Rekordhitze im Juni
Tag 4 / 27.Juni 2026 Schaffhauser-Zürcherweg (Neftenbach – Kyburg) Um 5 Uhr klingelte mein Wecker. Eigentlich wäre ich gerne früher wieder pilgern gegangen. Aber dieser


Veröffentlicht: 14.07.2026
Tag 5 / 27.Juni 2026 Schaffhauser-Zürcherweg ( Kyburg -Pfäffikon ZH)
Heute klingelte mein Wecker bereits um 4.00Uhr morgens. Ich wollte den 5.15Uhr Zug in Schaffhausen erwischen, was auch gelang. Ich wusste, heute würde es wieder sehr heiss werden, wenn auch nicht gleich 38 Grad wie beim letzten Mal. Mein Rucksack war fast so schwer bepackt, wie wenn ich später wochenlang in der Ferne wandern würde. Mein Plan war, eventuell das erste Mal eine Übernachtung einzuplanen, um am nächsten Tag nach Rapperswil weiterzuziehen.
Um 6.30Uhr startete ich also bei der Kyburg erstmal in Richtung Pfäffikon (ZH) in flachem Gelände. Heute kam ich nicht in den Tritt und seltsamerweise trug ich schon von Beginn an eine irre Hitze in mir. Auch die Energie vom letzten Mal war nicht vorhanden. Also stapfte ich los, Schritt um Schritt, mit der Kyburg im Rücken. Ein schöner Anblick! Nach einer Stunde schaute ich mich hin und wieder nach einer Bank um, bei der ich rasten und mein Sandwich frühstücken könnte. Aber da war nichts. Auch Stunden später nicht, es war wie verhext. So gut wie der komplette Weg dieser Etappe führt durch unbeschattetes, landwirtschaftliches Gelände und kleine Dörfer. Eigentlich ein schöner Weg zwischen Feldern, aber warum auch immer konnte ich ihn nicht geniessen. Da gab es keine inneren philosophischen Gedanken, keine besonderen Wahrnehmungen und auch keine spannenden Begegnungen – und schon gar keine rettende Bank im Schatten. Nur stumpfes Gehen. Ich versuchte ab und zu zu rasten und setzte mich irgendwann einfach an den Wegesrand. Noch bevor ich den Rucksack öffnen konnte, war mein ganzer Körper mit Ameisen übersäht und ich musste flüchten. Das gleiche passierte noch einmal mit einer «Brämeninvasion». Was ein seltsamer Tag.
Nach drei Stunden - die Hitze drückte inzwischen unbarmherzig, hielt ich unter einem Busvordächlein und trank endlich ein paar Schlucke. Mir fiel auf, dass ich kein bisschen schwitzte, wie seltsam, wo ich doch innerlich überkochte. Eigentlich war der Weg easy zu gehen. Kein extremes auf und ab und trotzdem empfand ich ihn als die anstrengendste Etappe bisher. Die beste Begegnung an diesem Tag war die mit Schweinchen auf einem Feld, die sofort auf mich zu gerannt kamen, als sie mich erblickten. Sie hätten bei der Hitze wohl auch gerne ein Schlammloch zum Suhlen gehabt, aber bei der Dürre gibt es halt keinen Schlamm. Irgendwann erreichte ich den Punkt, der durch ein Miniwäldchen nach Pfäffikon hinabführt. Endlich! Ich soff wie eine Kuh meine Getränke in einem Zug leer und biss einige Stücke von meinem Sandwich ab und durfte mich endlich ohne lästiges Getier setzen. Fortan ging es etwas leichter.
Die Etappe endet genau beim Bahnhof und in drei Minuten würde mein Zug zurück nach Hause fahren. Ohne nachzudenken, hüpfte ich sofort rein, ich besuchte nicht mal den Pfäffikersee oder die Kirche für den Pilgerstempel. Heute war einfach nicht mein Tag, ich hatte genug und wollte nur nach Hause. Um 12.00Uhr war ich schon wieder daheim und fühlte mich schrecklich. Mir war übel und schwindelig und der Nacken war extrem verspannt. Später las ich, dass es ein Alarmzeichen des Körpers sei, wenn man bei hohen Temperaturen nicht schwitzt. Ich hatte mir wohl einen leichten Sonnenstich eingefangen und ich war froh in diesem Zustand in meinem eigenen Bett im Dunkeln liegen zu können. Die nächsten Etappen werde ich erst wieder in Angriff nehmen, wenn die Temperaturen tagsüber unter 30Grad bleiben. Denn in Richtung Einsiedeln geht es viele Höhenmeter, ebenfalls ziemlich schattenlos hinauf. Ich freue mich trotzdem schon jetzt darauf! (AMA)
Erkenntnis des Tages: Hör auf deinen Körper!
