Veröffentlicht: 30.07.2025
















Godmorgen vom Sandskaer Strandcampingplatz!
Ja, liebe Leute. Ihr lest richtig. Wir sind wieder unterwegs. Allerdings ist nicht mehr alles so, wie es im Herbst 2024 war.
Nach seiner Rückkehr in die heimische Garage, wurde es dem Militaria-Benz dann doch irgendwann zu langweilig. Er wünschte sich mehr Aufmerksamkeit und Beachtung. Fristete er bis dato doch ein eher konservatives und langweiliges Leben mit dem ein oder anderen kleineren Ausflug in die Botanik respektive Schotterstraße. Er fühlte, dass er zu mehr berufen ist als nur aus Blechen und Schrauben zusammengedengelt zu sein. Der Drang auf Abenteuer in der großen weiten Offroadwelt wurde immer größer. Eines Tages war Kapitän-Kadir klar, es musste eine Typveränderung her.
So lernte der olivgrüne Bomber die unendlichen Weiten Sachsens und die Produktionshalle der Firma Overland-Equipment kennen. Nach acht Wochen war das Lifting abgeschlossen und die Fuhre zum Special-Force-Benz mutiert.
Diverse Zusatzscheinwerfer, Tiefsandbretter, eine Seilwinde, Dachgestelle, eine Fahrwerkoptimierung und mehrere Trittbretter sowie Boxen für zusätzlichen Stauraum wurden ihm spendiert. Zu diesen Stahlboxen später noch ein bisschen mehr…
Am Nachmittag des 28.07 trafen wir uns also in Langen, um gemeinsam die Karre zu bepacken. Doch was war das als ich mit meinem Motorrad durch das Tor auf den lieb gewonnenen WoMo-Brocken zurollte? Neben einer Delle in der Motorhaube schielte mich auch der rechte der beiden Zusatzsscheinwerfer leicht an. Wie ich nach unserer Begrüßung und meiner Nachfrage erfuhr, ist einer der Spezialisten von der DEKRA während des Abnahmevorgangs mit einem anderen Wohnmobil in das olivgrüne Monstrum gerollt. Warum hören wir alle eigentlich seit Jahrzehnten fast nie gute oder lustige Geschichten von TÜV- und DEKRA-Menschen?
Tim, der auf der Gassirunde vorbeikam, schnappte sich eine Zange und einen alten Lappen. Während ich den Scheinwerfer zog, versuchte er mit seinen rudimentären Utensilien den verbogenen Halter wenigstens etwas zu begradigen. Wir müssen schließlich die zu erwartenden Rentiere und Bären ins rechte Licht rücken.
Am Dienstagmorgen verstauten wir unsere persönlichen Habseligkeiten im Fahrzeug und nachdem Kühne&Nagel vier 4m kurze Traversen für die Bühne im Hause S. geliefert hatte, war die Ein- bzw. Ausfahrt auch endlich frei und wir konnten los. Ab in das nächste Abenteuer, nachdem das letzte im vergangenen Herbst dann doch sehr plötzlich zu Ende gebracht werden musste. Aber: Gürtelrosi ist mittlerweile wieder der ganz normale Rosi, der Benz ein Marine und Kadir ist einfach Kadir.
Wir spendierten dem Motor noch ein paar Liter AdBlue und entschieden uns für den kürzeren Weg per Fähre gen Norden. Durch den Elbtunnel zu fahren, war keine Alternative. „Da steht man ja immer im Stau“.
Nachdem wir Debstedt-Downtown hinter uns gelassen hatten, offenbarte sich, dass der Kapitän nichts von seinen Fahrkünsten verlernt hatte. Gekonnt zirkelte er den nun noch ein kleines bisschen breiteren und schwereren Benz durch die zwei Kurven in Cuxland. Kurz vor Wischhafen stockte der Verkehr etwas und wenige Sekunden, nachdem wir dieses feststellten, standen wir. Laut Google-Maps hatten wir mit einer Verzögerung von 28 Minuten zu rechnen. Easy. Und da es vor dem Elbtunnel dunkelrot war, freuten wir uns über unsere Entscheidung noch einmal.
Als wir zwei Stunden und 38 Minuten später erstmals den Fähranleger erblickten, waren wir - wie auch all die Metaller, welche ganz offensichtlich nach Wacken unterwegs waren, noch immer bester Laune. Anders als vor dem Elbtunnel gab es hier aber Toiletten und einen Imbiss, aus dem wir uns mit dem zweit- und drittbesten Fischbrötchen Norddeutschlands belohnten.
Die Überfahrt war nur ein Klacks und schon rollten wir ohne nennenswerte Ereignisse in Richtung Norden weiter. Vorbei an Itzehoe (hier wurden wir ganz kurz wankelmütig, ob nicht doch ein Abstecher nach Wacken sinnvoll wäre), Husum und Flensburg ging es in Richtung Grenze nach Dänemark. Wir freuten uns bereits hier darüber, dass wir sowohl heute als auch in den nächsten Tagen absolut gar nichts mit irgendwelchen Ländergruppen zu tun haben würden - geneigte Lesende werden sich an diese nervenaufreibenden Situationen in der ersten Staffel erinnern.
Der Grenzübertritt dürfte so überhaupt nicht im Sinne von Merz und Co gewesen sein. Keine Diensthabenden weit und breit. Während der Fahrt hatten wir alle Vor- und Nachteile eines Stellplatzes an der Westküste mit eben diesen eines Platzes an der Ostküste ausführlichst diskutiert. Am Ende entschied das Wetterorakel. Also ging es zielgerichtet zum Sandskaer Strandcampingplatz.
Ein relativ großer und sehr gepflegter Campingplatz erwartete uns. Der sympathisch wirkenden Dame an der Rezeption gestatteten wir noch den letzten Bissen ihres Abendessens und erfuhren sodann von ihr, dass sie noch einen (1) Platz zur Verfügung hat. Allerdings kostet eine Nacht so viel wie zwei Nächte. „It‘s not my policy“ entschuldigte sie sich bei uns, aber ihr Lächeln und der Duft, welcher sie umschmeichelte hatten uns ohnehin längst innerlich die eine Übernachtung einloggen lassen.
Als wir unseren Platz 214 bezogen, saß noch immer jeder Handgriff. Wir hatten als Team nichts verlernt. Der Kapitän kümmerte sich um den Strom, ich legte die Auffahrkeile an der korrekten Stelle parat. So konnte Kadir den Bomber waagerecht abstellen und wir anschließend die Markise ausfahren sowie Tisch und Stühle aufbauen. Das Willkommensgetränk wartete ja bereits im Kühlschrank auf seinen Einsatz. Doch dann passierte es: Ich bückte mich nach einem Stuhl und die offen stehende Stahltür der neuen Staubox befand sich in exakt der Linie meines Kopfes. Klonk! Einen Cut später sah ich aus wie mein Großvater, der sich zum x-ten Male den Kopf am Küchenschrank gestoßen hatte. Da ein Kapitän immer auch Bordarzt ist, war schnell klar, dass kein Nähzeug notwendig sein würde.
Die mitgeführten Beck‘s erfüllten ihren Zweck, während wir auf die Ostsee blickten. Da es bereits relativ spät war, gab es noch eine kleine, aber feine Bretterjause inklusive Marabou-Variation als Dessert.
Kurze Zeit später verabschiedeten wir uns in die verschiedenen Schlafgemächer, um die erste Nacht in Dänemark zu genießen und fit für die kommenden Abenteuer zu sein.
Godnat, min Skat
