Tag 23 und 24 Aufenthalt in Tallinn
Am Morgen strömen die Passagiere von zwei Kreuzfahrtschiffen in die Stadt, so dass es in den Gassen der Altstadt fast kein Durchkommen gibt. Zum Glück hatten wir schon gestern...


Veröffentlicht: 12.06.2019
Mittwoch, 12. Juni: Nach vier Tagen Stadt, Kultur und Geschichte sind wir wieder auf dem Rad und auf der Straße. Es dauert ein wenig bis alles wieder rund läuft. Am Stadtrand von Tallinn Pumpe ich nochmals mein Hinterrad auf, und dabei geht das Ventil kaputt. Welch ein Glück, dass gleich nebenan ein Radgeschäft ist und ich im Handumdrehen einen neuen Schlauch eingesetzt bekomme.
Ziemlich lange führt ein neuer Radweg parallel zur Straße und wir kommen auch dank leichter Windunterstützung gut voran. Und es gibt auch keine Rampen mehr wie in Finnland. An der Küste halten wir kurz an und machen dann den Abstecher zur Holocaust Gedenkstätte beim Konzentrationslager Kooga. Beim Vorrücken der Roten Armee wurden dort im September 1944 2000 Gefangene ermordet. Es macht uns immer wieder sehr betroffen, wenn wir mit den Gräueltaten des Dritten Reichs konfrontiert werden.
Wir fahren weiter an die Küste, ein Stück nach Norden und bemerken zu spät, dass wir schon an der Stadtmitte von Paldiski vorbei sind. Dann gibt es den Kaffee eben an der Tankstelle und einen weiteren Halt am Kloster in Padise.Von dort ist es nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft. Wir haben ein großes Blockhaus ganz für uns alleine.
Es waren 105 km, angenehm zu fahren bei 15 bis 18 Grad.
Donnerstag, 13. Juni:
104 km, zwischendurch die Fähre von Haapsalu zur Insel Hiumaa. Zwei Mal gab es sintflutartige Regenfälle, jedes Mal konnten wir uns in ein Lokal retten.
Nachdem es am frühen Morgen ein Gewitter mit starken Regenfällen gab, ließen wir uns mit der Abfahrt Zeit und konnten bei trockenem Wetter und langsam ansteigenden Temperaturen losfahren. Bis Nova war es nicht weit. Von dort führte ein Waldweg zum Kap bei Spithami. Dort lebten wie im ganzen nordwestlichen Teil Estlands Schweden, die das Land vor dem Einmarsch der Roten Armee 1944 verließen. Nach der Unabhängigkeit erhielten die Familien das Land zurück. Die meisten verkauften es, einige kehrten zurück. Heute ist der kleine Ort eine Siedlung mit Ferienhäusern. Wir radeln gen Süden nahe an der Küste, die wir aber leider selten zu sehen bekommen. Dafür sehen wir bei einer Rast Will wieder. Wir haben ihn an der Fähre in Helsinki das erste Mal getroffen. Er ist Australier mit philippinischen Wurzeln und macht seine Tour nach Krakau auch zur Unterstützung geschiedener Väter, die sich für mehr Rechte im Umgang mit ihren Kindern einsetzen. Wir radeln zusammen bis Haapsalu. Will fährt zum Fährhafen, wir besuchen in Haapsalu die mittelalterliche Bischofsburg mit Domkirche. Im 19. Jahrhundert war die Stadt Ferienort der Zaren und der russischen Aristokraten. An die Blütezeit als Kurort erinnern das Kurhaus, der Musikpavillon, einige Jugendstil-Villen und das Sommerhaus von Tschaikowski.
Am Abend setzen wir mit der Fähre über auf die Insel Hiumaa. Unser Guest House liegt nah am Strand und wir baden noch in der recht warmen Ostsee.