Veröffentlicht: 04.08.2023










































Das beste kommt zum Schluss...
Tatsächlich steht Sarajevo seit Beginn der Reise weit oben auf der Wunschliste. Auf der Rückreise waren hiefur deshalb fest ein paar eingeplant.
Gehört habe ich bereits vieles über die Stadt, nun war es endlich an der Zeit mir selbst einen Eindruck zu verschaffen.
Nache einer längeren, entspannten Überlandfahrt, befand ich mich dann schlagartig mitten in Sarajevo. Baaam, Verkehr x1000, überall Menschen, Aufregung, Freude, volle Konzentration, Neugier, Überforderung... Gefühlszustand gleichermaßen chaotisch wie der Verkehr.
Mein Plan war es, auf den Hausberg Trebevic zu fahren, um dort etwas außerhalb ruhig stehen zu können. Kostenpflichtige Parkplätze gibt es im Zentrum einige, gehören aber nicht zu meinen bevorzugten Plätzen. Einen Campingplatz gibt es auch. Dieser befindet sich auch etwas weiter oben auf dem Trebevic.
Meine Nerven waren nach langer Fahrt und wildem Stadtverkehr schon etwas beansprucht, sodass sich die Fahrt auf diesen f***** Berg eine komplette Katastrophe wurde. Mein Navi führte mich immer wieder in kleinste, schmale Gassen, in denen es gleichzeitig noch richtig steil bergauf ging. Keine Ahnung, wie oft es versucht habe und wie oft dabei Gegenverkehr kam, ich am steilen Hang, mit Bremsen die teilweise gar nicht mehr richtig hielten, zurücksetzen oder wenden musste. Bürsti tat mir richtig Leid. Aufsetzen des Unterbodens, durchdrehnde Reifen und stinkende Kupplung am Anschlag. Der Versuch so irgendwie auf den Berg zu kommen beanspruchte auch ihn so richtig.
Ich war kurz davor Sarajevo postwendend wieder zu verlassen. Mental Breakdown.
Mit dem eigenen Anspruch, eigentlich nur auf kostenlose Plätze zu stehen, machte ich es mir bisher immer mal wieder etwas schwerer als vielleicht nötig.
Um diesen Tag noch irgendwie zu retten, war mir nun fast alles recht.
Der grüne, ruhig gelegene Stellpaltz am anderen Ende der Stadt war dann meine Insel nach stundenlangen umhertreiben auf offener See.
Von hier aus waren es ca 13km ins Stadtzentrum. Die Strecke war eben und größtenteils ein richtiger Fagrradweg. Perfekt also, um in die City zu radeln - natürlich nicht mehr am selben Abend.
Dafür gleich am nächsten Morgen, zu einer Free Walking Tour, zu der ich mich am Abend davor übers Internet angemeldet hatte.
Eine super Strecke, um in das Geschehen der Stadt einzutauchen.
Die Touren von Neno and Friends umgehen die öffentlichen Sehenswürdigkeiten und gehen dafür anhand vieler persönlicher Anekdoten tief auf die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner*innen ein. An vielen Stationen, wird deutlich wie präsent der Krieg und die Belagerung für die Menschen in Sarajevo noch immer sind.
Beim Bosnien Krieg 1992-1995 wurde Sarajevo zum Symbol der Zerstörungskraft nationalistischen Wahns.
Bei der längsten Belagerung einer Stadt in diesem Jahrhundert durch die Serben, kostete der Krieg und die Zerstörung über 11.000 Bewohner *innen das Leben.
Noch immer zeugen zahllose beschädigte Gebäude von der Katastrophe, den die Menschen, trotz des langsamen Aufschwungs bislang nicht überwunden haben. Es ist eine Mischung aus Optimus und anhaltendem Trauma, was die Stadt ausmacht und was hier auch für die Touristen spürbar wird.
Die Altstadt hat durch seine Gebäude, osmanisch- orientalischer Prägung einen ganz besonderen Charme. Hier reihen sich einladende Kaffehäuser an Handwerksläden und stilvolle Souvenirshops. Das Stadtbild wird außerdem von einigen auffallenden Gebäuden, aus der Ömösterreich-ungarischen Periode gezeichnet. Geschichte wo man hinschaut.
Religion und Glaube spielen selbstverständlich auch eine entscheidende Rolle, damals wie heute. So sieht man hier viele Moscheen, orthodoxe Kirchen und auch eine Synagoge.
Zur Geschichte, Religion und Politik gibt es so viel zu berichten, dass wahrscheinlich ganze Bibliotheken damit gefüllt sind.
Insgesamt habe ich hier drei Tage verbracht und bin beeindruckt. Die Stadt hat einen unvergleichlichen Charakter, einen eigenen Vibe, der mich durchaus angezogen und beeindruckt hat. Es gibt viel zu entdecken und man wird als Gast herzlich empfangen.
Am letzten Tag habe ich es dann auch auf den Trebenic geschafft. Von der anderen Seite der Stadt, wo sich auch der Stellplatz befand, gibt es eine ganz normale Straße, die nach oben führt.
Über den Berg verteilt gibt es weitere Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten, die vor allem bei Besucher*innen beliebt sind. Zum Beispiel die olympische Bob- und Rodelbahn, die man für die Winterspiele 1884 errichtet hatte. Sie ist heutzutage besonders bei Graffitikünstlern und Mountainbikern beliebt.
Um mich noch etwas intensiver mit der umfangreichen Geschichte auseinandersetzen, besuchte ich auch das historische Museum von Bosnien und Herzegowina. Das war allerdings nicht besonders informativ und unspektakulär.
Dafür wurde ich seit längerem mal wieder in einem der Second Hand Shops fündig. Am Ende nochmal ein großer Pluspunkt für die Stadt.
