Go East - Mit dem Fahrrad zu Ev. Gemeinden in Osteuropa
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22. Tag - 30. Juli: Treffen mit Bischof in Katowice

Schon früh am Morgen warf ich den Gemeindehausschlüssel in den Briefkasten und radelte vorbei an Plattenbauten und durch einige Industriegebiete von Bytom. Tagesziel war das nur 24km entfernte Katowice. Gleich nach dem Ortsausgangsschild von Bytom begann schon die nächste Großstadt - Chorzow. Nach 8km war die durchradelt und Katowice begrüßte mich mit einem riesigen Schriftzug.

In der oberschlesischen Metropole befindet sich der Bischofssitz der Ev. Diözese Katowice und die dazugehörige Auferstehungskirche, als Bischofskirche. Herr Marian Niemiec ist der leitende Bischof, den ich gerne besuchen und befragen wollte. Mitten im Stadtzentrum befindet sich die Auferstehungskirche, denn sie ist die allererste 1858 gebaute Kirche in der Stadt, als Katowice mehr oder weniger noch ein Dorf war. Gegen 10 Uhr klingelte ich im Büro. Die Sekretärin öffnete und sagte, dass der Bischof gerade im Altersheim ist, aber bald kommen würde und informierte ihn über meinen Besuch. Ich wartete geduldig und schon nach 20 Minuten kam er. Die Konversation war einfach, weil der Bischof gut Deutsch konnte. Zur Auferstehungskirche (Foto), als Bischofkirche der Diözese, gehören rund 750 Gemeindeglieder in der Stadt. Wenn nicht gerade Sommerferien sind, kommen rund 130-150 Gottesdienstbesucher. Wie in den anderen Gemeinden gibt es Kinderbetreuung, Kirchencafe und in der Schulzeit entsprechende Angebote. Einen Schwerpunkt setzt der Bischof in der diakonischen Arbeit. Er hat das Evangelisches Hospitz und eine Ausleihstation für Rehabilitationsgeräte gegründet.

Die größte Herausforderung ist gegenwärtig die ukrainische Flüchtlingsarbeit. In der Stadt mit 302.000 Einwohnern leben immerhin 50.000 ukrainische Flüchtlinge. Leider war das Gespräch mit dem Bischof nur kurz, weil er mit einem Freund zu einem Formel-1 Rennen nach Ungarn fahren wollte und sich für 12 Uhr verabredet hat. Morgen, zum Gottesdienst, würde ihn ein Kollege im Ruhestand vertreten und ich könne selbstverständlich kommen. Dies war auch mein Plan, denn ich wollte einen Tag in der Stadt bleiben und suchte mir ein Hostelzimmer im Zentrum, weil für den ganzen restlichen Tag nur Regen angesagt war.

Von den zahlreichen Sehenswürdigkeiten interessierten mich nur das Museum für die oberschlesische Kultur und Geschichte und das Gitarrenmuseum. Nach einen kleinen Imbiss und kurzen Stopp im Tourist-Informationszentrum für eine neue Radkarte radelte ich zum schlesischen Museum. Aber am Standort auf der Karte befindet es sich nicht mehr. So radelte ich zurück zum Tourist-Informationszentrum und erfuhr, dass das Museum komplett neu errichtet in einer ehemaligen Grube sich befindet. Auf dem Weg fuhr ich an einem großen Kinder Benefizfest für die Ukraine vorbei. Es gab viele Infostände von allen möglichen Hilfsorganisationen (Foto), ein Bühnenprogramm mit Musik und Tanz und bestimmt Hunderte Spielstände, die von vielen Familien und Kindern genutzt wurden (Foto). Ich war von dieser Haltung und Engagemant für die ukranischen Menschen in der Stadt sehr beeindruckt.

Ich fuhr weiter, kam einen sehr modernen Bürohochhaus (Foto) und dem größten, aber hässlichen Wohnblock der Stadt (Foto) vorbei. Dann fing schon der Regen an und kam noch halbwegs trocken beim schlesischen Museum an, dass sich tatsächlich unterirdisch in einer Grube befindet, aber sehr modern ausgestaltet ist. Über drei Stunden blieb ich im Museum und schaute mir die verschiedenen Dauerausstellungen zur historischen und neueren Geschichte, Kultur und Kunst dieser ehemals historischen deutsch-polnischen Grenzregion an. Einen interessanten Schwerpunkt bildeten die Arbeiteraufstände mit der Gewerkschaft Solidarnosc in der Region in den 1980ziger Jahren. Insgesamt ist das Museum sehr sehenswert, auch wenn mir etwas das Tageslicht fehlte.

Als ich zum Abend das Museum verließ, war es für das Gitarrenmuseum schon zu spät und ich radelte durch den Starkregen zum Hostel zurück. Zum Glück hatte ich diese Nacht eine feste Unterkunft. Ich besorgte mir etwas zum Kochen, schrieb an meinen Text, schaute mal wieder Nachrichten und legte mich dann in meine Schlafbox in dem Zimmer.

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