland.
Ab 1541 gehörte Irland als Königreich offiziell zu England, dessen Mehrheit dem protestantischen Glauben angehörte, während der überweigende Teil der irischen Bevölkerung sich der katholischen Kirche zugehörig fühlte. Um mögliche Aufstände zu verhindern, wurden anglikanische Engländer, vor allem im Nordosten Irlands, angesiedelt - was jedoch erst recht zu Spannungen führte und viele Konflikte verursachte. Um die Iren zu unterdrücken, wurde deren Handel eingeschränkt und ein Großteil des Grundbesitzes an protestantischen Engländern übertragen. Die schlimmste Phase, die Irland wohl jemals durchmachen musste, war ab dem Jahr 1846 bis 1849. Mehrere Jahre in Folge war die Kartoffelernte aufgrund der Kartoffelfäule unbrauchbar, was dazu führte, dass 2 Millionen Menschen verhungerten und weitere 1,5 Millionen auswanderten - vor allem nach Amerika. Was den Engländern unterschwellig auch heute noch vorgeworfen wird, ist dass deren Parlament nichts unternommen hat, um den Iren zu helfen. Das bestärkte deren Willen, unabhängig zu werden nur noch umso mehr.
Gefolgt von dem Osteraufstand 1916 in Dublin, welcher niedergeschlagen wurde, begann 1919 der Irische Unabhängigkeitskrieg (angeführt von der IRA). 1921 erreichten 26 der insgesamt 32 Grafschaften die Unabhängigkeit. Der vierbliebenen 6 Grafschaften bilden das heutige Nordirland, welches noch immer zu England gehört.
Der Nordirlandkonflikt von 1969 bis 1998 verursachte erneut gewaltsame Auseinandersetzungen, da sich der katholische Anteil der nordirischen Bevölkerung Irland anschließen wollte, während englische Protestanten (deren Vorgänger angesiedelt wurden) weiterhin zu Großbritannien gehören wollten.
Bis 1990 war Irland wirtschaftlich sehr schwach und erholt sich inzwischen auch von der internationalen Finanzkrise aus dem Jahr 2007, vor allem Dank der Ansiedlung ausländischer Unternehmen.
------
Durch diese kurze Zusammenfassung der Geschichte, wird es gleich auch verständlicher, inwieweit ich hier noch die Auswirkungen und Folgen der Vergangenheit spüren kann.:
Wie schon erwähnt, herrscht teilweise immer noch eine unterschwellige Abneigung gegenüber den Engländern oder es werden gern mal Witze gemacht, z.B. in einem unserer Lieblingspubs - wenn auch auf lustige Art und Weise. Während meiner Tour nach Belfast, hat unser Tourguide bezugnehmend auf den Bau der Titanik gesagt: Es hat 10000 irischen Männer gebraucht, um sie zu bauen, aber nur einen Engländer, um sie zu versenken.
Ebenfalls folglich der Unterwerfung durch die Engländer, ist die Amtssprache hier Englisch. Dennoch ist die eigene Sprache der Iren Irisch oder auch Gälisch. Diese Sprache wird kaum genutzt und nur wenige Menschen (vor allem auf dem Land und im Westen Irlands) sprechen sie noch aktiv. Nichtsdestotrotz, werden alle Schilder übersetzt und alle Kinder müssen die Sprache in der Schule lernen. Viele Kinder besuchen nach Beendigung der 8. Klasse für 3 Wochen in ihren Sommerferien ein Internat an der Westküste Irlands, in dem sie für diesen Zeitraum nur irisch sprechen dürfen und in irisch unterrichtet werden. (Meine Gastkinder nehmen an diesem Programm auch teil).
Ein Großteil der irischen Bevölkerung ist immer noch katholisch, wenn auch nicht mehr ganz so streng (bis auf die ältere Generation). Meine Gastkinder besuchen katholische Schulen, Kinder müssen jedoch nachweislich getauft sein, um an ihren Schulen einen Platz zu bekommmen. Mein jüngstes Gastkind ist in einer katholischen Schule, in der gleichen Straße gibt es aber noch eine weitere Schule für anders gläubige bzw. nicht gläubige Kinder. Als meine Gastmutter früher in Dublin studiert hat, wurden nachweislich katholische Studenten bevorzugt angnommen und auch das Krankenhaus, in dem meine Gastkinder geboren wurden, stand (ich weiß nicht, wie es jetzt ist) unter der katholischen Kirche. Abtreibungen waren folglich auch lange Zeit verboten und werden auch heute noch eher verpönt.
In den letzten Jahren haben sich viele ausländische konzerne in irland (vor allem Bereich Dublin) angesiedelt und meine Gastmutter arbeitet in einer Firma, welche ihren Hauptsitz in den Staaten hat. Dadurch bekomme ich auch immer wieder mit, dass die Konditionen für Mitarbeiter in Irland nicht die besten sind. Letztens hat sie dazu gesagt: "Wir müssen es akzeptieren, um nicht wieder zurück zu geschmacklosem, eintönigem Essen und kratzigen Pullovern zu müssen." Man merkt auch immer wieder, wie stolz Irland auf eigene Produktion und Herstellung ist.
Irish Travellers - 'the walking people'
Irische Traveller oder in deutsch auch Tinker bezeichnet, sind eine ethnische Minderheit in Irland, welche keinen festen Wohnsitz haben, meistens in Wohnwagen leben und einer Reihe eigener Traditionen folgen - ähnlich Gypsies. Von den Iren werden sie eher etwas von oben herab betrachtet und als seltsames Volk angesehen. Ich habe mich letztens mit meiner Gastfamilie darüber unterhalten und so mitbekommen, dass auch eine ganze Reihe von ihnen in Shankill lebt. Ihre Kleidung wird hier als das beschrieben, was wir in Deutschland als "assi" bezeichnen würden und auch deren generelles Verhalten entspricht nicht ganz den gesellschaftlichen Normen. Meine Gastschwester hat mir von einem Vorfall erzählt, als sie bei einem Kaffee-Take-away anstehen musste und sich einer der Traveller direkt nach vorn in die Schlange gedrängelt hat, auf die Theke gehauen hat und angedroht hat, zu randalieren, wenn er nicht sofort seinen Kaffee bekäme. Meine Gastmutter hat eine andere Situation erlebt, als sie vor einigen Jahren in einer Drogerie in Shankill war und eine Gruppe von Travellern in den Laden kam, sich die Taschen mit Utensilien gefüllt haben und weggerannt sind. In der Schule meines Gastkindes gab es auch mal ein Traveller-Mädchen, das jedoch nur bis zur dritten Klasse dort war, bevor es verhaltensauffällig wurde, da sie von zu Hause einen ganz anderen Umgang gewohnt war und schließlich die Schule verließ. Heirat zwischen Cousins innerhalb der Familie ab dem Alter von 16 aufwärts sind auch keine Seltenheit und die Hochzeiten sollen wohl auch sehr speziell sein. Ich konnte es erst nicht glauben, bis meine Gastmutter mir Fotos gezeigt hat. Es ist angesehen in seltsamen exotischen Kostümen (teilweise sehr leicht bekleidet) verkleidet, für die mehrere hundert Euro bezahlt werden, zu den Festlichkeiten zu erscheinen - zum Beispiel verkleidet als eine Ananas. Die Mädchen werden zur Kommunion in riesige, ausladende Kleidern gesteckt und tragen teuren Designerschmuck - eine gewisse Ironie zum sonstigen Auftreten. Hier mal zwei Beispiele:
https://www.youtube.com/watch?v=tMqWfUsQebc
Die Vielfalt des Landes
Ich glaube das habe ich auch schon in anderen Blogeinträgen durchblicken lassen, aber ich kann immer nur wieder erwähnen, wie sehr ich von der Vielfalt des Landes beeindruckt bin. Vor allem hinsichtlich der Natur, die sich in jedem Part Irlands unterscheidet. In einigen Küstenorten, wie z.B. Bray fühlt es sich an, als wenn man eine Promenade in einem südeuropäischen Land entlang spazieren würde - man sieht Palmen, das Meer und viele kleine Restaurants mit mediterranem Flair. In Malahide und Howth hingegen fühle ich mich immer sehr an die Ostsee erinnert: Fish and Chips + viele dicke Möwen. Gleichzeitig ist es möglich, in den Bergen zu wandern und eine Stunde mit dem Auto entfernt, befindet man sich dann in der Pampa - teilweise in Dörfern, welche aus einer Straße mit ein paar Häusern bestehen. Oft sind auch einzelne Häuser mitten in der Natur zu sehen, abgeschottet von Städten und jeglichen anderen Orten. Abgesehen von den zwei Großstädten Dublin und Cork, gelten eher die vielen kleinen Örtchen mit bunten Häusern als typisch (in gewisser Weise sieht auch alles sehr ähnlich aus). Aber egal wie groß der Ort: Pubs in denen deftiges Essen wie beispielsweise Shepards Pie, Irish Stew oder Guinness Pie serviert wird, sind immer vorhanden. Beliebt sind generell Gerichte mit Rindfleisch, Lamm oder auch Fish and Chips.
Wenn man durch das Land fährt, ist es sehr wahrscheinlich, dass man Schafherden begegnet oder Golfer beobachten kann, die völlig unabhängig von Wetterbedingungen draußen spielen. Und natürlich sind die vielen Burgen, Steinkreise und Ruinen ein weiteres Zeugnis der Kelten.
Ich glaube das ist heute ziemlich lang geworden, aber ich hoffe, dass ich euch Irland mal wieder etwas näher bringen konnte - vielleicht auch mit ein paar Fakten, die nicht so gewöhnlich sind. Und das muss natürlich auch nicht alles 100%ig wahr sein, so genau kenne ich mich auch nicht aus. Ich schreibe so, wie es mir erzählt wurde oder wie ich es selbst erlebt habe. Sorry für eventuelle Rechtschreib- und Grammatikfehler.. ich vermixe mittlerweile beide Sprachen zunehmend :D
Ich möchte mich auch nochmal bei allen bedanken, die mir letzte Woche zum Geburtstag gratuliert haben. Das bedeutet mir sehr viel, denn es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass die Menschen zu Hause trotzdem an einen denken, auch wenn man weit entfernt ist.
Liebe Grüße ❤️