Chapter two 🤦🏼♀️
Chaos und Charisma.


Veröffentlicht: 12.07.2025
Ich weiß nicht, was schlimmer war: die Angst vor dem Flug in ein fremdes Land, beziehungsweise mein erster langer Flug auf die andere Seite der Erde oder der Abschied von meiner Mama. Vielleicht war es auch die Enttäuschung, dass ich meine volle Wasserflasche nach der Sicherheitskontrolle abgeben musste. ...und dass die Abgabe meiner vollen Wasserflasche eher ein Zeichen meiner Unwissenheit war, das mir vor Augen führte, dass ich es niemals in einem fremden Land schaffen würde. Mit meiner begrenzten Flugerfahrung machte ich mich schließlich auf den Weg zum Gate – im Sprintmodus, denn das Check-in hatte so lange gedauert, dass die drei Stunden, die ich früher angekommen war, wie im Flug vergangen waren, und das Boarding schon sein Ende fand. Eigentlich hatte ich vorgehabt, online einzuchecken – ein "Muss" im heutigen Zeitalter. Doch die App schien eher mit einem Betriebssystem aus dem Jahr 2015 entwickelt worden zu sein, als Marty McFly dachte, fliegende Skateboards wären Realität.
Am Gate angekommen, atmete ich erstmal tief durch und stellte mich meiner ersten Herausforderung mit meinem Schulenglisch, das ich in den letzten Jahren mit Duolingo und Selbstgesprächen aufpoliert hatte. So viel verstand ich: Ich musste gefühlt noch drei Stunden warten, weil das Check-in zu lange gedauert hatte. Plötzlich hatten 150 Menschen etwas gemeinsam – die Verspätung des Fliegers nach Vancouver, wegen eines vermasselten Check-in. So hatte ich nochmal Zeit mich zu sammeln und mir bewusst zu machen, dass ich dieses krasse Ding dann jetzt wirklich durchziehen werde.
Im Flugzeug angekommen, war ich immer noch etwas mitgenommen, denn der Abschied von meiner Mama war intensiver gewesen, als ich gedacht hatte. Ich wünschte mir, dass mein bester Freund mich zum Flughafen gebracht hätte, um nicht das fühlen zu müssen, was ich fühlte, als ich meine Mama aus den Armen ließ. Leider hat sich mein bester Freund kurz dazu entschieden zum Gesetzesbrecher zu werden und konnte mich nicht wie geplant zum Flughafen fahren. Damit ich es einmal erwähne und bei meiner Heimreise keinen Schlagabtausch mit ihm habe. ER KONNTE NICHTS DAFÜR! (& wenn ich ehrlich sein darf, flossen bei ihm Tage zuvor mehr Tränen als bei mir und meiner Mama zusammen). Wenn wir aufrecht sind, sind Tränen einfach ein Zeichen tiefer Zuneigung, die ich sowohl für meine Mama als auch für meinen besten Freund empfinde. Ich kann mich glücklich schätzen, diese Gefühle spüren zu dürfen...
Der Gang in die Business Class war beeindruckend. Ich nahm Platz auf einem Thron, auf dem ich zehn Stunden sitzen durfte – sogar mit Liegefunktion. Neben mir saß niemand, und die Sitze waren so groß und abgeschottet, dass es mich nicht störte - wie geplant ein Wechselbad der Gefühle zu erleben: Trauer, Angst, Nervosität und ein ganz kleines bisschen Vorfreude. In dem Moment so klein wie eine Chiasame.
Um die freundlichen und zuvorkommenden Stewardessen zu loben: Ihr habt meinen Flug so angenehm gestaltet, dass ich mir zwischendurch wünschte, nicht ankommen zu müssen. Doch wie das mit allem ist, hat alles sein Ende, und nur einmal geblinzelt und ich stand am Flughafen in Vancouver. Mit sichtlicher Nervosität und den Geschichten im Hinterkopf, wie eine Schwester von meinem Bruder seiner Schwagerin fast wieder heimgeschickt wurde, weil sie einen Apfel im Handgepäck hatte, und der Information, dass die Visa-Vergabe vor Ort sehr streng sei, stolperte ich erst einmal über meine eigenen Füße. Meine englischen Fragen an das Flughafen Personal kamen nur stotternd über meine Lippen, während in meinem Ohr das deutsche Lied "Auf anderen Wegen" von Andreas Bourani lief.
Zunächst wartete ich 30 Minuten vergeblich am falschen Kofferband – das war definitiv meine Verpeiltheit und nicht die Organisation am Flughafen. Im Gegensatz zum Flughafen in Frankfurt war es hier angenehm ruhig und übersichtlich. Als ich mich schließlich an einem Automaten registrierte, um zu bestätigen, dass ich keine bösen Absichten hatte, ging es für mich zum Visa Schalter. Ich hatte nicht vergessen, dass es dort super streng zugehen sollte. Vielleicht lag es an meiner deutschen Vorbereitung und/oder an meinem italienischen Charisma, aber in nur zwei Minuten war ich fertig und hielt mein Visum für 12 Monate in der Hand. Yay!
Doch wie ich es nicht erwartet hatte, war eine herausfordernde Situation überstanden, und schon stand die nächste vor der Tür. Und wie sich herausstellte, würde das nicht meine letzte Herausforderung sein. Dazu bald mehr – über Partygirls im Zimmer, während ich einfach nur schlafen möchte, und über ein dummes Schloss, das sich nicht mehr öffnen lässt, während all meine wichtigen Sachen darin liegen. Wir sehen uns im "Chapter two". Danke und gute Nacht nach Deutschland 🇩🇪 oder an eine andere Stelle unseres 🌍.
