Chapter six 🚽
Abfluss und Toilettenspülungen.


Veröffentlicht: 20.07.2025
Der Weg aus der Privatsphäre ins Hostel war alles andere als geradlinig. Ich bewegte mich zwar nur innerhalb von Whistler, doch aus einer halben Stunde Busfahrt, wurde ein 2,5 stündiges Abenteuer. Ich hatte mir fest vorgenommen, die Stadt während meiner Privatunterkunft zu erkunden, doch schon bei der ersten Bushaltestelle stellte sich heraus, dass ich nicht gerade ein Meister der Orientierung war. Ständig saß ich an der falschen Haltestelle, und das war nur der Anfang meiner kleinen Odyssee. Ich fühlte mich wie ein lebendiger GPS-Fehler.
An der richtigen Haltestelle angekommen, wartete ich geduldig auf den Bus, beim Einsteigen wollte ich wie in Vancouver gewohnt, mit meiner Debitkarte zahlen. Der Busfahrer meinte, nach dem Fehlgeschlagen-Status meiner Karte, dass das nicht geht. Genervt über die Situation, sah ich mich um und versuchte, einen Plan B zu entwickeln. Ich fragte ihn, ob ich auch bar zahlen könne, aber ich hatte nur Scheine dabei. „it only works with coins“, erklärte er mir. Doch anstatt mich stehenzulassen, lächelte er und ließ mich kostenlos mitfahren. Ein kleiner Lichtblick in meinem chaotischen Tag. Ich schwöre, ich habe ihn innerlich zum „Busfahrer des Jahres“ gekürt.
Geblendet von der Freundlichkeit und mit dem falschen Busfahrplan bei Google Maps schaffte ich es dann, an der falschen Station auszusteigen. Nach erneuter Neuorientierung mit meinem Maps Mix Salat habe ich mir eine neue Busverbindung gesucht. Denn ohne ersichtlichen Fußweg waren es zwar nur 18 Minuten zu Fuß, aber echt schlecht, mit dem Koffer auf der Straße zu laufen, und dann regnete es auch noch. Egal, dachte ich, ich werde schon irgendwie weiterkommen. Doch das Problem das Busticket zu zahlen, bestand ja weiterhin. Meine Visa-Karte konnte ich nicht nutzen, kein Kleingeld war in Sicht, und die App, die mir helfen sollte, konnte ich nicht herunterladen. Ich fühlte mich wie ein Mensch im digitalen Mittelalter.
Plötzlich sah ich ihn wieder – den Busfahrer, der mich hierher gebracht hatte. Er fuhr an mir vorbei, und ich fühlte mich wie der Dopplereffekt. Doch ich war nicht allein. An der Haltestelle gesellten sich drei deutsche Touristen zu mir. Ein kleiner Scherz der Ironie, denn ich wusste noch nicht, dass dies das letzte Mal während meines Aufenthalts im Hostel sein würde, dass ich mit deutschsprachigen Menschen reden konnte. Das Hostel war wirklich abgelegen, und es schien fast so, als wären nur Familien im Haus. Ich überlegte, ob ich mir ein „Ich bin verloren“-Schild basteln sollte.
Im Hostel angekommen, nachdem ich mich auf rappelte und los laufte (Ja, wie eine Gangsterbraut mit rosanem Koffer auf der Straße) - machte ich mich gleich auf die Suche nach einem Geschäft für Lebensmittel. mitten in der Einöde lief ich weiter und weiter. Im Ernst, wo ich hier gerade rumlaufe, sah es aus, als wäre hier gleich der nächste Axtmörder unterwegs. Und dann fuhren auch noch diese typischen Range Rover herum, die man aus Horrorfilmen nur zu gut kennt. Ich fühlte mich wie in einem schlechten Film – „Die Rückkehr der verlorenen Touristin“. Kein Geschäft gefunden. Bevor ich wieder aus Versehen zwei Stunden wandern ging, entschied ich mich, den Einkauf auf morgen zu verschieben und fand meinen Weg, Gott sei Dank, zurück.
Aber auch hier musste ich an ein paar komischen Ecken vorbei. Ich wusste nicht, was ich mir dabei dachte, doch im Inneren war da ein Hoffnungsschimmer, etwas zu finden, das gerade meine leicht depressive Verstimmung heben könnte. Meine innere Stimme sagte mir: „Dreh um. Geh zurück. Da kommt nichts mehr. Wenn überhaupt, bringst du dich gerade etwas in Gefahr.“ Zwischendurch sah ich Menschen, die sichtbar harmlos erschienen, aber im Gegensatz zu Whistler Village war das hier die arme und gruselige Version, von der mir wohl jeder im Village abgeraten hätte.
Ich nahm mir vor, so auszusehen, als wäre das ganz gewollt, hier herum zu irren. In der Hoffnung, dass niemand sieht, wie verloren ich gerade war.
Am nächsten Morgen hatte ich echt ein paar schwierige Momente. Ich wollte einfach nicht aufstehen. Ich würde gerne schätzen, was ich hier gerade mache, aber es kam in meinem Kopf nicht an. Ich versuchte, mir einen Tagesplan zu machen, denn ich merkte, dass mir die Struktur schon sehr fehlte. Dank ChatGPT wusste ich dann ein bisschen, was der heutige Tag so bereithalten könnte für mich. Doch ich musste mich auch wieder einmal mit einem Problem beschäftigen: Diese blöde Bus-App, die ich nicht herunterladen konnte. Ein paar Gedankengänge von gestern sagten mir, dass mein Play Store noch in Deutschland gemeldet war. Kurz geschaut, schnell erledigt. Doch der Weg dorthin war ein Marathon. Nachdem ich dann halb aus dem Bett gefallen war – ernsthaft gefallen, ich hatte nämlich auf einem Hochbett geschlafen – konnte ich mich dann etwas auf den Tag freuen.
Während mein Kopf mir sagte, ich solle mir irgendwo einen Job und eine Bleibe suchen, wo ich ein paar Monate wohnen kann, merkte ich, dass das hier nichts für mich war. Ich brauche länger als drei Tage, um mich an eine Umgebung und Menschen zu gewöhnen (mal abgesehen von den Potatoes). Auch das Alleinsein nagte an mir, selbst wenn ich mit meinen Freunden und meiner Mama durchgehend Kontakt hatte. Ich brauchte einfach menschliche Nähe. Das Gefühl von Einsamkeit ist kaum zu beschreiben. Viele kennen den Unterschied nicht zwischen „alleine sein“ und „einsam sein“. Man kann inmitten von 20 Leuten stehen und sich dennoch leer fühlen, ohne jemanden, mit dem man sich verbunden fühlt. Wie ich es vermisste, Leonie zu umarmen oder meine Katze zu streicheln. Tatsächlich fehlte mir auch der Strand in Vani. Aber dafür war dieses Abenteuer da, um mich besser kennenzulernen, abseits von Deutschland, wo ich glaubte, mich zu kennen. Und vielleicht, nur vielleicht, würde ich am Ende dieser Reise auch ein paar neue Learnings finden – oder zumindest ein paar gute Geschichten, die ich erzählen kann.
