Veröffentlicht: 20.05.2023
18.05.23
Eigentlich verläuft der E4 nicht über den höchsten Gipfel, der Halbinsel Peloponnes, doch wenn man schon mal da ist, kommt es auf einen kleinen alpinen Abstecher auch nicht mehr an.
Ich habe mich sogar besonders darüber gefreut, als ich von der Etappe gelesen hatte, welche auf 1650m bei einer Schutzhütte, unterhalb des Gipfels verläuft und von wo aus man dann zum Top des Profitis Ilias weiter aufsteigen kann.
Nach dem Hagel und Regen am Abend zuvor, meldete die Wettervorhersage für heute ausgezeichnetes Wanderwetter.
Zuverlässig geht dann auch die Sonne gegen 06:00 Uhr auf und ich starte die wahrscheinlich herausfordernte Tour der gesamten Wanderung.
Der Sonnenaufgang verzaubertedie ohnehin schon wunderbare Natur, sowie die atemberaubende Aussicht obendrein auf eine unvergleichliche Art und Weise.
Trotz der Sonne wars noch ziemlich frisch und die stürmischen Windböhen, die je höher ich kam, eiskalt wurden. Besonders auf den letzten, steilen hundert Metern bekam ich die Witterungsverhältnisse voll zu spüren. Die Steine waren teilweise mit frost bedeckt und meine Fingerspitzen taub als ich den Top erreichte. Scheiss drauf, ich war oben. Überragender Moment. Grandiose Aussicht, bishin zum Meer und meinen Ziel, dem ich seit 9 Tagen immer Näher komme und das nun zum ersten Mal, wortwörtlich, in absehbarer Entfernung liegt.
Kurz nach mir traf plötzlich das Pärchen ein, welche am Abend zuvor in ihrem Auto übernachtet hatten. Auch wenn das Erlebnis an sich eigentlich vollkommen war, war ich irgendwie froh, die Momente mit den zwei herzlichen Franzosen teilen zu können. Die beiden Bergsportler hatten Tee dabei und im Windschatten der aus Stein gebauten Biwaks bzw Mauern, konnte man das Ereignis dann entspannt, gemeinsam genießen.
Voller Euphorie und Glücksgefühlen folgte ich dann meiner m Route, die auf der anderen Seite des Gipfels hinunter führte. Die zwei erfahrenen Alpinisten nahmen den Weg auf dem sie gekommen waren.
In mitten des einzigartigen Taygetos-Gebirgs-Panoramas war selbst der steile, steinige Abstieg eine Freude.
Noch immer motiviert erreichte ich irgendwann wieder einen "normalen" Waldweg. Die Hälfte der insgesamt 1600m Absteig waren hier geschafft. Vom Gefühl her, wie wenn man endlich die Autobahn erreicht, nachdem man eine Ewigkeit hinter einem Traktor im Ort festhing. Doch kaum beschleunigt, war eine Wildschweinfamilie etwa 150m vor mir auf der Straße. Sie hatten mich nicht bemerkt. Ich ging ein paar Schritte zurück und warte aus sicherer Entfernung, in unmittelbarer Nähe eines Baumes, auf den ich im Ernstfall hätte klettern können ab, bis die Herde witerzog. Mit lauten Rufen, um auf mich aufmerksam zu machen, lief ich dann kurz darauf weiter.
Der Rest der Strecke zog sich.
Abends den netten Ort Arna erreicht.
Ein Wandertag, an den ich besonders gerne zurückdenke und der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
