Bunter Herbst im Osten Kanadas

Cape Breton, Nova Scotia & New Brunswick im Oktober 2018 

6.10. Fundy Nationalpark

Nachts wird es doch ziemlich frisch, so dass ich mir von dem zweiten Bett auf der Galerie noch die Bettdecke hole. Wir stehen gegen 8h auf, frühstücken aus eigenem Bestand mit Blick vom Esstisch auf Alma, den Hafen und den Nationalpark. Die Tankstelle im Ort hat einen recht gut sortierten kleinen Shop und wir holen nicht nur Sprit (1,29$/Liter) sondern auch einen Kaffee und fahren weiter in den Park.

Das Wetter ist grandios schön, allerdings mit 11°C und viel Wind nichts für leichte Kleidung. 

Der Fundy Nationalpark ist gerade einmal 20km lang - jedenfalls die Straße, die hier hindurch geht. Natürlich gibt es hier etliche Wanderwege und an der Südküste auch Steilküste, ggf. sogar einen Bären. Wir entscheiden uns für einen Rundweg zum Caribou Lake, der streckenweise über einen Boardwalk verläuft. Es sind wenig Leute unterwegs und am Ende des Weges schaut man auf ein Sumpfgebiet, das eher wie ein See aussieht - der Caribou Lake. Laut Informationstafel ist das Moor hier 4m tief und vor einigen Jahren sind hier zwei Elche versunken. Einen hat man retten können, den anderen nicht. Der sichtbare Biberbau hat leider keine Tiere zu bieten. Wir laufen den schönen Weg durch dichten Wald, über sonnenbeschiene Boardwalk-Abschnitte, entlang von Moosen und bunten Birken zurück zum Parkplatz und folgen der 114 weiter nach Norden. Der kleine Nationalpark hat keine weiteren Straßen, die ihn durchqueren, nur ein paar vielfach nicht asphaltierte Nebenstrecken, die irgendwann im Nichts oder wieder auf der 114 enden. Die Tiere, die hier leben gewöhnen sich also nicht so wie in anderen Nationalparks an die Anwesenheit von Menschen und meiden diese folglich, weswegen Sichtungen schon große Glücksache sind. Es gibt rund 300 Elche und einige Schwarzbären hier, erklärt mir später der Ranger am Wolfe Lake Visitor Center. Aber wir sehen nur Warnschilder und ein paar Eichhörnchen.

Zunächst stoppen wir am Bennett Lake und sitzen kurz in den roten Adirondack Chairs (Muskoka Chairs in Kanada genannt). Die Parkverwaltung stellt diese an besonders schönen Aussichtspunkten auf. Wir sitzen in der prallen Sonne, schauen auf eine sehr kanadische Szenerie mit einer tannenbewaldeten Insel in einem spiegelglatten See, auf dem zwei Leute mit bunten Kanus vor bunt verfärbten Laubwäldern unterwegs sind. Von hinten bläst der kalte Wind ins Kreuz, so dass wir hier bald wieder aufbrechen, wenngleich wir einen Weißkopfseeadler über uns segeln sehen.

Ein kleines Stück weiter die Parkstraße nach Norden erreichen wir den Wolfe Lake, am nördlichen Parkausgang, wo das zweite Visitor Center ist. Neu, modern und mit schönen Adirondack Chairs auf der Terrasse sowie erneut ein Ensemble der roten Stühle am Ufer des Sees. Man kann jetzt sogar ohne Jacken in einer windgeschützen Ecke des Visitor Centers sitzen. Das Thermometer im Auto zeigt jedoch weiter nicht mehr als 12°C an. Schattentemperatur.

Um zu checken, wie eine unpaved road zu einem Tümpel beschaffen ist, an dem wir ggf. abends Elche sehen könnten, fahren wir auf eine dieser Nebenstraßen und enden nach 100m an einer wegbreiten unkalkulierbaren Pfütze, deren Untergrund nicht abschätzbar ist. Also umdrehen - keine Elchsichtungen für uns heute Abend.

Wir drehen um, fahren die 114 nach Süden und steuern Maple Grove an. Einen Bereich, der - so sagte man uns - ganz viele Ahornbäume in wunderschönsten Farben bietet. Nun ja. Wir biegen auf eine weitere unpaved road ab, holpern zu einem Anfang eines Wanderweges, wo weitere 4-5 Autos geparkt sind und laufen los. Um uns nur Tannen. Nicht ein einziger Ahornbaum. Also weiter - noch ne Kurve, noch ne Biegung und noch eine. Nur Tannen. Warum heißt das hier Maple Grove? Hier wächst kein einziger maple tree! Eine Gruppe Wanderer kommt uns entgegen, die wir befragen. Aussage: Nö. Kein Ahorn. Sie sind hier 2,5 Stunden bis zu einem Küstenaussichtspunkt gewandert, aber es gibt nur Tannen. Was erzählen diese Leute im Visitor Center einem bloß?

Also zurück zum Auto und weiter holpern über einige Kuhlen und große Steine bis zur Hastings Road, die asphaltiertn nach rechts verläuft und uns zur covered bridge von Wolfe Point bringt. Die Brücke ist von Anfang der 1990er Jahre, also nicht wirklich eine Antiquität, aber ein hübsches Fotomotiv. Unter ihr verläuft der Lower Oxbow River und erreicht ein paar 100m weiter die Fundy Bay. Jetzt ist Ebbe und wir sehen nur Steine. Wir folgen der Straße weiter bis zum Ende, beobachten noch kurz ein Eichhörnchen, das sich gern beim Futtern eines Tannenzapfens ablichten lässt und fahren nach Matthew's Head, eigentlich, um dort einen Trail zu laufen. Wir blicken von oben auf Herring's Cove, aber entscheiden uns dann doch nicht, den Trail zu laufen, da es absolut keinerlei Info zur Beschaffenheit, Strecke und Dauer des Weges gibt. Man soll letztlich auf einer 25m hohen Klippe stehen und einen tollen Blick haben. Aber was man - außer Wasser, wenn es denn da wäre - sieht, ob es ein Rundweg oder ein one-way ist, wo man nach 2 Stunden ganz woanders rauskommt - bleibt alles unklar. Insgesamt sind hier wirklich die Infos dürftig.

Um 16.00h sitzen wir also wieder im Auto und sind unterwegs zurück nach Alma. Direkt beim Ortseingang parken wir und laufen auf der riesigen Watt-Fläche herum, schauen Einsiedlerkrebse, Muscheln und Seetang an. Es ist unglaublich, wie weit man nun in die Bay of Fundy laufen kann. Die Fischerboote liegen im Matsch und damit einige Meter tiefer als bei Flut. Der Tidehub in Alma ist um die 10 Meter.

Um das Abendlicht für Fotos zu nutzen fahren wir von Alma weiter nach Norden, also Richtung der Spitze der Bay of Fundy, biegen aber auf die Straße 915 ab, die eine etwas holperige, aber asphaltierte Nebenstrecke der 114 ist und ziemlich ruhig mit netten Ausblicken ist. Bei Riverside Albert finden wir fotogene rote und bunte Bäume und biegen in dem Ort auf eine weitere Nebenstrecke durch das Marschland ab. Wir folgen alsbald der Mary's Point Road auf dem Mary's Point Loop, was uns unvermittelt an ein Lighthouse bringt, das in der untergehenden Sonne ein phantastisches Motiv ist. 

Wir geraten daher auf dem Rückweg in die Dunkelheit und erreichen erst um 19.20h das Boathouse Restaurant. Ein schneller, leckerer Lachs mit maple honey glaze und ein ganzer Schwung leckere fries - und der Mensch ist glücklich.

Unsere Hütte hat vermutlich 30°C. Wir hatten heute morgen alle Heizungen und den elektrischen Kamin laufen lassen. Auf meiner Galerie ist es unerträglich heiß, ich mache das Fenster auf und wir reduzieren die Wärme. Dennoch bleibt die Nacht nicht so angenehm unterm Dach.

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