12.10.18 Über die Bay of Fundy
Der Wecker geht gnadenlos um 5.45h. Es ist wundersamerweise draußen vorübergehend trocken. Das Inklusiv-Frühstück ist erstaunlich gut. Der Frühstücksraum hat zwar nur 4 kleine...


Veröffentlicht: 22.10.2018



































Um 7.30h erwache ich zu einem traumhaften Sonnenaufgang. Es ist trocken und es sind 5°C ! Hurra. Nicht sonnig, aber es regnet nicht. Nach dem Frühstück aus dem Kühlschrank verbringen wir eine kalte halbe Stunde auf der Pier bei den Lobster Fischern. In der kommenden Nacht um 2h dürfen sie rausfahren. Nur 99 Lizenzen gibt es in Digby und bisher sind gut 60 Schiffe hier. Wir fragen einen der Fischer, die alle wirklich nett sind, wenngleich sie in der kalten Luft echt Knochenarbeit leisten. Er sagt, dass pro Boot ungefähr 4000-5000 lbs (1.800-2.200kg) Lobster bei einem Fang eingeholt werden und rund 100.000 lbs (45.000kg) in der Fangzeit bis zum 1.1.19 möglich sind. Wohlgemerkt immer inkl. Schalen. Dennoch ist die Zahl kaum vorstellbar, wenn hier auch noch 99 Lizenzen vergeben werden. Nun wird sicher nicht jeder diese Maximal-Menge fischen, da auch die Boote extrem unterschiedlich dimensioniert sind, aber dennoch ist es erstaunlich, dass nur in der Bay of Fundy - und eben nicht im offenen Meer - soviel lobster leben. Der Bezirk 34, vor der Südspitze von Nova Scotia ist der größte und dort werden 1.200 Lizenzen vergeben. Die lobster Boote sind breit und kurz, so dass auf der Ladefläche maximal viele lobster traps untergebracht werden, die mit Eisenstücken stabil verbunden werden. In den Boxen wird Fisch aufgespiesst als Köder. Heute Nacht werden die Boxen ausgesetzt und etwa 24h später wieder hochgeholt. Heißt, dass es in 2 Tagen hier vermutlich das völlige Chaos der Löschung der Fracht geben wird, da die lobster ja alle in Kühlkanistern/Lkws gelagert werden müssen. Mittlerweile verschifft man mehr und mehr nur noch das Fleisch - dürfte deutlich billiger sein, als die kompletten lobster. China ist der größte Abnehmer der lobster. Wir wunderten uns bisher, dass die Restaurants hier schließen, wenn doch jetzt die lobster-Zeit beginnt. Aber das hat hier keine Relevanz.
Wir verlassen Digby auf dem Hwy 1, der parallel zur 101 verläuft. Die 1 ist wie eine Landstraße und läuft tw. direkt neben dem Wasser entlang, durch windzerzauste Dörfer, entlang von kleinen Buchten und vereinzelten Häusern und erstaunlich großen Kirchen verläuft. Lange Zeit begleitet uns rechter Hand die Sicht auf Digby Neck und Long Island - diese Halbinseln, die wir gestern nur im Nebel wahrgenommen hatten. Irgendwann verschwindet auch dies und neben uns ist nur noch der Atlantik. Dies ist die Lighthouse Route und wir steuern ein paar an, erreichen alsbald wieder Gebiet der Acadier mit ihrem französischen Kauderwelsch, den französischen Flaggen mit gelben Stern und gigantischen Kirchen aus der Zeit der Franzosen.
Cape St. Marie hat einen Leuchtturm oberhalb einer dramatischen Steilküste. Bei Yarmouth fahren wir bis zur Spitze von Cape Forchu zu dem hoch über dem Meer stehenden großen Lighthouse, aber verzichten auf eine nähere Besichtigung. Der Leuchtturm ist eh hässlich. Die Landschaft hier ist karg und windzerzaust, flach und es gibt nur bodendeckende Büsche, kaum Bäume, viele flache Felsen. Zurück in Yarmouth entscheiden wir uns für die "schnelle" Straße, den Hwy 101 und sind nach weiteren ermüdenden fast 3 Stunden endlich am späten Nachmittag in Lunenburg. Die 101 ist tw. derart öde, dass wir schon vor Verzweiflung diese acadische Radioprogramm hören und rumrätseln, was dort gesagt wird, um etwas Abwechslung zu haben.
Das Whellhouse Motel liegt abseits der Altstadt von Lunenburg und wir gönnen uns hier zwei Einzelzimmer. Sie sind geräumig, duster, haben Kühlschrank, Fön und Kaffemaschine und bei mir liegen Haarbüschel auf dem Teppich und kleben am Waschbecken. Ausgerechnet hier die letzten 3 Nächte - nun ja. Das Bett ist breit und bequem und mit 95$ die Nacht ist es vergleichsweise günstig. Mittlerweile nieselt es wieder, weswegen wir für die gut 1000m in den Ort mit dem Auto fahren. Ab 17.00h und am Wochenende kann man am Straßenrand kostenlos parken, was im Oktober besser ist, als im Juli 2013, als ich zuletzt hier in der High Season war.
In der Salt Shaker Deli müssen wir rund 40min auf einen Tisch warten, dafür ist mein haddock mit Spargel und roten Kartoffeln sehr lecker und mit $18.50 preislich akzeptabel.
Wir sind gegen 20.00h wieder im Motel und über unseren zwei Zimmern geht der Punk up. Eine Gruppe von vier Personen hat die Zimmer mit einer Verbindungstür und es wird Musik gemacht und gesungen. Wir hatten die Leute schon mit zwei riesigen 12er-Trägern Bierdosen in die Zimmer gehen sehen, als wir eingecheckt hatten und uns schon gefragt, warum man ausgerechnet in einem fast leeren Hotel die Zimmer so vergibt, dass die Leute direkt übereinander wohnen, wenn man weiß, wie hellhörig es ist. Trotz Klopfen mit dem Kleiderbügel gegen die Deck wird es nicht ruhiger. Nacheinander beschweren wir uns an der Rezeption und die Dame bewegt zwei der vier Leute gegen 21.00h in ein anderes Zimmer am Ende des Flügels zu ziehen. Das Internet bleibt hier aber eine Katastrophe und ich muß praktisch immer an der Zimmertür stehen (besser noch draußen), um ein halbwegs beständiges Netz zu haben.
