Noch ein Ort, der uns mehr zu sehen gab, als wir gedacht haben, war der Leuchtturm von Lindesnes. Dieser ist nämlich gleichzeitig der südlichste Ort Norwegens, sprich das Südkap. Von hier aus sind es "nur" rund 2.518 km zum Nordkap.

Es war nicht nur damit getan, sich den Leuchtturm anzuschauen, sondern wir machten auch eine kurze Wanderung durch ein kleines Dorf, dass die Geschichte des Südkaps erzählt. Vor allem begeisterte uns die begehbare Küstenfestung und ihre dunklen Gänge unter den Felsen. Diese war Teil des Atlantikwalls, in der Zeit des  2. Weltkriegs und  von Deutschland besetzt. Sie diente der Verteidigung des Schiffverkehrs und  dem Schutz vor einer Invasion der aliierten, da dies leider auch der erste Angriffspunkt des Landes war. Außerdem haben wir eine sehr ergreifende Geschichte über ein versunkenes Kriegsschiff mit 999 Kriegsgefangenen, darunter Menschen aus Konzentrationslagern,gelesen. 986 Seelen verloren ihr Leben. 

Das Schiff versank kurz vor dem Südkap, weil es von militärischen Fliegern angegriffen wurde, da es für ein deutsches Kriegsschiff gehalten wurde. Bis heute wurde es nicht geborgen und liegt weiterhin auf dem Meeresboden, was man sich in Unterwasseraufnahmen vor Ort anschauen kann.

Mit dem Hintergrund dieser Geschichte war das Entdecken der Festung und seiner Umgebung noch interessanter, rührte uns jedoch gleichzeitig sehr. Kaum zu glauben, dass wir unerwartet auf solch einen bedeutenden Ort stießen. 

Faszinierend ist übrigens, dass die Festung auf den ersten Blick wie ein schöner Ort mit schickem alten  Leuchtturm aussieht, der im übrigen noch bis heute im 14 tägigem Schichtwechsel von Hand betrieben wird. Unter der Brandung so viel Leid zu spüren und oberhalb, bei schönem Wetter ein tolles Panorama zu erleben, fühlt sich doch teils paradox an. 

Nachdem wir uns noch eine Weile bei frischer, salziger Meeresluft über unsere neuen Erkenntnisse und die damit verbundenen Gefühle unterhielten, machten wir uns auf den Rückweg zum Auto.  

Auf der Strecke begnete uns doch tatsächlich eine kleine Kreuzotter 🐍 Während sie sich so ganz lässig an uns vorbei schlängelte, rätselten wir über ihr Herkommen und wie Schlangen in so nördlichen Regionen überleben können, da diese doch die Wärme lieben. 

Nach kurzer Recherche fanden wir heraus, dass Kreuzottern giftig sind, häufig in nördlichen Regionen leben und sie die einzige Schlangenart nördlich des Polarkreises sind. Übrigens ist ihr Gift, für den Menschen nicht tödlich. 

Zum Schluss unserer Entdeckungstour, erfuhren wir zudem noch von einem starken Sturm, der die komplette Gedenkstätte Lindesnes so zerstörte, dass das komplette Dorf erneut erbaut werden musste, um die Geschichte weiter leben zu lassen, zu vermitteln und zu Gedenken. 

Was ein unerwartet eindrucksvoller Tag! 

Kommentare

Dora
Manchmal ist es schon überraschend, was man im Ausland noch über deutsche Geschichte erfährt. Ist schon traurig, was dort geschah......

Dorina
Solche Orte finde ich auch immer sehr bewegend. Sie zeigen und auf, dass wir es heute doch sehr gut haben und glücklich sein können, so in Frieden hier leben zu können. 🍀

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