Heute zum Sonntag hieß es rechtzeitig aufstehen und packen, denn ich musste den Jugendkeller rechtzeitig verlassen, weil er nachher auch für den Kindergottesdienst genutzt wird. In der Gemeindeküche waren schon zwei Ehrenamtliche (Foto) tüchtig bei der Vorbereitung des Kirchencafes im Anschluss an den Gottesdienst und luden mich gleich ein dann noch etwas zu bleiben. Ich musste aber absagen, weil ich nach dem letzten Lied des 9 Uhr Gottesdienstes in Tschechien gleich rüber nach Polen radeln wollte, zum 10 Uhr Gottesdienst in der Christuskirche, welche nur 6-7 Radminuten entfernt über die Grenze liegt. Eigentlich schade, aber ich hatte mich für diesen etwas hektischen Sonntagvormittag entschlossen, denn die Christuskirche ist sozusagen die Mutterkirche aller Evangelischen in Polen (Foto). Dort einen Gottesdienst zu erleben, wollte ich auf meiner Reise nicht verpassen. Aber der Reihe nach:
Vor dem 9 Uhr Gottesdienst in Cesky Tesin fand noch eine Abendmahlsfeier
für eine kleine Anzahl von Teilnehmern statt. Auch eine interessante Variante. Dann füllte sich
rasch die Kirche mit den Gottesdienstbesuchern. Gleich nach dem ersten Lied liefen die Kinder nach vorne und sie erhielten eine extra Kinderpredigt und
gingen dann zu ihrem Kindergottesdienst. Alle Bibeltexte wurden über einen
Beamer an die Wand geworfen. Nach Psalm, Gebet und Lesung folgte gleich die
Predigt. Leider verstand ich nichts. Nur ein paar Wörter, wie Luther, Mission
und Bonhoeffer schnappte ich auf. Mit dem letzten Lied verließ ich den
Gottesdienst und radelte rüber nach Polen und kam zur Begrüßung des 10 Uhr
Gottesdienstes in der Christuskirche in Cierzyn an. Geschätzt etwas über 100
Menschen waren anwesend (Foto). Ein sehr junger Ev. Pfarrer (Foto) hielt den Gottesdienst.
Hier wurde mehr gesungen und die Predigt war deutlich kürzer und es wurde zum
Abendmahl eingeladen. Zum Abendmahl - woran ich auch teilnahm - knieten sich
die Gläubigen im Halbkreis nieder und empfingen die Oblade und einen
Einzelkelch mit Wein. Nach dem Gemeindesegen ging ich zu dem jungen Pfarrer,
der perfekt Englisch sprach. Mit meinen unzureichenden Englisch verstand ich
folgende Fakten:
Die Christusgemeinde in Cierzyn hat ungefähr 6000 Mitglieder in der Stadt
und in den nahen Dörfern. Es gibt insgesamt 5 Pfarrer. Auf den größeren Dörfern
wird auch Ev. Gottesdienst angeboten. In der Kirche befindet sich auch das
Reformationsmuseum zu der Geschichte der Evangelischen Christen in Teschen. Ich
erfuhr das für die Kinder eine extra „Sonntagsschule“ angeboten wird. In der
Stadt gibt es auch ein Evangelisches Gymnasium, Kindergarten, einen ev.
Friedhof, einen Buchladen und weitere evangelische Einrichtungen. Im Anschluss
zeigte er noch im großen Gemeindehaus, wo sich zahlreiche Büros und
Versammlungsräume befinden, den extra eingerichteten Jugendbereich mit Jugendsaal (Foto). Es gibt
verschiedene Jugendaktivitäten, wie Sommercamps, Jugendfahrten und wöchentliche
Treffen am Freitagabend. Ich war ganz schön beeindruckt. Hier leben in der
Region um Cierzyn (polnisch für Teschen) befindet sich zwar flächenmäßig die
kleinste der 6 polnischen Kirchenbezirke, aber dafür der Mitgliederstärkste,
der rund 65.000 evangelischen Polen insgesamt, bei fast 40 Mio. Einwohnern. Im
Anschluss an den Rundgang schaute ich mir noch das Protestantische Museum an
und radelte zurück nach Cesky Tesin, packte meine vier Packtaschen und fuhr wieder
zurück nach Polen in die Richtung der Bergarbeiterstadt Jastrzebie-Zdroj ca. 40km entfernt, wo es
auch eine polnische Evangelische Gemeinde geben soll. In einem Dorf nahe der Stadt standen sich katholische und evangelische Kirche direkt gegenüber. Nördlich von Jastrzebie-Zdroj fand
ich an einem Baggersee ein Plätzchen für mein Zelt und war gespannt, wie die
polnischen Evangelischen Kirchen und Gemeinden sind.
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