Go East - Mit dem Fahrrad zu Ev. Gemeinden in Osteuropa
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2. Tag - 10. Juli - Aufenthalt in Decin, Usti nad Labem und Dubice

Aufstehen, duschen, einpacken und losfahren, so war mein Plan. Frühstück machte ich dann an der Grenze zu Tschechien. Bis Decin zur Ev. Kirche zum 10 Uhr Gottesdienst war es immerhin 40km. Ich schaffte es gerade so. Mit der Begrüßung der Gemeinde betrat ich die Kirche und nahm Platz. Rund 25 Besucher waren in der mittelgroßen Kirche anwesend. Eine ältere Dame war sehr aufmerksam brachte mir ein Gesangbuch. Musikalisch war der Gottesdienst mit Gitarre, Keybord und Orgelmusik sehr vielseitig gestaltet. Die Predigt von der Kanzel dauerte etwas über 20min. hielt eine Vikarin in den mitleren Jahren. Ich verstand so gut wie Nichts. Mit dem Segen ging der Gottesdienst in ein Minikonzert über, denn die Vikarin war ursprüglich Musikerin und mit ihren Begleiter am Keybord sang sie noch einige moderere Kirchenlieder. Die meisten der Besucher blieben noch zum anschließenden Kirchencafe und wie selbstverständlich wurde mir auch selbstgebackener Kuchen angeboten. Im Gespräch mit dem Ortspfarrer, der etwas Deutsch kannte, ergaben sich einige interessante Informationen. Seine Ev. Gemeinde besteht aus ca. 160 Mitgliedern, von denen rund 40-45 sich aktiv am Gemeindeleben beteiligen. Aber sie fühlen sich als absolute Minderheit bei rund 50.000 Einwohnern Decins. Es gibt leider keinen Religionsunterricht an den Schulen und so kommen die meisten Einwohner nur sehr selten zu religiösen Inhalten. Der Pfarrer hat eine kleine Jugendgruppe. Kinder gibt es nur wenige in der Gemeinde. Angebote für Sie gibt es derzeit auch nicht. Die größte Herausforderung ist die Gottesdienstgemeinde lebendig zu halten und den Kontakt zu den Gemeindegliedern aufrecht zu erhalten. Dann verabschiedete er sich, weil der Pfarrer noch die Predigt mit der Vikarin auswerten musste.

Im Anschluss schaute ich noch bei der Synagoge von Usti vorbei, welche sich noch weitgehend im Originalzustand befindet. Leider war sie zu. Es war ja kein "Schabbat" (Samstag). Danach kaufte ich etwas zum Mittag ein und radelte nach Usti nad Labem und wollte die Ev. Apostl Petrus Kirche besuchen. Eine Ev. Hussitische Kirche. Unterwegs bließ mir ein heftiger Gegenwind entgegen. Zum Glück war es recht bewölkt. Nach weiteren 35 km kam ich am Nachmittag vor der Kirche in Usti an. Aber sie war verschlossen. Ich hatte den Pfarrer per E-Mail meinen Besuch angekündigt, aber es gab keine Antwort. So überlegte ich, ob ich noch zu der Ev. Kirche der Heiligen Barabra in Dubice fahren sollte. Sie liegt zwar nur 12 km entfernt. Aber rund 300 Hohenmeter waren zu überwinden, weil die Kirche hoch oben auf eine Felssporn über dem Elbtal liegt und nur über eine steile Landstraße zu erreichen ist. Ich fuhr erst mal wieder zurück ins Zentrum. Nach ca. 1,5 h im Bahnhofcafe entschloss ich mich doch noch zu der kleinen Ev. Dorfkirche in Dubice zu fahren, in der Hoffnung in der Nähe einen passenden Schlafplatz zu finden, auch wenn meine Beine schon sehr müde waren von den 75 km bei Gegenwind. Die ersten 3km im Stadtgebiet war es noch einfach zu radeln. Dann kam die steile Straße. Den ersten Kilometer konnte ich noch mühsam bergauf fahren, dann konnte ich das schwere Rad nur noch schieben, was ebenso einiges an Kraft kostete. Der Schweiß lief mir in Strömen über den Rücken, die Beine wurden allmählich zu Bleiklumpen und immer wieder musste ich kleine Pausen einlegen, weil es sehr anstrengend war. Meine Augen konnten sich derweil an einer schönen und lieblichen Mittelgebirgslandschaft  mit schönen Wiesen, herrlichen Fernsichten und verlassenen Bergdörfern erfreuen. Aber die Augen geben ja keine Kraft, so musste ich die nächsten 3-4 km weiterschieben, von kürzeren ebenen Abschnitten mal abgesehen. Vom letzten Dorf vor Dubice ging es die letzten 2km wieder leicht bergab und mit über 40km/ rollte in das Hochplatoudorf ein - was für ein Genuss. Die Kirche am Ortsrand war dank des weithin sichtbaren Turmes schnell gefunden. Völlig fertig stieg ich kurz nach 19 Uhr vom Rad. Leider war auch diese Kirche verschlossen. Gottesdienst gibt es nach dem Aushang nur einmal im Monat. Ein Pfarrhaus gab es auch nicht. Dafür liegt die Kirche landschaftlich äußert exponiert auf einen Felsplatou und man hat einen herrlichen Ausblick auf das reizvoll-romantische Bergtal. Tief unten rauscht die Elbe. An dieser Stelle liegt die „Böhmische Pforte“, eine Enstelle der Elbe. Vielleicht wurde auch deshalb die Kirche an dieser Stelle vor rund 500 Jahre erreichtet. Nach dem Abendessen mit Blick in das schöne Elbtal baute ich in der jetzt scheinenden Abendsonne mein Zelt auf einer kleinen Wiese direkt neben der Kirche auf. Der Mann von der Pension gegenüber meinte, das sei kein Problem und störe ihn nicht.  Völlig erschöpft von diesem Tag kroch in mein Zelt und schaute auf den Fahrradcomputer, den ich abnahm, welcher für diesen Tag 94km anzeigte.

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