Don Curry on Tour 2
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Don Curry im Birkenreich

Veröffentlicht: 10.07.2019

Don Curry verbindet bestimmte Baumarten mit diversen Ländern: die deutsche Eiche, die italienische Zypresse, die libanesische Zeder. Natürlich wachsen in diesen Ländern auch andere Bäume, aber eine gewisse Baumart scheint besonders typisch zu sein; die Zeder hat es sogar auf die libanesische Flagge gebracht. Mit Russland verbindet Don Curry vor allem die Birke. Er hat sie auf seiner bisherigen Reise durch Russland durchaus gesehen, aber besonders auffällig kam sie nicht vor. Das sollte sich heute ändern.

Don Curry startete den Tag mit dem bekannt gediegenen Frühstücksbuffet des Restaurants "Volkhov" im Hotel "Volkhov". Heute gab es zusätzlich zu den schon bekannten Angeboten gebratenen Kohl. Den hatte Don Curry noch nie zum Frühstück, und er passte durchaus zu den Omelettestücken und der Rohkost. Gesättigt und ziemlich zufrieden verließ Don Curry das Hotel, um zunächst noch etwas nachzuholen: die Verklärungskathedrale. Gestern hatte sie Ruhetag gehabt, doch heute sollte sie geöffnet sein. 

Kathedral-Fassade

Dem war tatsächlich so, und Don Curry konnte sich den spärlichen, aber ausdrucksstarken Resten der Originalfresken aus dem 14. Jhdt. widmen, die ein einst hochberühmter byzantinischer Künstler geschaffen hatte und die seine einzigen erhaltenen Werke darstellten. 

Blick in die Kuppel

Doch diese Kirche sollte noch nicht alles sein. Am nördlichen Stadtrand von Weliky Nowgorod versteckte sich noch eine weitere uralte Kirche aus dem 11. Jhdt, die Maria-Geburts-Kirche. Architektonisch war sie bestens erhalten, ihre Fresken allerdings im 17. Jhdt. neu geschaffen worden. 

Maria-Geburts-Kirche

Zunächst erlebte Don Curry aber eine sehr versöhnliche Begegnung mit der hiesigen älteren Kassiererin; er hatte ihr wohl so überzeugend auf russisch einen "Guten Morgen" gewünscht und anschließend "eine Eintrittskarte" erbeten, dass sie ihn tatsächlich für einen Einheimischen hielt und ihn zum Einheimischenpreis einlassen wollte - ein Betrug zu seinen Gunsten und zudem ausgleichende Gerechtigkeit, dachte Don Curry. Aber er bestand auf den Ausländerzuschlag von 80 Rubeln (= 1,10 €), um damit seinen kleinen  Beitrag zum Erhalt dieser wunderbaren Kulturschätze zu leisten. Und diese Kirche erwies sich unbestritten als wunderbar. 

Pantokrator
Barocke Fresken

Don Curry hatte noch nie eine orthodoxe Kirche mir fast kompletter Wandbemalung im Barockstil gesehen, doch hier konnte er genau das bestaunen. Im Chorbereich gab es sogar noch einige alte Fresken im klassisch-orthodoxen Stil zu bewundern. Am meisten faszinierte ihn im Narthex eine Darstellung der göttlichen Dreifaltigkeit, umgeben von Hunderten Engelsgesichtern - ein wirklich erfülltes Himmelreich!

Himmelreich

Nun ging es konsequent nach Norden, im Prinzip folgte Don Curry dem Verlauf des Flusses Volkhov. Kurz bevor der in den Ladoga-See mündet, liegt das kleine Städtchen Staraja Ladoga mit seiner großen Geschichte. Denn hier hatte der Wikingerfürst Rurik seine erste befestigte Siedlung im Gebiet des heutigen Russland gegründet. Später erfolgte 200 km flussabwärts die Gründung der ersten Stadt, Nowgorod. Staraja Ladoga blieb über die Jahrhunderte vor allem Festung, die immer wieder erneuert und massiver ausgebaut wurde, um den technischem Fortschritt bei Belagerungswaffen stets kompensieren zu können. 

Festung von Staraja Ladoga

Innerhalb der heutigen Mauern liegen eine kleine mittelalterliche Kirche mit schönen Fresken und eine noch kleinere Holzkirche, die als Museum dient. Leider war die steinerne Georgskirche verschlossen, vermutlich um die empfindlichen Malereien vor dem feuchten Wetter zu schützen. 

Holzkirche in der Festung

So fuhr Don Curry bald weiter, zunächst am Südufer des riesigen Ladoga-Sees entlang, dann weiter nördlich durch das breite Gebiet zwischen Ladoga- und Onega-See. Die Landschaft hatte sich merklich gewandelt, und mit ihr die Vegetation. Hier begann das Land der weiten Wälder, der zahllosen Seen und der sanften Hügel. Alles wirkte sehr skandinavisch, Finnland liegt schließlich gar nicht weit entfernt. 

See in Karelien

Die Wälder wurden von gewaltigen dunklen Nadelbäumen gebildet, immer öfter aber auch von Birken mit ihrem hellen Laub. Doch es waren viel größere Bäume, als Don Curry aus seiner Heimat kannte. Da waren Birken eher zarte Bäumlein, die nicht allzu viel her machten, hier dagegen wuchsen sie mächtig in die Höhe, entwickelten dementsprechend massive Stämme - und sie traten massiv auf: Egal wohin Don Currys Auge fiel: alles war unglaublich birkenreich.

Schnurgerade durchs Birkenreich

Nach insgesamt über 500 km Fahrtstrecke kam er schließlich müde und hungrig in Petrosawodsk an, der Hauptstadt der Republik Karelien. Hier lag sein vorgebuchtes Hotel Karelia fast direkt am Ufer des Onega-Sees. Der Reiseführer "Lonely Planet" hatte dem Gebäude den Charme einer "Privatklinik für Wohlhabende" bescheinigt. 

Hotel "Karelia"

Der hoch gebaute Kasten war eben ein typisches Intourist-Hotel aus sowjetischen Zeiten. Inzwischen hatte man es längst renoviert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Don Curry war durchaus positiv überrascht, auch weil man es bei der Zimmerzuteilung sehr gut mit ihm gemeint hat. Er bekam sein gebuchtes Apartment im 9. Stock, dem zweithöchsten, der grandiose Blicke auf den Onega-See verhieß. Das Apartment erwies sich sogar als vollgültige Ferienwohnung: Wohnzimmer mit abgetrennter Küchenzeile, Balkon mit direktem Seeblick, und auch das Schlafzimmer verwöhnte mit einer Panorama-Fensterfront von Wand zu Wand, die ebenfalls auf den See und Teile der Stadt hinausschaute. Außerdem war alles leicht geheizt, weil die Außentemperatur inzwischen auf 8° C gefallen war. 

Was Don Curry nun brauchte war etwas Heißes, eine heiße Suppe etwa. Das Restaurant "Karelia" des Hotels "Karelia" hatte sich erstaunlicherweise auf karelische Küche spezialisiert. So konnte hier Don Curry zunächst eine karelische Fischsuppe "Pride of Onega" mit reichlich Süßwasserfisch aus dem gleichnamigen See als Aufwärmquelle nutzen. Danach gelüstete es ihn nach Wildschweinsteaks auf Moosbeerensauce mit Kartoffelpürreesäckckchen und arktischen Beeren; die Säckchen erwiesen sich als eine Art Filoteig, gefüllt mit Kartoffelpüree, Zwiebeln und karelischen Pilzen, der knusprig ausgebacken war. Lecker! Wobei die Moosbeerensauce etwas begrenzt vorhanden war. 

Wildschweinsteak karelisch

Dazu genoss Don Curry ein russisches Bier vom Fass: Heinecken ist russisch, war die Kellnerin überzeugt - die einzige Alternative wäre Guiness gewesen - und damit noch viel unrussischer. Als Multi-Digestiv wählte Don Curry ein Trio karelischer Schnäpse in der Herren-Version - natürlich alles in 0,05 - Größe: 

   - ein Wodka mit Wilderdbeeren und Moosbeerenblättern

   - ein Kräuterlikör auf der Basis von Heilpflanzen und dem hausgemachten Waldbeerentrank

   - und ein klassischer Bitter mit Preisselbeeren 

Alles genießbar, aber nicht spezifisch genug, um Eindruck zu hinterlassen. So verließ Don Curry zufrieden, aber nicht euphorisch das karelische Restaurant, um noch zum Ufer des Onega-Sees zu spazieren. 

Am Onega-See

Hier entdeckte er sogar etwas Sandstrand, wunderte sich über die hohen Wellen des Gewässers und fand sich im Wäldchen zwischen Hotel und See wieder einmal von Birken umgeben. Don Curry befand sich tatsächlich im birkenreichen Birkenreich.

Onega-See bei Nacht


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