Go East - Mit dem Fahrrad zu Ev. Gemeinden in Osteuropa
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23. Tag - 31. Juli: Kein Gespräch nach dem Gottesdienst möglich

Mein dritter Sonntag in meinen Kontaktsemester begann, wie der Samstag endete: mit Dauerregen. Die Wetterprognose besagte, dass der normale Regen gegen 13 Uhr in leichten Nieselregen übergehen und dann ganz aufhören sollte. Mein Plan war, den Gottesdienst in der Bischofskirche zu besuchen, vielleicht mit dem Pfarrer zu sprechen und danach zu meinem nächsten Ziel, der neue Industriestadt Zory aufzubrechen, welche nur 25km entfernt von Katowice liegt. Nach dem Frühstück im Hostel radelte ich zur Kirche. Rund 20 Minuten vor Gottesdienstbeginn kam ich an, aber die ersten Gottesdienstbesucher waren schon da. Mit Einsetzen der Orgel waren rund 60 Gottesdienstbesucher anwesend. Ein älterer Pfarrer leitete den Gottesdienst. Die Liednummern waren angeschlagen und ein Lied kam mir sogar bekannt vor. Von der Predigt, die von der hohen Kanzel gehalten wurde, verstand ich leider wieder nichts. Mit dem Orgelnachspiel verließen die Ersten schon die Kirche. Ich hoffte auf ein Kirchencafe um ggf. ins Gespräch zu kommen, aber das wurde leider nicht angeboten. Der Pfarrer ging auch nicht zum Ausgang, sondern ging gleich in die Sakristei. So ergab sich keine Möglichkeit für ein Gespräch. Dann war ich schon einer der Letzten in der Kirche und der Küster wedelte schon mit dem Kirchenschlüssel. Also ging ich auch und versuchte erst garnicht ins Gespräch zu kommen.

Noch immer regnete es. Ich ging erst mal in ein Cafe und recherchierte am Handy meine Route nach Zory, wo ich heute noch ankommen wollte. Aber 13 Uhr regnete es immer noch, entgegen der Prognose. Jetzt sollte es noch bis 16 Uhr normalen Regen geben. Ich fuhr ins Hostel und wartete ab. Kurz nach 15 Uhr gab es nur noch ganz leichten Nieselregen und beschloss nun endlich loszuradeln. Zuerst ging es ganz schon bergauf, aber nie steil. Aber ich kam ins Schwitzen. Im "Speckgürtel“ von Katowice fand ich aber einfach nicht den richtigen Weg nach Zory, fuhr unbeabsichtigt eine andere Route und landete auf einer Schnellstraße. Wieder nieselte es. Also fuhr ich wieder zurück und verlor ganz schon viel Zeit. Auch wurde es schon dunkel und ich beschloss mein Tagesziel Zory aufzugeben und mir irgendwo ein Plätzchen im Wald zu suchen. Am Ende schlug ich mein Zelt an einem Fischteich in einem Waldgebiet auf. In der Nähe rund 500 Meter entfernt, dröhnte jedoch die Schnellstraße.  Außer einem Angler war keiner bei diesem nasskalten Wetter zu sehen. Ich machte kalte Abendküche und kroch so zeitig wie nie in meinen Schlafsack. Dass das Verfahren mein Glück – oder auch Gottes Wille - war, offenbarte sich erst am nächsten Tag.

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