Canada Diary - Valentina
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Zuletzt in Kanada

Chapter eight đŸ„°

Veröffentlicht: 21.07.2025

Tour
Ziptrek Zipline Tour
Tour · Ziptrek
Sehenswert
Whistler Village
Whistler, Canada
Essen
Pizza restaurant in Whistler
$ · Abendessen

Beginnen wir mit meinem G.O.A.T. Chat GPT empfahl mir, eine Fahrradtour zu unternehmen. Ich hatte keine bessere Idee. Allgemein habe ich das GefĂŒhl, dass ich nicht unbedingt ein Wasserfall an Ideen bin, was man so unternehmen kann. Also verbrachte ich den Tag auf dem Fahrrad. Vorher kaufte ich mir noch stĂ€rkendes Material, das ich wĂ€hrend der vierstĂŒndigen Fahrt durch Berg und Tal, Wald und Beton, Fahrradpisten und Seen verzehrte. Der Valley Trail, den ich nutzte, hatte alle 30 Minuten einen Stand, an dem man kostenlos sein Wasser auffĂŒllen konnte. Wasser ist schließlich das A und O, wenn es darum geht, seinem Körper etwas Gutes zu tun. Leicht erschöpft, aber glĂŒcklich und befreit, kehrte ich nach dem wilden Ritt wieder ins Hostel zurĂŒck. Es war eine gute Idee, das zu machen, um den morgendlichen Tiefpunkt zu ĂŒberwinden. 

Eigentlich war ich um 19 Uhr abends schon bereit fĂŒr mein Bett. Frisch geduscht und mit sauberen ZĂ€hnen saß ich auf dem Boden und kĂ€mpfte mit meinem Koffer, als die HostelzimmertĂŒr aufging und Blaese reinkam. Mit einem strahlenden LĂ€cheln, das definitiv kein Auslachen war (ich sah wirklich dĂ€mlich auf dem Boden aus), stellte sie sich vor. Sie kommt aus Australien und hat genau die Ausstrahlung, die ich bisher von den Australiern erleben durfte. Sie wirken direkt, aber sehr höflich. Kurzum, wir entschieden uns, den Abend zusammen zu verbringen. Im Whistler Village lief ein Film, und wir beschlossen, mit dem Bus dorthin zu fahren. Allerdings konnten wir den Film nicht wirklich schauen, weil wir von absolut sĂŒĂŸen Hunden umgeben waren und damit beschĂ€ftigt waren, zu erzĂ€hlen, welche Gemeinsamkeiten unsere beiden LĂ€nder haben. Ich erinnere mich, dass wir uns ĂŒber die seltsamen Namen von Lebensmitteln unterhielten – ich meine, wer nennt ein Gericht "Vegemite"? Mit ihr konnte ich einfach mal Englisch sprechen, mit Fehlern, ohne die ganze Zeit ĂŒberlegen zu mĂŒssen, wie das und das Wort heißt. Sie war sehr tolerant und erklĂ€rte mir die Dinge in Ruhe. Am Ende des Abends hatten wir dann eine Liste mit ungefĂ€hr den gleichen Aussprachen von englischen und deutschen Wörtern: Bett-Bed, Haus-House – um nur zwei zu nennen. Ich fand es lustig, dass wir uns ĂŒber die Unterschiede in der Aussprache amĂŒsierten, wĂ€hrend ich versuchte, die Wörter mit einem australischen Akzent nachzusprechen.

Das Blöde an all dem war nur, dass Blaese lediglich eine Nacht blieb. Am nĂ€chsten Morgen fand ich einen Zettel, auf dem stand: "Ich wollte dich nicht wecken. Es war schön, dich kennenzulernen. Wir bleiben in Kontakt. In Liebe, Blaese" Das ist auf jeden Fall eine Lektion, die ich gelernt habe, beziehungsweise ein GefĂŒhl, das ich kennenlernen durfte. Ich traf hier bisher fĂŒnf Menschen, die ich gerne nĂ€her kennenlernen wollte, doch wir alle haben unterschiedliche Reiserouten, unterschiedliche PlĂ€ne und TrĂ€ume. Trotzdem ist es besser, sich auf Menschen einzulassen, als sich zu verschließen, weil man traurig ist, wenn sie wieder weg sind. Ich erinnere mich, wie ich am nĂ€chsten Morgen mit einem Kloß im Hals aufwachte und mir dachte: "Warum kann man nicht einfach die Zeit anhalten?"

An diesem Morgen entschied ich mich nun endlich, auf die Zipline zu gehen. Ich hatte niemanden gefunden, der mit mir dieses Abenteuer erleben wollte, und war wirklich aufgeregt. Noah, der ebenfalls nach Whistler gekommen war, brachte mich zur Ziptrek im Whistler Village. Er selbst fuhr mit dem Bike die Routen, die ich einen Tag zuvor gefahren war. Ich konnte mir nicht helfen, als ich mir vorstellte, wie er mit seinem Bike ĂŒber die Trails sauste, wĂ€hrend ich wie ein nasser Sack auf der Zipline hing.

Noah konnte die Zipline leider nicht mit mir erleben, da es durch eine Operation an seinem Bein zu gefÀhrlich war. Nachdem ich mich angemeldet hatte, setzte ich mich an den Sammelpunkt und beobachtete die Menschen um mich herum. Alle zehn Minuten begann eine Zipline-Route mit zwei Guides, die einen durchgehend begleiteten, und da war er: James. ZunÀchst einmal, bevor wir zu meinem "Lovely" kommen, wurde ich aufgerufen, dass ich in der Route mitgehe. Dabei waren abgesehen von mir vier Paare, von ganz jung (18 und 19) bis alt (73 und 75).

Wie gewohnt war ich sehr freundlich und fand mich schnell in der Gruppe ein (dieses Charisma, das ich habe :-)). Die etwas Ă€lteren haben mich direkt adoptiert, und zwei kamen aus DĂ€nemark, mit denen ich sogar etwas Deutsch sprechen konnte. In so aufregenden Situationen ist das natĂŒrlich von Vorteil, weil ich meine GefĂŒhle in meiner Muttersprache besser artikulieren kann als auf Englisch. Ich erinnere mich, wie wir uns ĂŒber die skurrilen Unterschiede zwischen dĂ€nischen und deutschen Wörtern amĂŒsierten – ich meine, wer hĂ€tte gedacht, dass "Schmetterling" auf DĂ€nisch "sommerfugl" heißt?

Dieses Ereignis löste sehr viele GefĂŒhle in mir aus. Die, die mich schon lange kennen, wissen, dass ich extrem viel Angst vor Höhen habe. Achterbahnen waren in meinem Teenager-Jahren der Horror fĂŒr mich, und trotzdem ĂŒberredeten mich meine Freunde immer wieder. Und immer habe ich mir die Seele aus dem Leib geschrien. Als ich mit Melanie 2023 auf einem Riesenrad war, hatte ich eine Panikattacke und konnte die ganze Zeit nicht die Augen öffnen. NatĂŒrlich dachte ich daran, als ich mit der Gruppe zur Gondel lief. James fing an, mit mir zu reden, und irgendwie konnte er mich sehr gut beruhigen. James war einer der zwei Guides. Er kommt aus England, NĂ€he Birmingham. Er hat schöne große braune Augen, Sommersprossen im Gesicht und kleine Löckchen, die aus dem Helm ragten. 

Er nahm sich meiner an, und die Ruhe, die er ausstrahlte, begleitete mich die ganze Gondelfahrt hoch auf den Berg. Ich saß mit den zwei DĂ€nen und ihm in der Gondel, wĂ€hrend sich die anderen sieben in die Gondel davor quetschten. NatĂŒrlich redeten wir in der Gondel Englisch, um nicht unhöflich zu sein und ihn nicht auszuschließen. Wisst ihr, ich habe bisher viele Kanadier, Amerikaner, EnglĂ€nder und Australier getroffen, die meinten, dass sie es sehr schade finden, nur Englisch zu können. Viele sehen in ihrer Jugend nicht den Sinn darin, eine andere Sprache zu lernen, da man sich mit Englisch ĂŒberall verstĂ€ndigen kann. Im ersten Moment dachte ich mir: "Ja gut, ich wĂŒrde auch lieber Englisch sprechen und mich mit jedem verstĂ€ndigen können." Und hier ist es wieder interessant zu sehen, wie viele unterschiedliche Perspektiven jeder hat. Ich fand es lustig, als einer der DĂ€nen versuchte, mir ein paar dĂ€nische Wörter beizubringen, und wir beide ĂŒber meine Aussprache lachten. 

Das GesprĂ€ch mit James und den DĂ€nen hat mir wirklich geholfen, die Gondelfahrt nicht mit einer Panikattacke zu durchleben, sondern den Blick in die Berge in guter Gesellschaft zu genießen (und denkt daran, ich kannte bis vor 10 Minuten niemanden von ihnen).

Oben angekommen, machten wir uns auf den Fußmarsch zur ersten Zipline. Die "Omi" (das meine ich liebevoll) wollte als Erste. Sie schien keine Angst zu haben und war sehr mutig. SpĂ€ter erzĂ€hlte sie, dass sie vor drei Wochen Bungee Jumpen war (ok, cool dachte ich mir, wĂ€hrend ich mir vor Angst fast in die Hose machte). Danach kam ihr Ehemann und die anderen. Ich bildete das Schlusslicht. Ich wĂŒrde nicht sagen, dass ich diejenige war, die am meisten Angst hatte, sondern eher die, der es egal war, sie zu zeigen. Wobei die DĂ€nen auch nah dran waren. Wir baten den Guide nĂ€mlich, unseren Gurt dreimal zu kontrollieren, bevor wir auf die andere Seite mit der 183 Meter hohen Seilbahn rutschten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir alle nervös lachten und uns gegenseitig Mut zusprachen – es fĂŒhlte sich an wie ein Abenteuerfilm, in dem wir die Helden waren.

Auf der anderen Seite empfing mich James, der mich nach dem Bremspunkt erstmal rauf hieven musste. "You're alive, you made it", zwinkerte er mir zu und war von Freundlichkeit nicht zu ĂŒbertreffen. (In dem Moment habe ich ihn direkt in mein Herz geschlossen.) Und nein, nicht jeder ist so, auch wenn es deren Job sein sollte, freundlich und unterstĂŒtzend zu sein. Es gibt wie in allem auch noch andere (der andere Guide zum Beispiel, der mich bisschen an einen launischen 12 JĂ€hrigen erinnert hat)

Das erste Mal auf der Zipline war tatsĂ€chlich nur in den ersten paar Sekunden angsteinflĂ¶ĂŸend, und natĂŒrlich kurz bevor es losging. Ab der Mitte konnte ich es aber schon fast genießen, nur der Bremspunkt war etwas unerwartet, und ich verlor fast meine Sonnenbrille. (Also, wenn ihr die Gelegenheit habt, macht es!) Trotz der guten Erfahrung mit der ersten Zipline war ich weiterhin aufgeregt. Ich traute mich bei der nĂ€chsten zwar als Erste und flog an BĂ€umen vorbei, mal schnell, mal langsamer, ĂŒber FlĂŒsse, Steine und Berge. Trotzdem war mein Adrenalinspiegel wirklich hoch, und gleichzeitig genoss ich es so sehr. Neben der Zipline hatte ich einfach auch gute GesprĂ€che mit sieben der neun Leute. Die 'Omi' (immer noch liebevoll gemeint) umarmte mich zum Abschied und wĂŒnschte mir alles Gute. Ich kann mich noch gut an ihren herzlichen Blick erinnern, als sie mir sagte: "Du bist mutiger, als du denkst!" Mit James verstand ich mich augenblicklich, er gab mir einfach ein echt gutes GefĂŒhl und tatsĂ€chlich hatte er gerade Feierabend. Wir verabredeten uns fĂŒr spĂ€ter.

Am Abend gegen 21 Uhr trafen wir uns noch zu einer Pizza. Ich hatte ihn wirklich liebgewonnen an diesem Tag, und wir hĂ€tten gerne etwas mehr Zeit miteinander verbracht. Aber ich hatte bereits meinen Flug nach und meine Unterkunft in Calgary gebucht und musste mich an diesem Abend von ihm verabschieden. Es ist toll, neue Leute kennenzulernen, mit denen man sofort auf einer WellenlĂ€nge ist. Aber diesmal fand ich es wirklich sehr sehr schade, Whistler zu verlassen. (Ich denke, ihr versteht.) Wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja irgendwann wieder, und er verabschiedete sich mit einem "May we see again." Ich konnte nicht anders, als zu lĂ€cheln und kurz darĂŒber nachzudenken, Calgary zu canceln. 

Wie ich am nÀchsten Tag bei meiner Ankunft in Calgary nass getrÀnkt eine Begegnung mit jemandem habe, der noch weniger Englisch kann als ich und ich jemanden vermisse, den ich garnicht kenne, erfÀhrt ihr im Chapter nine. 

Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
Begleitung
Allein
AbenteuerlichKulturellAbseits der Pfade
  • Zipline-Tour in Whistler Village
  • Gondelfahrt auf den Berg
  • Pizza am Abend
  • neue Bekanntschaften auf der Tour
HelmKletter-/Zipline-AusrĂŒstung
AbenteuerNaturEssenKultur
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