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Erste Übernachtung

Veröffentlicht: 30.07.2026

Spaziergang
Pfäffikon ZH → … → Rapperswil
25 km · 6h 30m
Unterkunft
Pilgerherberge in Rapperswil
2 Nächte · Rapperswil
Essen
Pilgerherberge Rapperswil
$ · Abendessen
Sehenswert
Zürisee
Rapperswil, Switzerland
Sehenswert
reformierte Kirche Pfäffikon
Pfäffikon, Switzerland

Tag 6  / 27.Juni 2026 Schaffhauser-Zürcherweg (Pfäffikon ZH - Rapperswil (SG)

Heute startete ich ausnahmsweise nicht in aller Herrgottsfrühe. Der Morgen war noch mit Terminen gefüllt, bevor ich mich endlich in den Zug Richtung Pfäffikon ZH setzen konnte. Und was soll ich sagen? Endlich einmal ein Startort, den man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreicht. Manchmal beginnen meine Etappen in Dörfern, die zwar wunderschön gelegen sind, aber gefühlt nur alle drei Stunden von einem Postauto angefahren werden. Diesmal war alles angenehm unkompliziert. Die Route war sehr klar. Vom Bahnhof Pfäffikon ZH nach Rapperswil (SG) geht es immer in Richtung Süden und oft Gewässern entlang. Verlaufen ist fast unmöglich. So mag ich das. Um 11.00Uhr lagen also 25km vor mir. Gut machbar, weil keine starken Steigungen vorhanden. Der Rucksack war etwas schwerer beladen als sonst, schliesslich wollte ich zweimal übernachten. Dazu kamen meine neuen, etwas zu grossen Trailrunningschuhe. «Füsse schwillen bei längerem Gehen an, das müsse so sein!» meinte die Verkäuferin. Na, das kann ja heiter werden!

Ich freute mich darauf, in der reformierten Kirche in Pfäffikon einen weiteren Pilgerstempel abzuholen und steuerte als Erstes auf diese zu. Es war schon wieder eine Bullenhitze und in der Kirche war es angenehm kühl. Aber wo ist denn nun besagter Stempel? Manchmal liegen sie am Eingang gut sichtbar auf, baumeln in irgendeiner Ecke an einer Schnur oder sie wohnen in einer winzigen Schublade, die aussieht, als wäre sie seit der Reformation nicht mehr geöffnet worden. Als ich schon enttäuscht aufgeben wollte und mir die Flyer in der hintersten Ecke durchsah, fand ich zwischen ihnen kleine Sticker, die wohl zum Einkleben gedacht waren. «Wie hässlich!», dachte ich und musste gleich laut lachen. Zwischen all den liebevoll gestalteten Stempeln in meinem Pilgerpass wird dieser Sticker künftig aussehen wie ein Ketchupfleck auf einem Hochzeitskleid. «En richtige Tolge im Reinheft».

Kaum wieder draussen meldeten sich dann auch meine neuen Schuhe zu Wort. Bei jedem Schritt rutschten meine Fersen leicht nach oben. Grossartig. Also setzte ich mich an den Wegrand und bastelte mit kleinen Silikonstreifen an meinen Füssen herum. Das Ergebnis war ungefähr so überzeugend wie ein Pflaster auf einem Wasserrohrbruch. Es wurde zwar etwas besser – aber eben nur etwas. Der Weg führte schattenlos dahin. Die 27Grad, welche ja eigentlich nur im Schatten gelten würden, verlangten mir einiges ab. Ein Sprung ins kühle Nass hätte auch nichts gebracht, die Wassertemperatur betrug ebenfalls 27 Grad. Und entweder lag alles im Naturschutzgebiet und die Ufer waren zugewachsen, oder es gab öffentliche Badeanstalten, die ich nicht besuchen wollte. Zudem sass mir die Zeit ein wenig im Nacken. Vor 19 Uhr wollte ich in Rapperswil ankommen, und gute sechseinhalb Stunden reine Gehzeit lagen noch vor mir. Die ersten Kilometer führten durch endlose traumhafte Schilflandschaften. Später wich der Naturweg leider dem Asphalt. Und seien wir ehrlich: Einer Strasse entlangzumarschieren gehört selten zu den Höhepunkten einer Pilgerreise. Die Motivation war sehr angekratzt, aber was will man machen. Dann kam Bubikon. Und plötzlich war alles wieder gut. Diese Gegend ist einfach wunderschön. Bauernhöfe, Wiesen, ein Moorsee – und überall Hibiskus. Wirklich überall. Ich habe noch nie ein Dorf gesehen, in dem so viele Hibiskussträucher blühen. Das Dorf müsste Hibiskus heissen! Das Dorf IST Hibiskus! Ich bin bis heute überzeugt, dass irgendwo in Bubikon ein geheimer Hibiskus-Grosshändler lebt. Anders kann ich mir diese Blütenexplosion nicht erklären. Für einen Moment fühlte ich mich eher wie in der Toskana als im Zürcher Oberland.

Auf dem Weg begegneten mir viele Tiere. Besonders erfreuten mich die Störche auf den Feldern und die Schwalbenschwänze, die hatte ich ewig nicht mehr gesehen. Ich fühlte mich so frei und glücklich auf diesem Abschnitt – unbezahlbar! Genau solche Augenblicke sind es, die man nicht planen kann. Kleine Momente, die man in den eigenen vier Wänden nicht erlebt. Genau deswegen ziehe ich immer wieder los. In Jona vor dem Abstieg nach Rapperswil wird man mit einer fantastischen Aussicht belohnt. So gerne hätte ich auf diesem Hügelzug eine Rast gemacht. Aber der Sonnenberg heisst wohl nicht umsonst Sonnenberg, es gab auch hier keinen noch so winzigen Schattenfleck. Es hat mich buchstäblich «schier putzt» vor Hitze und so langsam ging mir auch das Wasser aus. Mein Körper war mittlerweile im Modus „Bring mich einfach irgendwohin, wo es kühl ist.“ Ich war froh, als ich nach knapp 50Minuten Rapperswil erreichte.

Zum ersten Mal wollte ich in einer Pilgerherberge übernachten und ich war ein bisschen aufgeregt, als ich nach 7 Stunden an der Türe klingelte. Dies war unbegründet, ich wurde sehr herzlich vom Hergbergspärchen empfangen. Als ich nach einer Führung den Pilgerpass vorlegte, um den Stempel zu erhalten, hiess es: »Zerscht de Chölä!» Der über 70-jährige Herbergspapi musste auch schon Zechprellern hinterherrennen. «Unschön in meinem Alter» zwinkerte er mir zu. Ich mochte ihn auf Anhieb. Für gerade mal Fr.20.- erhielt ich ein bequemes Bett und durfte alle sanitären Anlagen benutzen. Und für weitere 10.-Fr. kochte die Herbergsmutter einen ausgesprochen feinen veganen «Znacht». Cazpacho und Risotto mit selbstgesammelten Pilzen standen auf der Speisekarte. Vorher schaute ich mir noch ein bisschen Rapperswil an und setzte mich an den Zürisee und gönnte mir einen gespritzten Weisswein. Der kostete fast doppelt so viel wie mein komplettes Abendessen. Diese Unverhältnismässigkeit bereitete mir Unbehagen und ich beschloss, ein gutes Trinkgeld in der Herberge liegen zu lassen. In dieser war ich nicht allein. Eine fünfköpfige Wandergruppe aus Deutschland machte ebenfalls Halt. Sie pilgerten zwar nicht auf dem klassischen Jakobsweg, waren aber acht Tage mit dem Rucksack durch die Schweiz unterwegs.

In dieser Fünfergruppe war der ganze Querschnitt der Menschheit vertreten. Wie in jeder Gruppe waren alle Rollen besetzt: Der «Quasli», der Witzbold, der Ruhige, der Gescheite und natürlich der leicht Mürrische. Die Gruppe war wunderbar und wirklich super. Trotzdem verabschiedete ich mich nach dem Essen ziemlich schnell, ich hatte einfach zu viel Sonnenhitze abbekommen. Während nebenan der Rotwein floss und gelacht wurde, schluckte ich eine Kopfschmerztablette und verschwand ins Bett. Dem Mürrischen ging es wohl wie mir, auch er legte sich früh schlafen. Vielleicht war er gar nicht mürrisch – vielleicht war er einfach nur ausgelaugt und wollte Kraft für den nächsten Tag tanken. Ich jedenfalls schlief wie ein Herrgöttchen.

Erkenntnis des Tages:

Kauf Schuhe in der richtigen Grösse!

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
1 Tag
Wetter
Sommer · 27–27°C
Begleitung
Allein
AbenteuerlichEntspannendKulturell
  • Pilgerstempel in der reformierten Kirche Pfäffikon
  • Bubikon mit Moorsee und Hibiskus
  • Aussicht vor dem Abstieg nach Rapperswil
  • erste Übernachtung in einer Pilgerherberge
  • veganes Znacht mit Cazpacho und Risotto
TrailrunningschuheSilikonstreifen für die FersenRucksack
NaturStadtTransitEssenAbenteuer
  • Übernachtung in der Pilgerherberge20 CHF
  • veganes Abendessen10 CHF
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