châteaugeschichten
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Wenn du schon mal an der heimischen Ostsee gewesen bist, wirst du sie kennen: die Hühnergötter - oder allgemeinverständlicher: Steine mit Loch... Du läufst stundenlang am Ostseestrand entlang, bückst dich viele hundert Male und stellst fest, dass da doch kein Loch im Stein ist. Große Freude, wenn dann eeeendlich einer gefunden ist und als Glücksbringer an den alten Haustürschlüssel kommt. Oder wenn dir Fortuna so unendlich hold ist, mehrere zu finden, die fein säuberlich an einer Schnur aufgefädelt in der "Bringt-super-viel-Glück-Ausführung" an der Haustür aufgehängt werden.

Commes

Auch in der Normandie ist dieser alte Brauch bekannt - nur mit dem Unterschied, dass die Hühnergötter hier zu Hunderten am Steinstrand liegen und wir sie nur aufsammeln müssen. Viel anstrengender ist es hinterher, aus dem Berg die schönsten herauszusuchen und zu bestimmen, welcher Talisman nun für welches kleine Glück zuständig ist...

Longues-sur-Mer

Über einen holprigen und engen Küstenweg sind wir am Strand angekommen und baden uns erstmal in den sanften Wellen den Schweiß der Klettertour vom Leibe. Dann starten wir die Suche: abwechselnd quietschen wir vor Freude, wenn wir einen gefunden haben, halten ihn fröhlich in die Höhe und schauen uns durch das Loch im Gott verliebt an.

Gerade will ich mich wieder bücken, um einen besonders rundes und rotbraunes kleines Objekt aus den Kieselsteinen zu sammeln, da werde ich so grob an meinem rechten Arm nach hinten gerissen, dass mir vor Schmerz die Tränen in die Augen schießen!!! Handgranate!!! brüllt mir die Maus aufgeregt ins Ohr! 

...Handgranaten!

Wir machen beide einen gehörigen zwei-Meter-Satz nach hinten und werfen uns vor lauter Schreck und Angst vor einer ohrenbetäubenden Detonation des Splittersprengsatzes mit abgerissenen Armen und Beinen zu Boden***. Noch mit dem Gesicht im Kies zähle ich langsam bis zwanzig..., als dann immer noch kein lauter Donnerschlag passiert, nehme ich mein Gesicht wieder aus dem Dreck.

Überall alter Nazi-Scheiß

Genau hier in der Normandie fanden im zweiten Weltkrieg die erbitterten Kämpfe der alliierten Landungstruppen statt und neben den alten Bunkern des West-Atlantik-Walls liegt hier trotz vieler Suchaktionen noch eine Menge alter Munition und ähnlichem Gedöns herum, das einem, falsch behandelt, auch nach 80 Jahren noch gern und mit voller Begeisterung kräftig um die Ohren fliegt.

Wie gut, dass die Maus in einem Landstrich aufgewachsen ist, in dem die Russischen Streitkräfte einst auf Berlin anrückten und jedes Schuljahr mit einer Belehrung begann: rostige Metalldinger, die im Boden liegen niieeeeee!!! anfassen und den ABV benachrichtigen!

Ich überlege, wie wir am besten den französichen Kampfmittelräumdienst über unseren "bombastischen" Fund unterrichten - doch vorher robbe ich, sehr zur Belustigung der Maus noch mal über den Kieselstrand an den vermeintlichen Blindgänger heran...

Uuuunnnnd:

Entwarnung!

Bei genauer Betrachtung stelle ich fest: das ist nur noch die Hülle einer Eierhandgranate - Zünder und Sprengsatz sind schon vor vielen Jahren verloren gegangen oder artig entsorgt worden.

Glück gehabt..., das hätte auch anders ausgehen können.

Hühnergötter und...

Erleichtert betrachten wir nun unsere kleine Sammlung von Hühnergöttern und stellen uns dann die Frage: welcher war nun der Glücksbringer für gefundene Eierhandgranaten am Strand?

Vicq-sur-Mer

Ich werde nun vor meiner Lebensretterin für den Rest meiner Tage aus Dankbarkeit und inniger Verbundenheit auf dem Kieselstrand auf den Knien liegen und ihr alle Wünsche von den Augen ablesen!

***...Hier beim Tippen Frage der Maus: "Soll da noch Blut rein?" Meine Antwort: "Jaaaa! Viel Blut!"...

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