Veröffentlicht: 24.09.2023
Der kleine Strand in Göbü am Schwarzen Meer war das, was man wohl findet, wenn der Finger irgendwo auf dem Globus hängen bleibt. Die Bergarbeiterbahn hat uns ausgespuckt und nach wenigen Metern standen wir an einem echt lieblosen Strand mit einem Campingplatz der eher ein Schotterparkplatz war. Kurzentschlossen wurde das Zelt an einem einigermaßen netten Strandstück neben türkischen Campern aufgeschlagen und die kleine Bar hat mit mehreren Bier und nettem Typ alles wieder gut gemacht. Nacht am Strand, erste Reihe, Wellenrauschen, Hunde die uns bewachten und früh baden – wirklich schön, man muss den Fokus nur richtig setzten.
Der nächste Tag (ohne Frühstück, aber keine Sorge Robert hatte rosa Kekse) startete mit einem Zug, der nicht kam. Die Frauen, die mit uns warteten schrieben uns per Translator „Die Gans hat jemanden im Dorf getroffen“ 😉 und deuteten, der Zug kommt, wenn Allah will – er wollte zwei Stunden später und brachte uns zum Mittag in die Dorfkantine, wo sich liebevoll um die verhungerten Deutschen gekümmert wurde. Weiter gings an Meer nach Amasra und dort sind wir frisch geduscht von Akin am Strand in gutem Hessisch gefragt worden „Wo kommt ihr denn her?“. So war der Abend geklärt, seine Frau Sani hat Bootsfahrt, Stadtbummel und das beste Fischrestaurant angesagt und wir haben die doppelt heimische Begleitung sehr genossen.
Es war schnell klar, wir sind hier mit echten Gastarbeitern der zweiten Generation unterwegs, die im Bergbau und bei Primark ihre Brötchen verdienen und absolute Erdoganfans sind. Einfach mal zuhören, nachfragen statt zu bewerten und die andere Perspektive sehen, das gelingt uns hier gut. Es war ein wirklich schöner Abend, auch wenn wir nicht alles teilen.
Und dann kam die ganz große Herausforderung – einen Tag nichts tun – einfach bei Tee abwarten bis abends der Bus uns weiter die Schwarzmeerküste entlangfährt. Okay wir haben es nicht geschafft und Yoga gemacht, über Felsen geklettert, gelesen, geplant, telefoniert, ... – wir arbeiten an uns.
Best-of: Delfinen zuschauen, dort wo sie leben
Lecker: DER FANGFRISCHE FIIISSSCH
Neues: Die türkischen Bergarbeiter in NRW kommen alle aus der Ecke, weil es auch hier Bergbau gab. Deshalb gibt es auch einen Miniflughafen, der täglich NRW bedient.
Kathleen
