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Reisegeschichten mit Ruth

Tag 12, 1. Mai 2021: Wie erstellt man einen Blog? Und warum kann man am Nachnamen nicht erkennen, dass ein Paar verheiratet ist? Fragen über Fragen …

Ndumbuko hat mich gebeten, ihm zu zeigen, wie man einen Blog erstellt. Das mache ich gern, auch wenn ich mich darin nicht als ausgesprochene Expertin bezeichnen würde. Ich habe ja selbst erst vor Kurzem damit begonnen, meinen Reiseblog zu schreiben. Dafür ist meine Recherche mir noch recht frisch im Gedächtnis und ich weiß in etwa um die Vor- und Nachteile einiger Blogplattformen. Auch die Erstellung von Content ist kein Fremdwort für mich. Bwambale schließt sich der Schulung an und so verbringen wir den Samstagvormittag im Hotelrestaurant, weil wir dort Zugriff auf WIFI haben.

Ich empfehle den Blogger-Dienst blogspot.com von Google. Für Einsteiger in das Bloggen ist die Erstellung auf dieser Plattform einfach und die Bedienung intuitiv. Die kostenfreie Plattform (Voraussetzung für uns), bietet viele Möglichkeiten, um den Blog interessant zu gestalten. Außerdem kann der Blog später mit Google Ads erweitert werden, wovon ich aber erst mal abrate, denn Werbung ist auf einem Blog eher kritisch und wenn man sich dafür entscheidet, sollte sie inhaltlich zum Blog passen. (@Vakantio: Sorry, aber wir haben eine englischsprachige Plattform benötigt. Sonst hätte ich gern auch Euch empfohlen).

Die Einrichtung übernehme ich und dann sind Bwambale und Ndumbuko als Autoren gefragt. Hier geht es zum ersten Blogpost der Divine Mercy Primary School

In meinem Blogbeitrag vom 28. April (Tag 9), hatte ich geschrieben, dass Transferdenken hier manchmal ein Problem ist. Dies war von mir keinesfalls abwertend gemeint – deshalb hier noch ein paar erklärende Worte: Meiner Erfahrung nach wird unsere Denkweise sehr stark von der Umgebung geprägt, in der wir groß werden. In unseren westlichen Ländern werden wir von Klein auf darauf getrimmt, Probleme analytisch und logisch anzugehen. In einem Land wie Uganda sind die Menschen dafür unglaublich kreativ und flexibel. Es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als sich immer wieder mutig den neuen Herausforderungen zu stellen, die das Leben hier mit sich bringt. Wieviel mehr könnten wir erreichen, wenn es uns gelingen würde, die unterschiedlichen Denk- und Sichtweisen aller Kulturen besser zu verknüpfen!

Während der Blogerstellung, befrage ich meine beiden Kollegen, warum an den Nachnamen nicht ersichtlich ist, wer miteinander verheiratet ist. Es ist nämlich so, dass dem Direktorenteam der Rwenzori Community Vision for Development, auch die Ehefrauen meiner Kollegen angehören. An den Nachnamen ist das aber nicht ersichtlich. Zudem wird hier fröhlich zwischen Vor- und Nachnamen als Rufname hin und her getauscht, was mich anfangs völlig verwirrt hat.

Meine folgenden Ausführungen beziehen sich auf die christliche Bevölkerung, die mit mehr als 70% Anteil am stärksten in Uganda vertreten ist. Rund 13% bekennen sich zum Islam und der Rest gehört Naturreligionen an. Alle Glaubensrichtungen leben in Uganda friedlich nebeneinander und respektieren sich gegenseitig. 

Die Heirat in der Kirche ist ein offizieller Akt und von der Regierung anerkannt. Man kann auch eine rein zivilrechtliche Ehe eingehen. Aber das ist eher die große Ausnahme. Die Menschen hier sind sehr spirituell und der sonntägliche Kirchgang gehört als fester Bestandteil zur Woche (genauso wie das Freitagsgebet für die Muslime). Es wird von den Gemeindemitgliedern außerdem nicht gern gesehen, wenn man ausschließlich zivil heiratet, denn das deutet in ihren Augen auf zu wenig Verbundenheit zum Glauben hin. Bei beiden Formen der Eheschließung bleiben die Nachnamen unverändert, d.h. Frauen und Männer behalten jeweils ihren Familiennamen. Die Ehefrau kann den Nachnamen des Ehemanns annehmen (umgekehrt ist das nicht möglich, auch Doppelnamen gibt es nicht), wobei dafür ein weiterer formeller Akt notwendig ist, der Geld kostet. Da sich aus der Änderung des Nachnamens kein Vorteil ergibt, verzichten fast alle darauf.

Bei der Nutzung der Vor- und Nachnamen gibt es keine „Logik“, im Sinne von förmlicher Anrede mit Nachnamen und vertrauter Anrede mit Vornamen. Für die Anrede werden mal der Nachname, mal der Vorname genutzt, ohne Frau oder Herr davor. So ist Bwambale der Vorname meines Kollegen, aber er wird genauso häufig mit seinem Nachnamen angesprochen. Mein anderer Kollege wiederum heißt Ndumbuko mit Nachnamen und nutzt ausschließlich diesen, weil sein Vorname hier oft gegeben wird und er seinen Nachnamen einzigartiger findet. Wenn man sich jemandem vorstellt, nennt man zuerst seinen Nachnamen und dann den/die Vornamen.

Ndumbuko bringt außerdem Licht ins Dunkel, warum manche Menschen hier so allergisch auf Fotos reagieren (vgl. Blogpost von Tag 10). Es ist wohl immer noch an der Tagesordnung, dass Fotos für kriminelle Zwecke missbraucht werden. Dazu gehören sowohl Personenaufnahmen als auch Bilder von Ladengeschäften (z.B. als Beweis gegenüber der Bank, um so an einen Kredit zu kommen).

Das gemeinsame Mittagessen, nehmen wir heute in einem lokalen Restaurant um die Ecke ein. Ich entscheide mich für Posho (Maisbrei) mit Peanuts (Erdnusssoße) und Rindfleisch, wobei letzteres wieder sehr zäh ist und ich deshalb zukünftig kein Fleisch mehr bestellen werde. Der Fisch, meist Tilapia, ist dagegen immer sehr schmackhaft.

Danach begleiten mich meine beiden Kollegen noch zu einem Stand von Airtel, Ugandas führendem Mobilfunkdienstleister, der hier überall mit mobilen Ständen vertreten ist. Ich benötige schon wieder neues Datenvolumen, diesmal für meine ugandische SIM-Karte. Dort treffen wir auf einen alten Schulkameraden von Bwambale. Später erfahre ich, dass er Bwambale um Geld gebeten hat. Er hat bereits in der Schulzeit angefangen, Drogen zu konsumieren und ist seitdem abhängig. Alkohol- und Drogensucht kommen in Uganda häufiger vor, erzählen mir die beiden. RWECO-VIDE versucht deshalb für Aufklärung zu sorgen. So wird beispielsweise bei den monatlichen Treffen der Bauern auf die Gefahren hingewiesen, die insbesondere der Konsum von Drogen mit sich bringt.


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