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22.03.23

Veröffentlicht: 13.04.2023

Nach dem spärlichen Brot-und-Marmelade-Frühstück lege ich mich wieder ins Bett bis mittags.

Mittags schlendern Porter und ich durch die Innenstadt und weichen den unzähligen Kackhaufen aus, die die vielen freilaufenden Hunde überall hinterlassen.

In einem peruanischen Restaurant wird uns hervorragendes Ceviche serviert. Anschließend laufen wir zum Strand, vorbei am riesigen Containerhafen (bis vor einigen Jahren das benachbarte San Antonio die Führung übernommen hat, war Valparaiso der größte Containerhafen Chiles, insbesondere zwecks Export von Obst und Gemüse nach Europa).

Am Strand Las Torpederas sind viele Einheimische. Einige esoterisch wirkende Ausländerinnen haben einen großen Sitzkreis gebildet und verbrennen übel riechende Kräuter in ihrer Mitte. Eine ältere Frau ruft ihnen Beschimpfungen zu und bezichtigt sie der Gotteslästerung.

Porter und ich lassen uns am Strandcafe nieder und bestellen Empanadas. Meines soll angeblich mit dem eigentlich lecker schmeckenden Reineta gefüllt sein, aber aus dem Empanada quillt eine vor fett triefende, undefinierbare Hackfleischmasse heraus. Wahrscheinlich die Überreste des Reineta kleingehechselt. Ich hoffe das ich keine Lebensmittelvergiftung bekomme. Auf dem Rückweg will mir ein Jugendlicher pinkes Pulver andrehen, es sei super, er habe es selbst getestet, was man ihm auch zweifelsohne ansieht. Als ich ihm klarmache, dass ich nicht auf Chemie stehe, fängt er an von seinem Kumpel zu erzählen, der auf dem Moped verunglückt ist.

Wir fahren mit dem Bus zurück in die Innenstadt und genießen die Ausblicke von den verschiedenen Hügeln. Manche sind auch per ascensor (Aufzug, der mit Gegengewicht arbeitet) zu erklimmen, die es schon seit dem 19. Jahrhundert in der Stadt gibt. Auch Valparaisos Blütezeit ging mit der Eröffnung des Panamakanals zu Ende, wie in Punta Arenas.

Auf dem ehemaligen Gefängnishügel ist heute ein Park angelegt. Auch steht dort das älteste Gebäude Valparaisos, ein ehemaliges Waffenlager der Spanier, später umfunktioniert zum Zellentrakt.

Eine Gruppe Studierende führt mit mir ein Interview zum Thema Recycling durch. Ich berichte ihnen vom Recycling-Eldorado Deutschland und beklage mangelnde Informationen bzw. Möglichkeiten zum Recycling in Chile.

Zum Abendessen decken wir uns beim Traditionsbäcker ein, den es schon seit 1811 gibt, aber sehr mäßig schmeckt.

In der Kneipe gibt es Chilada bzw. Michilada. Eine 1l Bierflasche wird geteilt, die Gläserränder werden vorher in Zitronen- oder Limettensaft getunkt und anschließend in Salz bzw. Merqen, ein scharfes Räucherpaprikapulver, welches die Chilenen zu ziemlich allem essen. Bei Michilada, der angeblich mexikanischen Variante wird das Bier außerdem mit scharfer Soße versetzt. Alles in allem hohe Sodbrennengefahr und nicht wiederholenswert. Im Hostel angekommen gibt es noch mehr Bier mit den Volontären, mit denen ich erfreulicherweise mein Spanisch benutzen kann, da sie alle aus Argentinien, Chile oder dem Baskenland kommen.

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