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Wandern in Georgien, wandern in Armenien - Juni, Juli 2023

Veröffentlicht: 17.07.2023

Im Juni bekommen wir Besuch aus der Heimat! Unsere Freundin Julia ist für eine Woche mit uns in Georgien unterwegs. Nebenbei hilft sie uns dabei, Equipment auszutauschen und aufzustocken. Die Räder sind vorerst verpackt und eingelagert. Die Wanderschuhe und Rucksäcke bereit für neue Erkundungen.


Zu dritt geht’s nach einer kurzen Stadtbesichtigung in die Berge rund um den großen Mount Kazbeg. Eine abenteuerliche Fahrt mit dem Neunsitzer führt uns ca. 150km weit nordöstlich in die Region Mzcheta-Mtianeti, in der sich das Örtchen Stepansminda (bis 2006 trug es den Namen Kazbegi) befindet.

Es tut gut nach so langer Zeit ein vertrautes Gesicht zu sehen und gemeinsam die Stadt für einige Tage hinter uns zu lassen.

Es dauert nur wenige Kurven weit und schon ist das Gefühl von Weite und Freiheit da - sobald die Berge uns durch ihre Täler immer höher hinauf und hinein lassen.

Eine alte Militärstrasse macht dies möglich. Sie verbindet Georgien mit Russland. Dementsprechend gestaltet sich der Verkehr. Wir sind erleichtert hier nicht mit den Rädern durch zu wollen.

Die Fahrt gestaltet sich beinahe todesmutig, doch schließlich erreichen wir unversehrt und aufgeregt das Örtchen Kazbegi (1700müM). Bereit, dem großen Mount Kazbeg(5.054m) so nah wie möglich zu kommen.


Das Wetter hat umgeschlagen. Regen kündigt sich für die kommenden Tage an, die Temperatur sinkt auf mehr als erfrischend.


Eine Nachmittagswanderung führt uns an der malerischen Gergeti Dreifaltigkeits Kirche vorbei, um etwas höher das Lager für die Nacht aufzuschlagen.

Trotz der schweren Regenwolken ist der Ausblick atemberaubend. Eine Schafherde zieht auf den Hängen um uns ihre Runden. Von hier aus ist nichts zu sehen, was auf Zivilisation hindeutet - Wiesen, Felsen, Wälder und der Himmel mit seinen Wolken umrahmen uns winzig kleine Menschlein…

Am nächsten Tag geht es weiter auf 3014 müM. Dort liegt die Alti Hütte. Eine niegelnagelneue Almhütte, die, mit Unterstützung von Menschen aus der Schweiz, erst kürzlich erbaut wurde. Sie dient vielen als erstes Basislager um dann weiter in die Höhe zu steigen.

Leider ist die Preisgestaltung auch nach schweizer Vorbild. Irgendwie verständlich, wird doch alles entweder mit Hubschrauber oder mehrmals am Tag per Pferd hier rauf transportiert. Wir gönnen uns ein Essen und Kaffee, wärmen uns auf und schlagen das Nachtlager um die Ecke auf - das ist dafür umsonst:)


Mittlerweile ist es grauslich kalt geworden. Temperaturen um die 4 Grad lassen uns das Equipment testen, das wir für die nächsten Wochen in den armenischen Bergen brauchen könnten.

In der Früh überrascht der große Kazbeg mit seinem Anblick. Es hat aufgerissen! Blauer Himmel und Sonnenschein umrahmen die Berglandschaft um uns. Einwendig und dankbar machen wir eine kurze Wanderung zum Gletscher um dann langsam den Weg nach unten fortzusetzen. Nach einer weiteren Nacht in tieferen Lagen geht’s auch schon wieder Richtung Hauptstadt. Noch eine Nacht später verabschieden wir schon wieder unsere Freundin.


Danke Julia! Dass du nach uns geschaut hast! Dass du uns mit an deine Grenzen genommen hast! Dass du dich für unsere Art zu leben interessierst! Dass du uns seit Beginn der Reise so sehr unterstützt!!!


Nach einer weiteren Woche in Tbilisi, in der noch einiges zu erledigen und planen ist; in der mir (Sita) ein Zahn gezogen wird und ich einen Tag mit vieeelen Hunden in einem Dog shelter (Tamaz Elizbarashvili dog shelter) verbringe <3; in der wir nochmal sehr intensiv in das Irina-Hostel-Universum eintauchen, setzen wir uns mit unseren (zu) schwer bepackten Rucksäcken in den Bus nach Dilijan, einem Städtchen im Süden Armeniens. 

Von hier aus wollen wir einige Tage wandern, bevor Anfang Juli unseren Freund Martin am Flughafen von Yerevan (Hauptstadt Armeniens) ankommt und wir gemeinsam die große Wanderung am Transcaucasian Trail (TCT) starten .


Erneut sind wir von Aufregung durchzogen. Aufgeregt darüber, diesen weiten Wanderweg zu gehen. Aufgeregt darüber, ein neues Land zu Fuß zu bereisen. Aufgeregt darüber, dass wir nochmal Besuch von daheim bekommen. Aufgeregt darüber, wie sich diese schweren Rucksäcke wohl während der nächsten Wochen anfühlen werden.


In den ersten Tagen in Armenien kommt es zu Begegnungen, die uns viel Klarheit bringen. Klarheit bezüglich der Route in Verbindung mit dem doch eher hochsommerlichen Startdatum. Klarheit bezüglich Gepäck (wir schaffen es 5 kg leichter zu werden), Klarheit bezüglich Beschaffenheit des und Versorgungsmöglichkeiten am Trail.


Danke Sue! Danke Tom! Danke Ilka!


Ja und plötzlich ist unser Freund Martin da! Es kann also endlich los gehen! Von Yerevan müssen wir nochmal den Bus nehmen um in den Süden des Landes zu kommen. Einen Tag, zwei Busfahrten, viel Wartezeit und einige Diskussionen später erreichen wir Kapan. Hier sind wir nun. Im Südosten Armeniens. Wenige Kilometer von der aserbaidschanischen Grenze und nur 80 km vom Iran entfernt. 


Der Transcaucasian Trail liegt vor uns. Ein Weitwanderweg, der sich von dem Grenzstädtchen Meghri im Süden bis zum See Arpi im Norden des Landes über 850km zieht. In Georgien geht er dann noch weiter - dort ist die Fertigstellung eines durchgängigen Trails noch in Arbeit.

Aus Mangel an Wasserversorgung und aufgrund der Schwierigkeit des Trails während seiner ersten Passagen, skippen wir die ersten Kilometer und steigen erst hier ein. Im Dorf Bekh, außerhalb Kapans, nach einer Nacht am familiengeführten Hilltop Camping, beginnt die Wanderung. 

Die Landschaft erinnert stark an die gewohnte Berglandschaft der niederen Alpen rund um das Salzkammergut. Oh wie schön!


In den kommenden zwei Wochen folgen wir den Markierungen des Legends Trail, der sich mit dem TCT zum Großteil deckt, mehr oder wenig gut beschildert ist und dessen Wege in einem kleinen Wanderbüchlein ausführlich beschrieben sind. Der optimale Einstieg also für unsere erste Weitwanderung.


Wir folgen wieder mal unserer Devise: es darf schwierig sein, es darf herausfordernd sein, es darf aufregend sein, aber wir wollen uns sicher fühlen und unsre Grenzen langsam verschieben.


Heute, am 17.07. liegt bereits eine Wanderwoche hinter uns. Wir haben unsere Wege bis hierher ins Ruinendorf Old Halidsor dank Markierungen und GPS gut gefunden. Sind durch Wiesen und Wälder, auf Tierpfaden, Wegen und Unwegen und auf Straßen gestapft. Hinauf und hinunter. Haben mit Familien getanzt, gegessen und das Leben gefeiert, bei Greissler in abgelegener Dörfern auch mal einen Schlafplatz gefunden. Sind von Hunden begleitet und bewacht worden. Haben mit Dornenhecken, Zecken, Moskitos und Stechfliegen gekämpft, manchmal stark damit gehadert - nur sehr selten gewonnen. Wir trotzen der heißen Sonne und dem Regen. Haben an unserem Pausetag in Tatev das beste Frühstück unseres Lebens bekommen. Genießen unsere Freundschaft zu dritt und kommen zu dem Schluss, nirgendwo anders lieber sein zu wollen! 

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