Die Wanderschuhe sind geschnürt, der Rucksack ist gepackt. Direkt nach dem Aufbruch steuern wir auf das erste Highlight des Tages zu: die Nāhuku Lava Tube (Thurston Lava Tube). Es ist der perfekte Start am frühen Morgen, denn wir haben die riesige, unterirdische Höhle noch fast ganz für uns allein.
Als wir den beleuchteten Tunnel betreten, umhüllt uns eine angenehme Kühle. Vor Jahrhunderten schoss hier glühend heiße, flüssige Lava hindurch. Die Vorstellung, dass genau dort, wo wir jetzt stehen, einst unbändige Naturkräfte rasten, ist beeindruckend. Die Wände sind glatt und zeugen von den Kräften der Natur.
Nachdem wir das Tageslicht wiedererblicken, führt uns der Weg hinein in einen dichten, saftig grünen Regenwald. Riesige Urzeit-Farne säumen den Pfad, während die einheimischen Vögel ihr Lied singen. Der Kontrast könnte nicht größer sein: Auf der einen Seite das lebendige Grün, auf der anderen Seite der tiefe Krater, der vor uns auftaucht.
Wir beginnen den Abstieg über Serpentinen und Steinstufen. Schritt für Schritt lassen wir den Wald hinter uns, bis sich die Vegetation plötzlich lichtet.
Plötzlich stehen wir mitten auf dem Kraterboden des Kīlauea Iki. 1959 brodelte hier noch ein gigantischer See aus flüssigem Gestein, und Lavafontänen schossen hunderte Meter in die Höhe. Heute laufen wir über eine gigantische, tiefschwarze Fläche aus erstarrter Lava.
Der Boden ist wellig, an vielen Stellen aufgeplatzt und absolut still. Es fühlt sich an wie ein Spaziergang auf einem anderen Planeten. Wir folgen den aufgestapelten Steinen, die uns sicher den Weg über die riesige, weite Fläche weisen.
Am anderen Ende angekommen, wartet der knackige Aufstieg zurück zum Kraterrand. Insgesamt legen wir auf dieser Runde knapp 5,3 Kilometer zurück. Dabei überwinden wir rund 145 Höhenmeter im Ab- und Aufstieg.
Nach der Wanderung fahren wir direkt zum Kīlauea Visitor Center. Unterwegs fällt uns ein faszinierendes, aber auch etwas unheimliches Detail auf: In den Regenrinnen der Häuser sammelt sich feine, dunkle Lavaasche. Kein Wunder, denn erst vor wenigen Tagen ist der Kīlauea frisch ausgebrochen! Man spürt die aktive Kraft der Insel hier einfach an jeder Ecke.
Im Willkommenszentrum angekommen, setzen wir uns zusammen und füllen fleißig die Hefte für das Junior Ranger Programm aus. Diesmal machen wir es ganz offiziell: Die Kids legen sogar feierlich den Junior Ranger Eid ab! Ein genialer Moment – und ein weiteres glänzendes Abzeichen für unsere stolze Sammlung.
Der Magen knurrt mittlerweile ordentlich nach diesem ereignisreichen Vormittag. Für das Mittagessen haben wir uns einen ganz besonderen Ort ausgesucht: das historische Volcano House. Während wir unser Essen genießen, schauen wir durch die großen Panoramafenster direkt in den riesigen Halemaʻumaʻu-Krater. Was für eine Kulisse für eine wohlverdiente Pause!
Frisch gestärkt wartet das nächste Highlight auf uns. Wir lassen das Kraterplateau hinter uns und biegen auf die legendäre Chain of Craters Road ab. Diese Panoramastraße führt uns auf spektakulären Serpentinen über 1000 Höhenmeter hinab in Richtung Küste.
Bevor wir die Küste erreichen, halten wir häufig an den vielen Lookouts entlang der Strecke. An Aussichtspunkten wie den tiefen Einsturzkratern des
Puhimau und
Pauahi Crater wird uns erst richtig bewusst, wie gewaltig diese Landschaft ist. Wir blicken über riesige Felder aus erstarrter Lava, die aus ganz verschiedenen Jahrzehnten stammen. Die weiten Blicke über das tiefblaue Meer im Kontrast zum pechschwarzen Gestein sind einfach atemberaubend.
Weil uns das Schauen von den Aussichtspunkten allein nicht reicht, nutzen wir die Gelegenheiten für wunderschöne, kleinere Wanderungen abseits der Straße.
Unser erster großer Stopp bringt uns ganz nach unten, dorthin, wo die Straße abrupt endet – gnadenlos verschluckt von der Lava einer jüngeren Eruption. Hier an der rauen Pazifikküste machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum gigantischen Hōlei Sea Arch. Dieses mächtige Felstor ragt stolz aus dem tiefblauen, wilden Ozean empor. Die Wellen peitschen mit einer unglaublichen Wucht gegen das schwarze Gestein.
Da die Straße hier eine echte Sackgasse ist, treten wir im Anschluss den Rückweg bergauf an. Auf dem Weg zurück Richtung Parkeingang halten wir für unsere zweite kleine Wanderung: die Puʻuloa Petroglyphs. Der Pfad führt uns über ein welliges, jahrhundertealtes Lavafeld. Am Ziel angekommen, stehen wir vor tausenden, in das Gestein geritzten Symbolen der alten Hawaiianer. Zu sehen, wie die Ureinwohner hier ihre Geschichten hinterlassen haben, ist beeindruckend.
Zwei absolute Kontraste an nur einem Tag: Erst das Herz des Vulkans auf dem Kraterboden, dann die spektakulären Lookouts, die wilde Küste und die uralte Kultur. Schließlich lassen wir den Nationalpark hinter uns und fahren weiter nach Hilo. Die Fahrt dorthin führt uns raus aus den rauen Vulkanlandschaften und hinein in die tropisch-grüne Ostküste.
In Hilo steuern wir direkt unsere letzte Unterkunft dieser unvergesslichen Rundreise an: ein wunderschönes, modernes Apartment, das absolut keine Wünsche offenlässt. Nach den Tagen voller Wanderungen und Natur pur tut es unglaublich gut, die Beine hochzulegen und alle Annehmlichkeiten zu genießen – von der perfekt ausgestatteten Küche für ein gemütliches Abendessen bis hin zum bequemen Bett. Hier werden wir die letzten Tage unseres Hawaii-Abenteuers in vollen Zügen genießen.