Go East - Mit dem Fahrrad zu Ev. Gemeinden in Osteuropa
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13. Tag- 21. Juli: Besuch in Suchdol, ein Ort mit Evangelischer "Weltgeschichte"

Heute hieß es schon halb 5 aufstehen, denn ich wollte schon um 5 Uhr Morgens losradeln und das hatte einen simplen Grund. Denn für diesen Tag wurden bis zu 37 Grad erwartet und deshalb wollte ich den Großteil meiner Tagesstrecke von ca. 75 km bis zum Mittag schaffen, so zumindest mein Plan und das Radeln in der drückenden Nachmittagshitze vermeiden. Der Pfarrer von Olomouc meinte, ich müsste bei meiner Radfahrt unbedingt Station in Suchdol machen. Ein Flecken in der mährischen Provinz, aber ein Ort von großer historischer Bedeutung, auch für viele deutsche evangelische Christen.

Folgender Hintergrund: Jede_R kennt ja den berühmten Herrenhuter Stern. Dort in Suchdol liegt die Wiege der heute weltweit bekannten Evangelischen Herrenhuter Unität, wo neben den berühmten Stern auch die Losungen herausgegeben werden. Vor genau 300 Jahren, 1722, brachen einst die ersten evangelischen mährischen Brüder auf, um in Herrenhut eine neue Gemeinschaft aufzubauen, welche sich nicht zwangsweise der katholischen Gegenreformation unterwerfen wollten. Im Laufe der nächsten Jahre brachen rund 650 evangelische Glaubensflüchtlinge in Suchdol auf, um in Herrenhut neu zu sieden. Für diesen Ursprung und der später weltweiten Mission der Herrenhuter ist in Suchdol ein Museum gewidmet und dieses sollte ich mir unbedingt anschauen und eine Führung bekommen.

Kurz nach 5 in der Frühe bin ich tatsächlich losgeradelt. Bis 9 Uhr war es angenehm zu radeln. Bis 10 Uhr ging es noch, aber schon gegen 11 Uhr war es drückend heiss. Dummerweise hatte ich mich in Hranice etwas verfahren und rund 150 Höhenmeter das schwere Rad einen Berg umsonst schweißtreibend hoch geschoben. Meine Beine wurden schlapp, der Scheiß rann in Strömen am ganzen Körper herunter und auf weiten Strecken gab es keinen Schatten. Ich wollte schon aufgeben, an diesem Tag Suchdol noch zu erreichen. In Spicky auf dem Berge holte ich erst mal neues Wasser, ruhte mich im Schatten aus und zwang mich dann doch zur Weiterfahrt. Wieder ging es etwas bergauf, aber dann nur noch stetig leicht bergab, denn Suchdol liegt am Oberlauf der Oder, aber unten. Ganz schön entkräftet rollte ich kurz vor 14 Uhr bei 35 Grad in Suchdol vor dem Museum ein, über dessen Eingangstür natürlich ein Herrenhuter Stern aufgehängt war (Foto). Ich hatte von unterwegs den Museumführer telefonisch erreicht und 14 Uhr vereinbart das ich eintreffen werde. Er konnte auch etwas Deutsch und wir tranken erst mal einen Tee. Danach führte er mich durch das kleine, aber feine Museum der Mährischen Brüder. Sozusagen der ursprünglichen Heimat der Herrenhuter, Er zeigte mir Abbildungen der ersten Brüder, welche 1722 zu Fuß in das rund 450 km entfernte Herrenhut aufgebrochen sind. In einer Vitrine waren auch fast alle Exilanten mit Namen aufgeführt (Foto), die für ihren Evangelischen Glauben ihre Heimat zwangsweise verlassen mussten. Sehr detailreich erklärte mir der Museumsführer alle Tafen und zeigte mir seine alten Wanderschuhe, als er selbst vor 20 Jahren einmal die Route seiner Vorfahren komplett in 12 Tagen nachgelaufen ist (Foto). In einem extra Raum wird die weltweite Mission der Herrenhuter dargestellt, wo es heute noch Gemeinden gibt (Foto).

Heute gibt es in Suchdol und Umgebung rund 150 Evangelische Christen der BB. Zum Gottesdienst in der später neu errichteten großen Kirche kommen zwischen 15-20 Besucher. Aber einen Pfarrer hat der Ort heute nicht mehr und wird von außerhalb betreut. Deshalb war es auch nicht möglich die Kirche zu besichtigen. Auch das Pfarrhaus ist verschlossen. Nach knapp 2 Stunden verließ mich der Museumsführer, weil er wieder zu seiner kranken Frau nach Hause muss. Er bot mir dann, direkt im Museumsraum auf dem Fußboden zu übernachten. Denn in der Wohnung im Obergeschoss wohnt derzeit eine ukrainische Frau mit ihren sechs Kindern. Aber gegen 20 Uhr kommt er noch einmal um die Bäume im Museumsgarten zu gießen, deren Samen aus den unterschiedlichen Orten weltweit her stammen, wo es Herrenhuter Gemeinen gibt. Ich ruhte mich etwas im Schatten aus und am Abend schaute ich noch die mächtige Evangelische Kirche von Suchdol an (Foto). Ebenso die weltweit größte Statue von Amos Commenius (Foto), der mit Herrenhut sehr verbunden war und in der Nähe geboren wurde.

Danach richtete meine „sieben Sachen" auf dem Museumsboden ein und half mit die zahlreichen Bäume mit zu gießen. Am Abend schrieb ich wieder etwas für diesen Bloq und dann begann meine erste Übernachtung in einem Museum und dazu noch in so einem Gewichtigen und dachte an unserem Stern in der Pfarrwohnung von Osterwohle. Kaputt vom Tag, schlief ich schnell ein.
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