Don Curry on Tour 4
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Don Curry und der georgische Wein

Veröffentlicht: 19.06.2023

Don Curry setzt bei seinen Reisen stets verschiedene Schwerpunkte. Er möchte ungewöhnliche Landschaften erleben, in die Geschichte des bereisten Landes eintauchen und möglichst viel von der kulturellen Einzigartigkeit erspüren. Zum letzteren aspekt gehören nicht nur alte Bauwerke oder Museumsobjekte, sondern auch das Alltagsleben der Menschen mit ihren diversen Ausprägungen. Besonders wichtig ist Don Curry dabei das Aufnehmen der kulinarischen Besonderheiten - und dieses "Aufnehmen" darf gern im buchstäblichen Sinne verstanden werden. Einem der außerordentlichsten Themen georgischer Kulinarik sollte er sich heute verstärkt widmen: dem Wein.

Nach geruhsamer Nacht im "The Wine Hotel" wollte Don Curry zunächst erkunden, wo ihn das Frühstück erwartete. Die überraschende Erkenntnis: direkt neben dem Weinkeller. Dort diente ein großer mit Tischen und Stühlen möblierter Raum nicht nur für Weinproben, sondern auch als Frühstücksraum. Zu den üblichen Bestandteilen der georgischen Morgenmahlzeit gesellte sich hier ein selbstgemachtes Würstchen samt - leider absolut fetttriefenden - Pommes frites.Wie immer konnte Don Curry nur einen kleinen Teil der überfordernden Angebots vertilgen. Er checkte aus und wollte sich Telawi widmen. 

Bereits gestern hatte er vom Restauran "Kapeloni" den Königspalast erblickt. Heute wollte er ihn besichtigen. Dazu musste er allerdings zuerst ein Ticket für das Telawi-Museum erwerben und brachte es nicht fertig, den erwartungsvollen Blick der Ticketkontrolleurin zu enttäuschen und direkt zum Palast davonzueilen. Also streifte er anstandshalber durch das gesamte (aber übersichtliche) Museum, um sich dann guten Gewissens dem Königspalast von Erekli II. widmen zu können.  Er war der letzte bedeutende König Georgiens Ende des 18. Jhdts. gewesen, sein Palast entstand allerdings völlig im persisch-orientalischen Stil und zeugt von der bereits schwindenden Macht Georgiens: er besteht nur aus 5 Raumen und 4 Verbindungsgängen. Einzig der Empfangssaal in der Mitte des Gebäudes bietet ein Mindestmaß an Prachtentfaltung.

Nur wenig später existierte Georgien komplett unter russischem Einfluss. Einer der herausragendsten Politiker seiner Zeit war Alexander Chavchavadse, der zum georgischen Hochadel gehörte und dessen Taufpatin Zarin Katharina II. von Russland war. Chavchavadse kämpfte sogar bei einigen Schlachten gegen Napoleon mit. Später ließ er sich in Tsinandali nieder und dort ein umfangreiches Landhaus erbauen, umgeben von einem großen Park im englischen Stil. Berühmt wurde Chavchavadse auch, weil er erstmals Methoden westeuropäischer Weinproduktion mit georgischen Trauben kombinierte. Noch heute gilt das Weingut seiner Familie als eines der renommiertesten im Land. Dieses Landhaus mit Park stellte nun Don Currys nächstes Ziel dar. Während er den Königspalast mit nur wenigen anderen teilen musste, standen auf dem hiesigen Parkplatz Dutzende Reisebusse und andere Fahrzeuge. So touristisch hatte Don Curry Georgien noch nirgendwo erlebt. Beim Ticketschalter kaufte er sich das 0,60 € teurere Ticket, das auch ein Glas Wein aus der hiesigen Produktion beeinhaltete.

Angesichts der Besuchermassen verzichtete Don Curry auf die Führung durch das Gebäude; sie wäre sowieso auf georgisch gewesen. Viel spannender fand er den ausgedehnten Park mit seinen exotischen Bäumen und Gewächsen. Selbst Bambus kann in Georgien wunderbar wachsen. Ein Hecken-Labyrinth und natürlich eine reichliche Ausstattung mit Parkbänken sind weitere Annehmlichkeiten der Anlage. In einer hinteren Ecke fand Don Curry dank GoogleMaps einen riesigen, ausgedienten  Lenin-Kopf, der schon fast ganz mit Efeu überwachsen ist. Vielleicht sollte man das mal Herrn Putin erzählen: am Ende lande allen Gewaltherrscher auf dem Abfallhaufen der Geschichte! Nach ausführlicher Erkundung kehrte Don Curry zum Chavchavadse-Landhaus zurück, um im Erdgeschoss seinen Wein-Gutschein einzulösen. Eigentlich hatte er mit einem kleinen Plastikbecher billigen Hausweins gerechnet, doch er bekam stattdessen ein edles Glas des renommierten Tsinandali-Weins, für den das Gut Chavchavadse seit Jahrzehnten berühmt ist: ein wirklich fruchtiger, spritziger Weißwein. Der Ausschenker nahm sich Zeit und erklärte Don Curry viel zu den Besonderheiten georgischer Weine. Der gerade gekostete war nach europäischer Art entstanden und nur aus 2 Traubensorten verschnitten. Als Kontrast "schenkte" im der Weinspezialist noch ein kleines Gläschen eines Wein nach georgischer Art, aus 6 verschiedenen Traubensorten entstanden. Hier hatte Don Curry wieder eine fast orangene Flüssigkeit im Glas wie im Café Littera in Tiflis. Er fragte den Ausschenker, ob das ein Weißwein sei oder ein Rosé. "Weder noch", lautete die Antwort, "das ist ein Amber Wine, ein Bernsteinwein." Georgien hatte also tatsächlich eine ganz eigene Kategorie von Weinen geschaffen. Don Curry bedankte sich herzlich für die kleine Weinprobe und eilte Richtung Ausgang, da gerade wieder ein Regenschauer einsetzte. Da er durchaus eine gewisse Wirkung des gerade genossenen Weins spürte, beschloss er, den Magen auch mit fester Nahrung zu füllen. Um das Landgut liegen mehrere hochkarätige Hotels verteilt. Er wählte das Parkhotel und bestellte sich - völlig ungeorgisch - einen Chicken Burger. Nun konnte er gekräftigt seinem nächsten Ziel entgegeneilen.

Gestern sorgte der aufkommende Regen dafür, dass Dob Curry das Alawerdi-Kloster aus dem Programm gestrichen hatte. Heute setzte sich die Sonne klar gegen die Wolken durch und dem Besuch des wohl schönsten mittelalterlichen Klosters Georgiens stand nichts im Weg. Das sahen allerdings hunderte andere Menschen ganz genauso. Auch hier zeigte sich der Parkplatz übervoll mit Reise- und Kleinbussen. Doch Don Currys Augen richteten sich ausschließlich auf die monumentale Klosterkirche hinter den mächtigen Wehrmauern - alles im prallen Sonnenlicht vor dem Hintergrund des dunklen Kaukasus. Die Georgskirche aus dem 11. Jhdt. war mit ihren 51 Metern bis zum Jahr 2004 die höchste georgische Kirche überhaupt. Diese Diemsionen spürt man sofort im Innenraum, dr trotz der vielen Menschen weit und luftig wirkt. Hier strebt alles himmelwärts! Don Curry konnte sich kaum von der Kirche trennen, auch weil er mal wieder genötigt war, heimlich und unauffällig seine Fotos zu machen.

Jetzt stand noch das Kloster Neues Schuamta auf dem improvisierten Programm, doch kurz vor Erreichen des Ziels setzte abermals heftiger Regen ein; und abermals verschob Don Curry die Besichtigung auf später. Bereits am Vormittag meldete sich das Hotel Magdalena aus Mzcheta bei ihm mit der Frage, wann er ankommen werde. Er hatte eine Zeit zwischen 17:00 und 18:00 Uhr angegeben. Das sollte zu schaffen sein, meinte auch GoogleMaps. Auf ziemlich kurviger Strecke über den Gombori-Pass (1620 m) näherte sich Don Curry wieder Tbilisi, um es dann großzügig auf dem sogenannten Bypass Richtung Westen zu umfahren. Der Verkehr hatte sich längst verdichtet, und plötzlich stockte er ganz. Fast 30 Minuten stand Xerra eingezwängt zwischen 2 Lkw und kam nicht mehr voran. Erst einen Kilometer sollte Don Curry den Grund dafür erkennen. Ein Viadukt sollte eine neue Asphaltdecke bekommen und war daher nur einspurig befahrbar. Auf die Idee, den Verkehr durch diesen Engpass vernünftig zu regeln, kommt aber niemand; da müssen die Autofahrer selbst für sorgen. Also muss die gestoppte Richtung so lange warten, bis es bei der entgegenkommenden Fahrtrichtung irgendwann eine Lücke gibt. Darum die lange Wartezeit: 30 Minuten lang gab es keine Lücke. Und da sich die Fahrzeugansammlang auf seiner Seite nun kilometerlang angestaut hat, wird nun der Gegenverkehr entsprechend lange zu warten haben. Don Curry hatte dieses Nadelöhr bewätigt, würde nun aber doch deutlich nach 18:00 Uhr in Mzcheta ankommen.

Das gestern vorgebuchte Hotel Magdalena liegt mitten in der Altstadt, fast direkt bei der berühmten Swetizchoweli-Kathedrale, die zum UNESCO-Welterbe zählt. Dieser Vorteil für den Besichtiger Don Curry bringt einen heftigen Nachteil für den Autofahrer Don Curry mit sich, denn auch in Georgien sind Altstädte eng und eigentlich nicht für den Autoverkehr konzipiert. Dennoch quälte er Xerra durch die schmalen Gassen, bis er vor einem großen Tor stand. Vom "Hotel Magdalena" keine Spur. Ein Anwohner sprach ihn sofort an, er könne hier nicht parken, worauf Don Curry ihn nach dem gesuchten Hotel fragte. Beschwichtigt zeigte der Mann auf das große Tor und rief etwas. Eine Frauenstimme antwortete, und das Tor wurde geöffnet. Hier in diesem Innenhof fand Xerra ausreichend Platz und stand absolut sicher. Die Frau, vermutlich Magdalena, begrüßte Don Curry mit einigen Brocken Englisch und zeigte ihm sein Zimmer - leider ohne Blick auf die Kathedrale, aber gemütlich eingerichtet. Hier konnte es Don Curry gut für eine Nacht aushalten.

Nachdem er sich eingerichtet hatte, machte er sich gleich auf den Weg zur Kathedrale. Auch hier kündeten gewaltige Wehrmauern, wie sehr Georgien sich und seine Kirchen jahrhundertelang schützen musste. Araber, Mongolen, Perser, Osmanen - sie alle zogen immer wieder plündernd und verheerend durch das Land. Manchmal boten die dicken Mauern der Kirchen und Klöster der ganzen Bevölkerung den notwendigen Schutz. Durch ein Torhaus betrat Don Curry den großzügigen Innenhof und stand ihr gegenüber: der Hauptkirche der georgisch-orthodoxen Konfesson. Hier residiert auch der Katholikos-Patriarch, der höchste kirchliche Würdenträger. Der inzwischen 90jährige Ilia II. hat dieses Amt seit 46 Jahre inne und nach dem Ende der Sowjetunion einen großen Aufschwung seiner Kirche erleben können.

Noch mehr als als imposante Äußere beeindruckte Don Curry der Innenraum der Kathedrale. Die zentrale Apsis hinter der Ikonostase füllte ein riesiges Christus-Fresko, das die gesamte Kirche dominierte. Auch an anderen Stellen blieben mittelalterliche Fresken erhalten; in einem Seitenschiff fand Don Curry eine exakte Nachbildung der Jerusalemer Grabeskirche. Obwohl der Abendgottesdienst noch nicht beendet war, störte sich niemand an den vielen Besuchern, die in die Kirche strömten. Fotografieren war sogar ausdrücklich erlaubt. Don Curry sog intensiv die Atmosphäre dieses von Weihrauch, Kerzen und Gebeten erfüllten Raumes auf.

Doch ein primitiveres Bedürfnis führte ihn gedanklich zu anderen Besonderheiten georgischer Kultur zurück: er brauchte etwas Gutes zu essen und zu trinken. Bei GoogleMaps konnte das nahegelegene Restaurant "Check-in Garden" mit dem meisten Empfehlungen aufwarten. Also betrat Don Curry den eher nüchternen Gastraum, nur um gleich die Treppe runter in den Garten hinter dem Haus komplimentiert zu werden. Und hier breitete sich ein kleines Paradies aus. Mitten zwischen blühenden Bäumen und Blumen aller Art waren kleine Tischgruppen verteilt, die sehr gut besetzt waren. Dazu gab es Live-Musik von einer Sängerin samt Gitarristen. Die Atmosphäre hier ähnelte so gar nicht der gerade in der Kathedrale erfahrenen, aber auch sie tat gut und steigerte das Lebensgefühl. Don Curry beschloss, hier seine mittags begonnene Weinprobe fortzusetzen und mit Klassikern der georgischen Küche zu bereichern. 

Um diesmal die Reihenfolge der Speisen kontrollieren zu können, bestellte er zunächst nur eine Fischsuppe und ein Stück Maisbrot, dazu einen Rkatsiteli, die verbreiteste Weißweinsorte Georgiens. Auch wenn er außergewöhnlich lange auf die Suppe warte musste, versöhnte ihn das Ergebnis sofort: eine würzige klare Fischbrühe mit allerlei bissfestem Gemüse und großen Fischstücke, dazu passend das knusprige Maisbrot und ein kräftiger Wein. Sobald er die Suppe bekam, bestellte Don Curry seinen zweiten Gang: gebratene Hühnerleber in der Tonpfanne und den klassischen Tomaten-Gurken-Salat mit Walnuss-Dressing, ergänzt durch einen Kisi-Weißwein. Hier konnte vor allem die zarte, mit vielen Kräutern gebratene Leber überzeugen. Eigentlich hätte Don Curry gern noch einen Rotwein als eine Art Dessert genossen, doch allmählich leerte sich der gastliche Garten und die Nachtkühle kündigte sich spürbar an.

So ließ er sich nach dem Spaziergang entlang der gut ausgeleuchteten Kathedrale zufrieden in sein bequemes Bett fallen, freute sich über sein heute erworbenes theoretisches und praktisches Weinwissen und war sich bewusst, dass er morgen noch tiefer in die vielen Facetten der georgischen Kultur eintauchen würde. 


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