Ich verliere mich im Grün. Der Bus hat uns hierhergebracht, irgendwohin zwischen Bergen und Reisfeldern, und plötzlich ist die Welt leiser, weicher. Wir treten in die Hitze hinaus, gehen auf Risiko und bestellen den Kokosnusskaffee mit Eiswürfeln. Er ist noch halbvoll, da klebt uns der Schweiß am Rücken. Die Luft ist dick, manchmal zu schwer und voller Leben. Ein Dorf. Ein Webstuhl. Ein Lächeln – ist das für uns Touristen oder doch echt?
Grün.
Ich trete in die Pedale, die Straße ist staubig, glänzt nur an manchen Stellen noch feucht vom letzten Schauer, und dann kommt der Regen. Heftig, warm, wie eine Umarmung, die ich hier so oft vermisse. Wir sind uns des Weges so unsicher, dass wir nass werden - und das ist gut so. Wir machen ein Selfie, auch wenn ich den Moment eigentlich nicht festhalten muss, weil er längst in mir bleibt. Und so mittendrin – im Regen, im Grün, im Lachen anderer und meinem – umarmt mich manchmal diese stille Traurigkeit, steigt auf wie der Nebel nach dem Regenschauer. Ich kann sie nicht richtig greifen, weil sie nichts Konkretes will, nur da sein.
Grün.
Der Regenbogen überstrahlt das Tal und übermalt farblose Stellen in mir. Ich denke, manche Begegnungen sind schön wie ein Regenbogen: Leicht und einfach da wie das Licht, sich ab und an brechend, wenn man eine Grenze übertritt, und dann wieder verschwindend. Die Welt ist in Wassertropfen getunkt, ich laufe ein paar Schritte, erst zu zweit, dann alleine. Über Pfützen springen, dazu bin ich leicht genug. Die Hunde sehen mich genauso erstaunt an wie ich die Umgebung.
Grün.
Abends sitzen wir zusammen, die Köpfe müde, die Worte leicht, Pläne für die morgige Wanderung. Ein bisschen fühle ich mich wie in der fünften Klasse, wenn die Aufregung vor dem Wandertag zu zum Teil kuriosen Fragen führt und manchen fast das Schlafen verhindert. Das bringt mich zum Lachen und, als ich es ausspreche, die anderen auch, zum Glück ist mir der "Schüler" mit dem meisten Fragen nicht beleidigt. Ich helfe dabei, Mückennetze aufzuspannen.
Grün.
Nachts geht der Strom aus, die Temperatur bleibt dadurch noch hartnäckiger. Ich bin genauso out of order wie die Elektrik, schlafe und bekomme nichts davon mit, nicht Mal als kurz die Erde bebt. Ich wache auf, und die Welt ist noch da. Wir laufen, immer weiter, Hitze, Schritte auf dem Weg, ein bisschen durch das Dickicht, immer noch Hitze, ein Fluss durchtränkt mein T-Shirt, meine Haare kühl und frei im Wasser.
Grün.
Nach der Pause ein Berg, Steigung, noch mehr Schweiß auf der Stirn wenn das möglich ist. Ich fühle mich so empfindlich wie die Mimose am Wegesrand. Dann Ankommen. Eine Dusche, ein Swimmingpool, eine Massage, die Katze streicheln. Das Gefühl, alles abzustreifen.
Grün. Grün. Grün.